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„Die Glücklichen täuschen sich selbst“

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Von: Boris Halva

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Das Wort“positiv“ und Figuren.
„Wir müssen die politische Perspektive einnehmen.“ © Judith Kohl

Alles wird gut? Wer sich das einredet, liegt gründlich daneben: Die Bestseller-Autorin Juliane Marie Schreiber über den Terror des Positiven, sinnvollen Neid und warum wir mehr mürrische Ehrlichkeit brauchen.

Frau Schreiber, beim Lesen Ihres Buches drängt sich der Eindruck auf, dass der Zustand der Menschheit so verheerend ist, weil wir alle glücklich sein wollen.

Interessante Auslegung, aber ich würde erstmal sagen: Die Welt ist, wie sie ist – unabhängig davon, ob wir glücklich sein wollen oder nicht. Die Probleme, die wir gegenwärtig haben, kommen daher, dass wir uns auf das Falsche fokussieren. Und uns zu sehr um uns selbst als Individuen drehen.

Aber wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir ja irgendwo anfangen! Und da liegt es doch nahe, bei uns zu beginnen ...

Einerseits, ja. Aber die Beobachtung, die meinem Buch zugrunde liegt, ist die, dass wir sehr stark Dinge psychologisch betrachten und dass wir denken, wenn wir nur unser Mindset ändern und alles ein bisschen positiver sehen, wird schon alles gut.

Sie sagen: alles Quatsch, ein großer Trugschluss.

Der vor allem dazu führt, dass sich nichts verändert. Deswegen müssen wir die politische Perspektive einnehmen: Wenn wir etwas verändern wollen, dann müssen wir die Probleme erstmal benennen und uns auch darüber beschweren dürfen.

Nun gibt es seit Beginn der Pandemie immer mehr Menschen, die sich beschweren – über Corona-Restriktionen, unfähige Politiker:innen und den Staat, der die Freiheit abschafft.

Stimmt, aber Schimpfen ist zuallererst eine wichtige Artikulation für das, was uns stört oder nicht passt. Und damit essenziell für jede Veränderung. Was die sogenannten Wutbürger und Coronaleugner angeht, gibt es ja die Debatte darüber, wie berechtigt ihre Wut ist. Wer meint, dass wir alle mit der Impfung gechipt werden, schimpft aus den falschen Gründen. Aber in einer Demokratie muss es grundsätzlich immer möglich sein, Missstände zu artikulieren. Demos wegen des Pflegenotstands zum Beispiel haben auf jeden Fall Berechtigung. Ohne Wut verbessert sich nichts.

„Uns wird ja ständig vermittelt: Wenn wir brav meditieren und immer den richtigen Tee trinken, wird es uns gutgehen“

Juliane Marie Schreiber

Es wird viel demonstriert, aber Veränderungen werden aufgeschoben. Oder täuscht der Eindruck?

Das kommt darauf an. Bei der Klimabewegung sieht man auf jeden Fall, dass es ein Bewusstsein dafür gibt, dass die Lage ernst ist und dringend gehandelt werden muss. Da hat die Wut schon eine gewisse Wucht entwickelt. Aber die Geschichte zeigt: Soziale Missstände zu verändern, ist ein langer Prozess, und wenn sich nur wenig bewegt, kann das die Benachteiligten schon mal unzufrieden machen.

Sie raten dazu, diese negativen Gefühle nicht immer unter den Teppich zu kehren.

Bloß nicht! Wir leben ja in einer Zeit, in der uns vermittelt wird, wenn wir brav meditieren und immer den richtigen Tee trinken, dann wird es uns gutgehen. Aber dieses Wohlfühldenken führt zur Stagnation. Gerade für eine soziale Bewegung benötigt man Wut als vorpolitische Artikulation. Denn erst, wenn ich von anderen mitbekomme, dass es ihnen auch nicht gutgeht, etwa, weil der Mindestlohn immer noch zu niedrig ist, um ein einigermaßen gutes Leben führen zu können, dann kann sich was bewegen. Sobald wir alle zurückgezogen und isoliert leben und denken „Ich muss mich eben mehr anstrengen, dann wird’s schon besser werden“, passiert auch nichts.

