Moses Pelham ist ein Frankfurter Rapper und Musikproduzent. Bekannt wurde er Mitte der 1990er Jahre mit der Hip-Hop-Band Rödelheim Hartreim Projekt. Sein Musiklabel 3p zählt zu den erfolgreichsten in Deutschland. Pelham ist seit mehreren Jahren Veganer.
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Moses Pelham ist ein Frankfurter Rapper und Musikproduzent. Bekannt wurde er Mitte der 1990er Jahre mit der Hip-Hop-Band Rödelheim Hartreim Projekt. Sein Musiklabel 3p zählt zu den erfolgreichsten in Deutschland. Pelham ist seit mehreren Jahren Veganer.

Kolumne

Ich wär so gerne ... Betreiber eines veganen Diners

  • vonMoses Pelham
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Gute Musik, nette Leute und Essen, das schmeckt. Das wäre ein Platz, an dem alle glücklich sind.

Ich bin wirklich unglaublich dankbar dafür, dass sich mein Kindheitstraum, nämlich Platten zu machen, erfüllte und ich ein Leben führen darf, in dem ich mich mit dem beschäftige, was mich wirklich interessiert und heute noch immer so fasziniert wie am ersten Tag. Aber wenn man mich schon fragt, wär’ ich so gerne auch Betreiber eines kleinen feinen Lokals mit veganem Fast Food. Ich stelle mir einen gemütlichen, an die Bar aus „Cheers“ oder „How I Met Your Mother“ erinnernden Laden vor, in den natürlich Menschen gehen, weil sie Lust auf tierleidfreies, leckeres Essen haben, in dem aber auch Menschen sind, die gar nicht wissen, dass der Burger, den sie gerade genießen, ohne gequälte, ermordete Tiere auskommt, und einfach da sind, weil es schmeckt, die Atmosphäre gut ist und die Menschen nett sind. Ein kleiner Hangout für Gleichgesinnte, Freunde und solche, die es noch werden. Ein bisschen wie das Hard Rock Café an der Schiller-Passage früher.

Es liefen immer meine Lieblingsplatten, also eine endlose Nachtschicht-Playlist, außer wenn die Eintracht spielt, dann wäre logo Fußball. Aber alles nicht zu laut – tagsüber jedenfalls. Und es gäbe natürlich nur meine Leibspeisen. Süße und herzhafte Pfannkuchen, einen Döner, bei dem das Vleisch so schmeckt wie im Dönerburger, den es nur mittwochs im Savory in Rödelheim gibt, Pommes, einen No Chicken Burger wie den vom vegetarischen Metzger in Berlin, ein Schnitzel wie das, das ich früher immer im Veganz kaufte, bevor der Laden in Frankfurt zumachte und sie die Rezeptur änderten, die veganisierten Käsenudeln meiner Großmutter, No Chicken Balls, einen Cheeseburger, einen Hotdog, der schmeckt wie der, den es früher an der Konstablerwache gab, Pizza, frische Papadams wie im Eat ’n’ Art, Taboulé, ganzen Salatkopf wie im Grill Royal, vegane Mozzarella-Sticks wie im Lily Burger in Berlin und – wenn die Küche unter der Woche um 23 Uhr und am Wochenende um null Uhr schließt – für den kleinen Hunger immer noch Käse aus Cashewnüssen mit Bauernbrot aus der Bäckerei Huck in Rödelheim.

Als Dessert gäbe es Eis und Torten. Es gäbe nur einen Weißwein und einen Rotwein. Natürlich meine Lieblingssorten, Augustiner Helles aus der Flasche, Wasser, Saftschorlen, Cherry Coke mit und ohne Jack Daniel’s und Wodka. Die Getränke würde natürlich ich in Schürze hinter der Bar machen. Ich hab’ auch schon einen Namen: „Mo’s Happy Chicken“. Und natürlich wären die Chicken im Falle dieses Ladens wirklich happy, weil sie nicht für unsere Produkte ausgebeutet und geschlachtet würden. Nicht wie bei Steakhäusern, die dann echt noch die Nerven haben, sich „Glücklicher Bulle“ oder sonst was Zynisches zu nennen. Im „Happy Chicken“ würde ganz zwanglos aus- und somit vorgelebt, wie einfach und lecker es ist, sich vegan zu ernähren, ganz ohne Verzicht und auch ohne, dass es jetzt gleich gesund wird.

Im „Happy Chicken“ wäre immer Happy Hour. Alle Gerichte fingen mit Happy an. Also Happy Chicken Burger, Happy Döner, Happy Schnitzel und so weiter. Bei den Getränken ebenso. Happy Helles, Happy Cherry Coke und so weiter, nur die Cherry Coke mit Jack Daniel’s und die Schorlen mit Wodka wären Very Happy Cherry Coke und Very Happy Schorle. Im „Hap Chi“, wie wir es nennten, arbeiteten nur Freunde und würden sich, während sie arbeiten, immer noch das Happy vor den Namen setzen, also: „Hi, ich bin Happy Yvonne, was darf es denn sein?“ Manchmal würde ich zu fortgeschrittener Stunde, wenn die Musik schon etwas lauter läuft, in bester Sven-Väth-Manier die Musik ausmachen und rufen: „Seid Ihr alle happyyyyyyyyy?“ Alle Gäste würden „Jaaaaaaaaaa“ zurückschreien und happy weitermachen, was sie halt machten, bevor ich sie unterbrach.

In einer Ecke hätten meine philosophierenden Freunde ihren Stammtisch, den alle nur den „Hap Chi Social Club“ nennten. Am Wochenende kämen manchmal befreundete Bands nach ihren Konzerten unangekündigt vorbei, um noch ein paar Songs unplugged zu spielen und danach mit uns zu trinken, bis es morgens Brunch gibt. Das hätte natürlich den Nachteil, dass, weil sich so was ja rumspricht, an manchen Wochenenden, wenn beispielsweise Xavier Naidoo, Michael Patrick Kelly oder Silbermond in der Stadt sind, der Laden von Fans belagert würde, aber damit müssten wir halt leben. Es gäbe einen Billardtisch und zwei Arcade-Spiele: Space Invaders und Pac-Man. Ah, und einen Kiss-Flipper hätten wir natürlich. Mein Freund Costa Meronianakis würde sich oft zu Gästen an den Tisch setzen und einen Witz erzählen. Wenn er befreundete Comedians zu Besuch hat, würden die das natürlich auch machen. Manche Menschen kämen, obwohl sie gar nicht hungrig sind, einfach weil hier immer nette Menschen – im Zweifel halt ich – sind, aber andere würden sagen: „Mann, ich hab’ solchen Hunger, komm wir gehen zu Mo ins ‚Hap Chi‘.“ :o)

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