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Von: Sandra Danicke

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Pension Josefine, München, Zimmer 18, Nacht zum 5. Juli 1999
Pension Josefine, München, Zimmer 18, Nacht zum 5. Juli 1999 © Florian Slotawa

Sich einfach ins Bett legen kann jeder: Der Künstler Florian Slotawa betrachtet Hotelzimmer mit ganz anderen Augen.

Zwischen 1998 und 1999 übernachtete Florian Slotawa zwölf Mal in europäischen Mittelklassehotels. Nachts montierte er in seinem Zimmer alle beweglichen Teile auseinander, schraubte Türen ab, zerlegte Betten, baute daraus Schlafhöhlen und fotografierte sie. Bevor das Zimmermädchen morgens kam, hatte der Künstler alles wieder in seinen Ursprungszustand zurück versetzt.

Florian Slotawa, wenn Sie ein Hotelzimmer beziehen, was tun Sie dann dort als Erstes?
Zum Fenster rausschauen und die Umgebung begutachten. Und, falls nötig, im Zimmer ein Bild abhängen und in den Schrank stellen.

Für Ihre Fotoserie haben Sie vor 20 Jahren heimlich Hotelzimmer umgestaltet. Sind Sie da immer mit einem Werkzeugkoffer angereist?
Ich hatte Werkzeug dabei, eine Großbildkamera und eine Blitzanlage mit Stativen. Alles war im Reisegepäck untergebracht, ganz unauffällig.

Ist mal jemand hineingeplatzt? Oder gab es nachträglich Ärger?
Nein, nie. Mich wundert auch bis heute, dass es von keinem der Hotels im Nachhinein irgendeine Rückmeldung gab. Die Fotos wurden ja immer wieder mal veröffentlicht, bei jedem steht der Name des Hotels, Zimmernummer und Datum dabei.

Wie gut haben Sie in Ihren selbst gebauten Höhlen geschlafen?
Ich habe so gut wie gar nicht geschlafen, sondern mehr oder weniger durchgearbeitet. Aber natürlich habe ich die Höhle ausprobiert. Also, ob man da gut drin liegen kann.

Worum ging es Ihnen bei der Aktion? Protest gegen die normierte Ausstattung in internationalen Hotelzimmern? Ein Lob des Provisoriums?
Mir ging es darum, in eine Stadt zu reisen und mir den Ort anzueignen. Also aus dem Hotelzimmer, das ja auf eine Weise anonym ist, mein ganz eigenes Ding zu machen. Und dann nach erledigter Arbeit wieder wegzufahren mit dem Foto im Kasten.

Was ist die Hotel-Serie für Sie: die Dokumentation temporärer Skulpturen? Fotokunst? Oder beides?
Es sind Dokumentationsfotos von Skulpturen, die außer mir niemand gesehen hat.

Bei Ihren Arbeiten ist es ja meistens so, dass sie aus dem entstehen, was bereits da ist. Sie fügen der Welt keine neuen Materialien hinzu. War das auch hier ein zentraler Gedanke?
Ja, auf jeden Fall, die Idee ist aus meiner sonstigen künstlerischen Praxis entstanden. Wie gesagt, ging es mir darum, mir den Ort anzueignen, also aus dem, was ich vorfinde, etwas zu machen. Das barg natürlich eine gewisse Herausforderung in sich, man muss sich auf das einlassen, was da ist. Ich habe aber auch manchmal Zimmer nicht genommen, weil sie zu klein oder auf andere Weise ungeeignet waren.

Was sehen Sie heute, wenn Sie ein Hotelzimmer betreten? Gestaltungspotenzial?
Seit dem Abschluss der zwölfteiligen Serie im Jahr 1999 habe ich nie wieder ein Zimmer umgebaut. Es ist aber tatsächlich so, dass ich fast jedes Mal in einem Hotelzimmer überlege, ob und wie man etwas daraus machen könnte.

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