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"Die Mode von gestern für morgen neu inszenieren."

Mode

Ich habe Ihnen einen Fummel mitgebracht

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Eine glatte Oberfläche, rohes Metall. Kein Fummel also, heute habe ich einen Roboter dabei ...

Dass der im Leben der Menschen, in Alltag und Wirtschaft, eine immer stärkere Position einnimmt, ist nicht neu. Aus der Automobilindustrie ist er nicht wegzudenken, genauso aus der Raumfahrt. Eben da, wo es um glatte Oberflächen, um rohes Metall geht. Aber der Roboter entert ebenso das Geschäft um die zarteren Stoffe: Immer mehr Firmen sind am „Reshoring“ interessiert, wollen die Produktion zurück ins eigene Land holen und durch verkürzte Lieferwege nicht nur den ungeduldigen Kunden, sondern auch den Nachhaltigkeitstrend bedienen. Aber teure europäische Arbeitskräfte bezahlen? I wo! Adidas etwa will in „Speedfactorys“ bald jährlich eine Million Schuhe von Robotern anfertigen lassen, und der Jeans-Hersteller Levi’s Finishs und Waschungen ohne menschliche Hilfe vornehmen. Aber wie stehts um die Ästhetik?

Erste große Auftritte als Models hatten die Maschinen ja schon mal: Bei Dolce & Gabbana flogen unlängst Drohnen die neuen Taschen am Schauenpublikum vorbei, der Designer Philipp Plein indes schickte eine Art Robocop über den Laufsteg – auch wenn in dem Kostüm letztlich ein Mensch steckte. Und schon 1999 ließ Alexander McQueen in einer seiner genialischen Präsentationen ein Kleid live von zwei Maschinen färben. Der legendäre Couturier gab so bereits vor rund 20 Jahren einen kreativen Fingerzeig.

Denn heute spielen Marken auch mit Ideen, Roboter und Software für Entwurfsprozesse einzusetzen. Das Analyseunternehmen Edited lässt Künstliche Intelligenz zu Trendforschern werden, Laufstegbilder auf Farben, Silhouetten und Muster hin untersuchen. Der Onlinehändler Yoox wiederum will eine Modemarke lancieren, die auf solchen Daten basiert. Maschinell ausgewertete Looks ließen sich so zu neuen Kollektionen zusammenfassen, erfolgreiche Silhouetten mit beliebten Farben und begehrten Mustern kombinieren. Was fehlt, ist das Denken, das Fühlen, das für die schöne Mode unabdingbar ist, der Geist, der vor dem Leib noch kommt. Kein Inhalt mehr, alles nur Ästhetik. Das würde der Mode nicht nur ihren Überraschungsmoment nehmen, ihre Chance auf sagenhaften Erfolg, die immer auch die Möglichkeit des grandiosen Scheiterns einschließt, sondern auch der Innovation entziehen. Bisher können Maschinen eben nur das: Die Mode von gestern für morgen neu inszenieren.

Hört sich traurig an, ist aber auch ohne Roboter schon Realität. Retro-Trends haben Innovationen abgelöst, Modemacher schauen sich heute lieber Streetstyle-Bilder an, um zu sehen, was die Menschen eh schon tragen und nolens volens weiter kaufen wollen. Aus dem Couturier ist vielerorts ein Kurator, allenfalls ein Stylist geworden: Der Meister überwacht und kombiniert bloß noch, die Entwürfe machen namenlose Design-teams, die noch aus Menschen bestehen. Noch.

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