Juliane Marie Schreiber ist Autorin und Politologin. Ihre Gesellschaftskritik „Ich Möchte Lieber Nicht“ ist im Frühjahr bei Piper erschienen. foto: privat
Juliane Marie Schreiber ist Autorin und Politologin. Ihre Gesellschaftskritik „Ich Möchte Lieber Nicht“ ist im Frühjahr bei Piper erschienen. foto: privat © privat

Da wären wir bei der alten Weise, dass wir alle unser Glück selbst schmieden können. Auch davon halten Sie nichts ...

Jeder will seine Fähigkeiten irgendwo verbessern, dagegen spricht nichts. Doch die Grundidee des Coachings ist problematisch, weil es da meist um den Ansatz geht, die Lösung für die Probleme der Welt in uns selbst zu suchen, statt zu schauen, welche Strukturen denn für unser Unglück verantwortlich sind. Inzwischen denken so viele Menschen, dass sie selbst das Problem sind, dass die Coaching-Branche zweistellige Zuwachsraten hat. Das ist eine Milliardenbranche!

Warum sehen Sie im Drang zur Selbstverbesserung die Wurzel allen Übels?

Dieses Selbstoptimieren ist gewissermaßen der letzte Schritt zu einer technisierten Psyche. Wir wollen im Beruf nicht nur die Maschinen und Arbeitsprozesse optimieren, sondern eben auch unseren Denkapparat. Die Idee dahinter sagt: Wir müssen unsere Fähigkeiten tunen und unsere Psyche professionalisieren, damit wir am Markt bestehen können. Das halte ich für einen falschen Ansatz. Und den bette ich im Buch auch politisch ein, als Teil einer neoliberalen Weltsicht, in der das Individuum für alles selbst verantwortlich ist und sich der Staat deswegen aus der Grundversorgung herausziehen kann und kaum noch regulieren muss. Damit müssen wir uns auch kritisch auseinandersetzen.

Manche Menschen ziehen es vor, sich ihre Zweifel „wegcoachen“ zu lassen, wie Sie es nennen.

Und das ist ein großer Fehler. Zweifel sind wichtig, werden aber nicht so gerne gesehen. Wohl auch, weil sie wie ein Hemmnis wirken in unserer agilen Welt. Dabei ermöglichen Zweifel eine Öffnung im Denken, weil man sich eben fragt: Warum ist das so? Und: Muss das wirklich so sein? Zweifel sind ein Grundprinzip der Wissenschaft und sie haben einen wichtigen ethischen Wert, weil ich dadurch erst andere Meinungen wahrnehmen und mich selbst in Frage stellen kann.

Solche Worte sind ja auch Wasser auf die Mühlen derer, die montags für die ihrer Ansicht nach gute Sache spazierengehen. Ein schmaler Grat, oder nicht?

Im Gegenteil. Die Coronaleugner sind sich ihrer Sache viel zu sicher und zweifeln nicht daran, dass ihre dubiosen Internetquellen vielleicht unzuverlässig sein könnten. Während bei Virologen und allen anderen Wissenschaftlern der Zweifel zur Grundausbildung gehört. Deshalb hat Christian Drosten zum Beispiel so vorsichtig formuliert und sich auch immer wieder korrigiert, wenn es neue Erkenntnisse gab.

Sie schreiben, die Ideologie des Positiven verblödet die Menschen.

Das ist natürlich zugespitzt, aber die Ideologie des Positiven hat unseren Normalstandard verschoben. Glück war früher ein seltener Ausnahmezustand, heute ist Glück die neue Norm geworden. Wer mal schlechte Laune hat, gilt als fehlerhaft. Darin besteht der Terror des Positiven, wie ich ihn nenne, diese Vorstellung, dass Glück – genau wie die gesellschaftliche Position – reine Einstellungssache ist.

Was ist so schlimm am Positiv-Denken?

