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Der neue Trend zur Sachlichkeit.

Mode

Ich habe Ihnen einen Fummel mitgebracht

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Heute: Eine weite Leinenhose in Beige, eine weite Tunika in Beige und ein weiter Schlapphut. In Beige.

Weit, weit, weit – beige, beige, beige. „Menocore“ hat US-Bloggerin Harling Ross den Trend zur Sachlichkeit getauft, ein Kofferwort aus „Menopause“ und „Hardcore“. Um den Hormonhaushalt geht’s dabei weniger, eher um die Frau jenseits der 50, die zur Stilikone wird. Diane Keaton nennt Ross auf „manrepeller.com“ als Beispiel, Whoopi Goldberg und Lauren Hutton. An ihnen sehen geräumige Kleider, wadenlange Rockhosen und grobmaschige Strickzelte schon lange gut und lässig aus.

Jedoch tragen diese Wohlfühlfummel jetzt eben nicht mehr nur „exzentrische Keramikerinnen in ihren Strandhäusern“ (Harling Ross) oder „etwas zerstreute Kunstlehrerinnen“ (Carmen Böker in der „Zeit“). Der Wechseljahre-Look samt klobigen Schmuckstücken hat auch Modefans erreicht, die sich um das Fernbleiben ihrer Regel erst in 30 Jahren Gedanken machen müssen. Oder vielleicht auch heute schon, dann aber aus denkbar anderen Gründen. Wie dem auch sei: Eigentlich könnte man diesen Modetrend mit Augenzwinkern einen Modetrend mit Augenzwinkern sein lassen. Wenn er nicht instrumentalisiert würde, um eine vermeintliche Revolution auszurufen.

„Es sei Ausdruck von Stärke, von Selbstbewusstsein, von Persönlichkeit“ sich so zu kleiden, zitiert „Tagesspiegel“-Autorin Marie Rövekamp angebliche Modeexperten. „Die jungen Frauen wollen nicht aufreizend, nicht sexy sein.“ Denn wer sich gerne sexy fühlt, muss offenbar schwach und unsicher, ohne jede Persönlichkeit ausgestattet sein. Schon klar. Den Stil von Frauen mittleren Alters als „garantiert unsexy“ zu beschreiben, sei nur wenig feinfühlig, findet dagegen „Zeit“-Autorin Böker. Recht hat sie. Der Menocore-Trend sei ein „Ausweg aus dem rastlosen Kreislauf aus Laufsteg-Strohfeuer und fotogenen Streetstyle-Trends“, schreibt Silvia Ihring in der „Welt“. Ja, ja, die Mär von der überforderten Frau, bis aufs Äußerste gebeutelt, der Mode hilflos ausgeliefert.

Scheinbar wurden weder Laufsteg noch Streetstyle sorgfältig studiert: Äußerst lässige, äußerst komfortable, äußerst emanzipatorisch gedachte Designs gehören schon seit Jahren zum Repertoire so fieser Laufsteg-Strohfeuer-Labels wie Céline, Prada oder Hermès. Und was den Streetstyle betrifft – da genügt ein Blick auf die Straße: So viel lässt sich die deutsche Frau von der Mode doch offenkundig eh nicht sagen.

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