1. Startseite
  2. FR7

Kartoffelsalat

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Vincent Klink

Kommentare

Vincent Klink kocht in seinem Stuttgarter Restaurant „Wielands-höhe“ und bisweilen auch im Fernsehen.
Vincent Klink kocht in seinem Stuttgarter Restaurant „Wielands-höhe“ und bisweilen auch im Fernsehen.

Für diesen Klassiker hat jede Hausfrau ihr eigenes Rezept. Fest steht: Matschig sollte er sein.

Jeden Sonntag gab es daheim und bei allen Nachbarn Braten vom Schwein oder Rind oder Kalb oder alle Fleischsorten gemischt. Auf dem Land ist das noch immer so. Für uns Kinder war damals die Fleischzuteilung des Vaters eher knapp. Wir hielten uns an die Spätzle und Soß’ und – jetzt kommt’s: Kartoffelsalat. Das war der Eckpfeiler unserer Gourmandise. Das ist bis heute so geblieben. Jede Hausfrau bereitet den Kartoffelsalat anders zu, und in jeder Region pocht man auf die ureigene reine Lehre. Lothar Späth, auf den kein rechter Schwabe etwas kommen lässt, gab zum Kartoffelsalat eine klare Definition: „Soichnass muaß er sein und dr Wein dazu furztrocka.“ Versteht sich, dass über Kartoffelsalat ohne Weiteres eine Stunde gestritten werden kann.

Zutaten für vier Personen

500 g Kartoffeln, vorwiegend festkochend, 1 kleine Zwiebel, 3 EL Pflanzenöl (am Schluss muss viel Öl zusätzlich dran, er muss glänzen), ein Viertelliter Brühe, stark, kräftig, überwürzt (aus Bio-Instant-Gemüsebrühe), 1 EL Essig, 1 TL scharfer Senf, grober Pfeffer und Salz

Zubereitung

Die Kartoffeln wie Pellkartoffeln weich kochen. Die über alles gerühmte Sorte Sieglinde ist mir meistens zu speckig. Zwar heißt es immer, die Kartoffeln müssten festkochend sein, aber mir ist es wichtiger, dass sie die Brühe, das Öl und den Essig gut aufsaugen. Dies auch auf die Gefahr hin, dass die Kartoffeln unansehnlich zerfallen. Sollte der Kartoffelsalat schön aussehen, so schmeckt er garantiert nicht. Keine Angst vor Matsche! Also keine festkochenden Kartoffeln, sondern die Sorte, die zwischen festkochend und mehlig liegt. Die Pellkartoffeln lauwarm abkühlen lassen, schälen und in feine Scheiben schneiden, also wirklich keine Brocken. Ich nehme dazu gerne einen Hobel. Sind die Kartoffeln gerädelt, kommt die Brühe drüber. Sie muss sehr, sehr überwürzt sein. Dazu kommen zwei Messerspitzen Salz, der Senf, grober Pfeffer und die Zwiebel. Nun die Hälfte des Öls darübergeben und erst jetzt alle Zutaten durcheinandermischen. Die Zwiebel schneide ich nicht mit dem Messer fein, sondern benütze auch eine Raffel dazu, so dass alles sich gut verteilt. Ohne Zwiebel ist der Kartoffelsalat im Kühlschrank auch am anderen Tag noch gut, mit Zwiebel sollte er allerdings sofort gegessen werden. Versierte schwingen alles zusammen in der Schüssel, andere nehmen zwei große Holzlöffel, am besten schmeckt er aber, wenn man ihn mit den Händen durchmischt. Während des Mischens probieren. Danach den Salat eine halbe Stunde stehen lassen, meist muss dann noch etwas Brühe, Essig und Salz hinzu, denn der Salat „lässt nach“. Damit einem das selbst nicht passiert, könnte man mit ein bis zwei Paar Frankfurter Würstchen gegensteuern.

Auch interessant

Kommentare