Dass es blind macht für die Macht der Umstände. Wir ignorieren die gesellschaftlichen Probleme, wenn wir alles auf die psychologische Ebene heben und uns sagen, ich muss nur positiv denken, dann wird schon alles gut. Mich nervt auch dieser Spruch, dass man alles sein kann, wenn man es nur genug will – das stimmt einfach nicht! Wer in Armut aufwächst, hat wenig Chancen, später Chefärztin, Notar oder Ministerin zu werden. Und dazukommt: Mit dem Terror des Positiven geht ja auch eine Verherrlichung des optimistischen Denkens einher. Aber Optimismus hat ganz viele negative Seiten.

Klingt irgendwie widersinnig …

Ist aber so. Da gibt es zum Beispiel die sogenannte Optimismusverzerrung, die besagt: Bereits durchschnittliche Menschen überschätzen sich ständig, finden sich gebildeter und attraktiver, halten ihre Kinder für hochbegabt und glauben vor allem, immer alles unter Kontrolle zu haben. Noch drastischer wird es bei sehr optimistischen oder überglücklichen Menschen. Es gibt sogar einen Ansatz in der Psychologie, demzufolge Glück ein Ausnahmezustand, eine abnormale Funktion unseres Nervensystems, ja, im Grunde eine psychische Störung ist. Es liegt also auf der Hand, dass die Glücklichen nicht das Maß aller Dinge sind, auch wenn sie sich gern so fühlen. Aber in einem euphorischen Zustand wie dem Glück werden Menschen besonders egoistisch und unkritisch. Da haben mürrische und melancholische Menschen und die sogenannten „depressiven Realisten“, Menschen, die an einer leichten – also: nicht klinischen – Depression leiden, einen viel klareren Blick auf die Welt.

Klingt so, als wären die Glücklichen die tragischen Figuren unserer Zeit.

In gewisser Weise ja. Und das vor allem, weil sie so einen verstellten Blick auf die Welt haben. Es gibt ein Experiment, da sollten die Probanden Essays lesen, und mal war als Autor ein älterer Herr angegeben, gewissermaßen der klassische Philosoph, mal war eine junge Frau als Autorin aufgeführt. Die optimistischen Versuchspersonen fanden mehrheitlich den Essay des älteren Herrn glaubwürdiger, obwohl der Text derselbe war. Wohingegen die depressiven Realisten da keinen Unterschied machten. Die waren kaum anfällig für stereotypes Denken.

Also sollten wir froh sein, dass es diese depressiv-realistischen Menschen gibt.

Absolut. Und das sollte man auch in die Welt tragen! Es ist ja schon eine ziemlich revolutionäre Einsicht, dass die melancholischen und die eher traurigen Menschen die sind, die die Welt sehen, wie sie wirklich ist. Und dass die Glücklichen mit einer rosaroten Brille durch die Welt gehen und sich die meiste Zeit selbst täuschen. Da sind wir auch bei der Frage: Was ist eigentlich normal? Und da sehen wir, dass nicht der Glückszustand der Normalzustand ist, sondern eher das Nicht-Glücklichsein.

Eine Illustration mit Buchstaben und Menschen, die abstürzen.
Das Nicht-Glücklichsein ist der Normalzustand © Judith Kohl

Zur Normalität vieler Menschen gehört es, viel Zeit im Internet und mit sozialen Medien zu verbringen. Haben wir das Glücksproblem nicht auch deshalb, weil wir in der digitalen Welt ständig damit konfrontiert sind, dass so viele Menschen glücklich sind?

Ganz bestimmt. Soziale Medien sind eine Art Brandbeschleuniger für unser Bedürfnis, glücklich zu sein. Wir denken, alle anderen sind glücklich, also muss ich zumindest so tun, als wäre ich auch glücklich. Und wir inszenieren uns, weil uns unser Glücksprestige so wichtig ist.

Was an sich ja nicht verwerflich ist ...

