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"Sie beißt ganz selbstverständlich in eine Käsestange."

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Flitterwochen bei C&A

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Ach du Schreck: Der Denver Clan ist wieder da - zumindest modisch.

In der Mode gibt es ein Gesetz: Es ist immer das gerade hip, was man sich kurz zuvor am allerwenigsten vorstellen konnte. Im Moment sind das Pailletten. Pailletten auf dem Partykleid, Pailletten auf dem Alltags-T-Shirt, Pailletten auf der Jeans - der halbe C&A ist voller Pailletten. Das, was man all die Jahre am Operettenpremierengewand aus Omas Kleiderschrank belächelt hat, ist heute bürotauglich. Auch Brokat und Satin sind im Trend, Stoffe, von denen man kürzlich noch dachte, man fände sie nur noch im Schlafzimmer von Donald Trump oder als Bühnenoutfit von Olivia Jones, machen heute selbst Monika Mustermann zur Glamour-Diva. Kaum eine Frau geniert sich noch, ganz dick aufzutragen, Hauptsache es schimmert, glänzt und die Frisur sitzt bombenfest. Sogar die Gesichtshaut darf glänzen. Was früher als dringender Fall für den Einsatz von Clearasil gegolten hätte, ist heute Symbol für Gesundheit und Stilbewusstsein. Ein bisschen ist es, als seien die Figuren aus der Fernsehserie „Denver Clan“, die jahrzehntelang ein trauriges Dasein im Nirgendwo des Vergessenwordenseins gefristet haben, direkt aus dem Colorado der achtziger Jahre in Europas Innenstädte gebeamt wurden. Schaut man nicht so genau hin, dann entdeckt man Krystle Carrington mit ihren monströsen Schulterpolstern mitten in der U-Bahn, wie sie ganz selbstverständlich in eine Käsestange beißt.

Unlängst dachte ich sogar, ich hätte hinter Alexis Colby in der Schlange beim Bäcker gestanden: Opulente Volants in schrillrotem Satin wellten sich von der rechten Schulter zum linken Saum. Der Eindruck geriet ins Wanken, als die Dame akzentfrei ein „Tante-Anna-Brot“ bestellte und ging gänzlich verloren, als sie sich umdrehte. Obwohl: Das aktuelle Alter der Darstellerin Joan Collins – 85 - kam ungefähr hin. Auch der Lippenstift leuchtete im Denver-Biest-Gedächtnispink. Nur ihr Rouge war ein bisschen verrutscht.

Vermutlich hatte die Dame aber bloß bei Harald Glööckler eingekauft. Und genau das ist das Aufregende am neuen Trend: Ob sich jemand bei Adler einkleidet oder im Berliner Underground-Store, ob er bei Oscar de la Renta oder Gucci High Fashion ordert oder im Second-Hand-Laden alte Abschlussballkleider recycelt, ist so ohne weiteres nicht mehr zu erkennen. Hier wie da wird mit Prunk und Protz gepunktet, wie man das jahrzehntelang allenfalls Eiskunstläufern durchgehen ließ. Wollte Norbert Schramm seine selbst designten Papageien-Fummel gewinnbringend losschlagen - jetzt wäre die Zeit dafür.

Was ist eigentlich zur Zeit der Stoff, den man sich am wenigsten vorstellen kann? Auweia ... Vielleicht sollte man auf dem Flohmarkt schon mal nach Breitcord-Jacketts schauen.

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