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Der schönste Platz ist vor dem Fernseher.

Onkel Otto rockt

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Das Schönste am Fernsehen sind doch die Pausen.

Eine meiner liebsten Fernsehsendungen ist gar keine Fernsehsendung. Es ist der Pausenfüller des HR-Fernsehens: tapsige Katzenkinder, die in einer aus offenen Würfeln errichteten Pyramide spielen, musikalisch unterlegt mit dem „Wild Cat Blues“. Man könnte stundenlang zuschauen. In voller Länge dauert der Film 28 Minuten, was für eine Pause schon recht voluminös anmutet.

Gedreht hat ihn übrigens die Frankfurter Schriftstellerin Eva Demski, die damals, in den 1970er Jahren, Kulturredakteurin beim Hessischen Rundfunk war. Noch heute zeigt der Sender Sequenzen seines „Pausenkatzen“-Remakes, doch leider viel zu kurz und vor allem leider viel zu selten.

Das Fernsehen sollte insgesamt aus mehr Pausen bestehen. Was gäbe es da alles wieder zu sehen! Im Norddeutschen Rundfunk würde etwa Antje, das Walross, an den Beckenrand robben, sich mit den Vorderflossen aufstützen und prustend Wasser an Land schwappen lassen, sich danach über die Kante hieven und mit der Schwanzflosse den Nacken kratzen. Der NDR-Ballon würde über eine Wimmelbildlandschaft fahren, wie sie Ali Mitgutsch nicht schöner hätten malen können. Im HR würde Onkel Otto, der Fern-Seh-Hund, auf Notenreihen Wasserski fahren, er würde in ein lärmendes Grammophon hüpfen, durch ein Antennenkabel ins Fernsehen kriechen und sich beim Blumenmähen eine reife Birne auf den Kopf fallen lassen. Und „La Linea“, das schlecht gelaunte, in unverständlichem Italienisch mäkelnde Strichmännchen namens Lui, würde so herrlich prustend lachen und seinen Zeichner lautstark beschimpfen.

Und manchmal liefe einfach gar nichts mehr. Dann gäbe es nur noch ein Standbild und den Hinweis „Sendepause“. Und die, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, kann uns doch nur guttun.

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