Aber wenn man in so einem Glückswettlauf gefangen ist, wird man unglücklich. Das ist ja das Paradoxe daran: dass die Glückssuche unglücklich macht. Es ist ein bisschen wie Fastfood: Wir wollen unbedingt glücklich sein und suchen den schnellen Kick, aber Glück ist ja etwas, das wir gar nicht so lange aushalten können. Das ist genau das, was in der antiken Philosophieströmung, der Stoa, gemeint war mit der Vorstellung „Seelenfrieden durch Stillstand“: Man muss nicht die ganze Zeit etwas machen oder konsumieren, um zufrieden zu sein.

Aber dieses „Froh zu sein, bedarf es wenig“ passt nicht in unsere Zeit, die trotz aller Nachhaltigkeitsbestrebungen immer noch auf Warenfluss und Konsum ausgerichtet ist. Noch beunruhigender finden Sie die Positive Psychologie, die in den Neunzigerjahren in den USA etabliert wurde und um die Jahrtausendwende zu uns herübergeschwappt ist. Was ist so falsch an dieser Denkweise?

Ich finde es problematisch, dass es bei diesem Ansatz nicht mehr darum geht, den Menschen zu helfen, die leiden. Also nicht mehr denjenigen, die bei minus zehn sind, auf eine Normalnull zu helfen, sondern darum, allen Menschen von einer Normalnull auf eine plus Zehn zu helfen. Da ist man ganz schnell in dieser schon erwähnten Glücksschleife. Und bei dem Irrtum, dass jeder sein Glück selbst in der Hand hat. In der Positiven Psychologie gibt es sogar eine unseriöse mathematische Formel, die besagt, dass unser Glück zu einem ganz geringen Anteil aus den Umständen besteht und zu etwa 40 Prozent in unserer eigenen Hand liegt. Übrigens ein gutes Beispiel für toxische Positivität. Und auch etwas, dem wir mit Zweifel und Kritik begegnen sollten.

In mir regte sich ein leichter Zweifel, als ich las, dass Sie den Neid als Impuls sehen für eine neue Debatte über Gerechtigkeit. Wie kann eine eher negativ besetzte Regung wie Neid etwas Positives hervorbringen?

Das hat mich auch überrascht. Aber ich meine mit dem Neid nicht den alltäglichen Neid, also, dass der Kollege möglicherweise eine schönere Hose anhat als ich. Es geht eher um den Neid als Motivator, eine Umverteilung herbeizuführen. Da gibt es überraschende Experimente aus der Spieltheorie, die gezeigt haben: Nicht nur Mitgefühl, sondern auch Neid führt zu Verteilungsgerechtigkeit. Neid sagt: „Nimm von den Reichen!“, Mitgefühl sagt: „Gib den Armen!“ Das kann man in seiner gesellschaftlichen Dimension sehen, und so kann Neid durchaus ein Korrektiv sein und Ungerechtigkeiten beseitigen. Nach dem Prinzip: Warum hat der König ein Schloss und ich nur eine Lehmhütte? Da geht es um reale Umverteilung. Abstrakte Theorien über Gerechtigkeit zeigen da erstaunlicherweise weniger Wirkung.

Das ist wohl das, was Sie als das Positive am Negativen bezeichnen, oder? Dass wir besser einschätzen können, was ich ändern will – und was ich einfach hinnehme?

Ah, sehen Sie! Genau das wollte ich eigentlich vermeiden: dieses produktive Umdeuten. Ich habe keinen Ratgeber geschrieben, sondern allenfalls einen Anti-Ratgeber. Aber um die Dinge ändern zu können, muss ich die Probleme benennen. Das meine ich auch, wenn ich schreibe: Den Fortschritt verdanken die Menschen den Unzufriedenen. Denken Sie an die Französische Revolution oder die LGBTQ+-Bewegung. Nur wenn ich unzufrieden bin, kann ich sagen, hier ist ein System, und das ist schlecht. Manchmal kann ich daran nichts ändern, aber manchmal eben doch.

„Wir haben verlernt, in Worst-Case-Szenarien zu denken. Es wäre gut, sich hin und wieder auf das Schlimme vorzubereiten“

Juliane Marie Schreiber

Und deswegen hilft es nichts, so zu tun, als wäre das Negative nicht da?

Genau darum geht es mir: Dass wir die Augen nicht vor Leid und Tod und Krieg verschließen. Denn das gehört alles zu dieser Welt. Deswegen ist es ein erster Schritt in die Richtung, dass man Verhältnisse verbessern kann. Und eben nicht andauernd nur nach sich schaut und Glückstee trinkt und meditiert oder sich coachen lässt. Antonio Gramsci, der italienische Philosoph, hat das in seinen Gefängnisheften gut ausgedrückt: Pessimismus des Verstandes, Optimismus des Willens. Dass man nicht am Schlimmsten verzweifelt, sondern hinsieht und es aushält, um dann zu schauen, wie man es verbessern kann. Das hat mich sehr inspiriert.

Es geht also auch darum, die Gleichzeitigkeit auszuhalten: das kleine Glück und das große Leid, das eben auch immer da ist?

Ja. Ich habe mich als Politologin schon lange mit Krieg, Terror und Gewalt beschäftigt, gerade ist der Krieg sehr präsent – aber eigentlich ist immer irgendwo Krieg. Oft schaffen wir es erschreckend schnell, alles auszublenden. Und grundsätzlich ist es ja so: Wir haben verlernt, in Worst-Case-Szenarien zu denken. Das klingt für viele dystopisch, wenn man das sagt, aber es wäre gut, sich hin und wieder realistisch auf das Schlimmste vorzubereiten – und wenn am Ende doch alles gut geht, kann man sich freuen.

Aber – ist das jetzt nicht auch so ein Umdeuten, das Sie eigentlich problematisch finden?

Nein, es geht eher darum, dass man eben nicht alles antizipieren kann. Ich fand es erstaunlich, dass zum Beispiel durch die Pandemie wieder so was wie eine mürrische Ehrlichkeit erwacht ist. Da war es plötzlich nicht mehr verpönt, wenn man gesagt hat, dass einem das alles irgendwie zu viel ist. Und jetzt mit dem Krieg in der Ukraine, der ja noch obendrauf kommt, scheint es für viele nochmal mehr okay zu sein, wenn man zugibt, dass einen die Weltlage belastet. Das ist ein erster Schritt in die Richtung einer Ehrlichkeit, die auch bei gesellschaftlichen Problemen relevant ist.

Wie dosiert man diese mürrische Ehrlichkeit? Und vor allem: Was kann sie bewirken? Mir geht das Genörgel auf den Straßen und im Netz ehrlich gesagt ziemlich auf die Nerven.

Im Privaten muss man das auch gut ausbalancieren. Und es geht ja auch gar nicht darum, dass man die ganze Zeit mürrisch ehrlich sein soll, sondern eher darum, dass man es auch mal sein darf. Mal allein vor sich hin zu schimpfen, kann ja schon ein Akt der Rebellion sein. Es geht darum, Probleme zu benennen. Auch zu sagen „Ich mach hier nicht mehr mit.“ Dieses Schimpfen ab und zu kann sehr befreiend sein und auch Spaß machen. Wer schimpft und flucht, zieht kurz den Vorhang der Selbsttäuschung weg und fragt sich: Kann ich etwas ändern? Und wenn das nicht geht, dann lindert das Schimpfen Leid und Schmerz, verdammte Axt! Auch das zeigen Studien.

Sie sagten es bereits am Anfang unseres Gesprächs: Es ist wichtig, dass wir unserem Unmut Luft machen, weil wir ohnehin schon zu viele Kämpfe nach innen verlagert haben und die Ursache unseres Scheiterns immer bei uns suchen. Was ist denn noch wichtig, wenn wir uns vom Terror des Positiven befreien wollen?

Dass wir die Schuld gerne immer sofort bei uns suchen, ist das eine. Aber wir neigen ja auch dazu zu sagen, wir müssen noch produktiver sein. Wer öfter mal „nein“ sagt oder eben „Ich möchte lieber nicht“, der rebelliert auch gegen den Zwang, andauernd produktiv sein zu müssen. Oder sich ständig selbst zu verstellen und immer so zu tun, als wäre alles super. Es geht darum, die Befreiung zu erkennen, die darin liegt.

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