Der ehemalige Student Bernhard Wilhelmer (links) und der ehemalige Polizist Hartmut Moldenhauer im Frühjahr 2017.
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Der ehemalige Student Bernhard Wilhelmer (links) und der ehemalige Polizist Hartmut Moldenhauer im Frühjahr 2017.

Deutschland 1967

Auf der anderen Seite

  • vonPetra Ahne
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Vor 50 Jahren standen sie sich in Berlin gegenüber: der Demonstrant Bernhard Wilhelmer und der Polizist Hartmut Moldenhauer. Dass bei den Protesten der Student Benno Ohnesorg starb, erfuhren sie erst am nächsten Tag.

Hartmut Moldenhauer weiß nicht mehr genau, wie viele Stunden er an dem Abend vor der Deutschen Oper stand. Vier, fünf? Am späten Nachmittag war seine Einheit in zwei Mannschaftswagen vorgefahren, 22 junge Polizisten, deren Aufgabe es war, dafür zu sorgen, dass die Besucher unbehelligt die Oper betreten konnten. Moldenhauer und seine Kollegen waren die „letzte Sicherungseinheit“. Sie standen rechts und links vom Eingang, lange bevor die geladenen Gäste ankamen und lange danach. Als die Autos vorfuhren, sah Moldenhauer die Frauen in ihren edlen Kleidern aussteigen und die Männer in ihren Smokings. Er sah auch Schah Mohammed Resa Pahlewi und seine Frau Farah Diba, aber er hatte keine Zeit, genau hinzusehen. Er hatte eine Aufgabe: den Staatsgast und die anderen Besucher zu schützen – vor „Störern“, wie die Demonstranten im Einsatzplan der Polizei genannt wurden. Vor Menschen wie Bernhard Wilhelmer.

Bernhard Wilhelmer hatte den Tag im Büro des Asta in Dahlem verbracht, der studentischen Vertretung der Freien Universität. Er war Vorsitzender des Asta, der dazu aufgerufen hatte, vor der Oper gegen den Schah zu protestieren und gegen den Pomp, mit dem ein Herrscher, der Kritiker in Gefängnissen verschwinden oder gleich umbringen ließ, in West-Berlin empfangen wurde. Ein paar Tage zuvor hatte er die Demonstration bei der Polizei angemeldet.

Am frühen Abend stieg er in seine Ente, fuhr nach Charlottenburg, parkte und lief Richtung Deutsche Oper. Er kam nur bis zur gegenüberliegenden Straßenseite, an der Bismarckstraße hatte die Polizei Absperrungen aufgestellt, dahinter sammelten sich die Demonstranten. Wilhelmer blieb auf dem schmalen Streifen zwischen der Absperrung und dem Bauzaun stehen. Er sah hinüber zur hellen Steinfassade der Oper, sah die Polizisten, deren helle Mützen in der Sonne leuchteten. Es war der 2. Juni 1967. Der Tag, an dem der Student Benno Ohnesorg sterben sollte. Dies aber erfuhren Wilhelmer und Moldenhauer erst am Tag danach.

„Wir sind uns also schon mal begegnet“, sagt Bernhard Wilhelmer. „Irgendwie schon“, sagt Hartmut Moldenhauer. Die Männer, beide Anfang 70, stehen am Vorplatz der Deutschen Oper, hinter ihnen schießen Fontänen aus dem Opernbrunnen, Kinder laufen barfuß durch das Wasser. Es ist ein warmer Tag, wie damals. Wilhelmer musste überlegen, ob er einen ehemaligen Polizisten treffen möchte, der im Einsatz war, als die Polizei mit großer Härte gegen die Demonstranten vorging und der Kriminalbeamte Karl-Heinz Kurras den tödlichen Schuss abgab. Wilhelmer ist dann doch gekommen, um über seine Erinnerungen an die Ereignisse zu sprechen, die das Land veränderten. Und auch ihn. Jetzt schaut er schelmisch und sagt, dass er eigentlich einen Motorradhelm mitbringen wollte. „Sie haben doch bestimmt ihren Knüppel dabei?“ – „Den hab ich schon lange nicht mehr“, sagt Moldenhauer. Sie sehen sich an, ein bisschen amüsiert, ein bisschen skeptisch.

Beide sagen, die Stimmung vor der Oper sei angespannter geworden, als gegen 19.30 Uhr überraschend die Perser kamen. „Die Jubelperser“, sagt Moldenhauer. „Die Prügelperser“, sagt Wilhelmer. Um kurz vor 20 Uhr wurden die Türen zur Oper geschlossen, die Aufführung der „Zauberflöte“ würde gleich beginnen. „Hätte man einfach abgewartet, es hätte sich wahrscheinlich alles aufgelöst“, sagt Moldenhauer. Aber die Polizei wartete nicht ab. Um 20.07 gab es das Kommando „Knüppel frei! Räumen!“ Beamte trieben die hinter der Absperrung stehenden Menschen auseinander, knüppelten auf sie ein, zwangen sie in die Seitenstraßen.

Moldenhauer sah das alles von seinem Platz vor der Oper aus. Er sah auch, wie ein Polizeibeamter „in komischer gebückter Haltung“ quer über die Bismarckstraße lief und sich den Kopf hielt. Ein Stein hatte ihn getroffen. „Das Bild habe ich nie vergessen.“ Ihm ist wichtig, klarzustellen, dass auch von den Demonstranten Gewalt ausging. Dabei will er die Polizei nicht verteidigen, den Einsatz hält er für „missglückt, um es mal vorsichtig auszudrücken“. Er möchte sich nur so weit wie möglich der Wahrheit nähern.

Moldenhauer hat auch als junger Polizist die Dinge ein bisschen differenzierter gesehen als viele seiner Kollegen. Er wusste, dass die meisten Polizisten für die Anliegen der Studenten, ihre Ablehnung von Obrigkeitsdenken und tradierten Strukturen kein Verständnis hatten. „Die Polizei war ein Spiegel der Gesellschaft“, sagt er. „Da hieß es: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Und wer gegen uns ist, soll in den Osten gehen.“

Er selbst dachte schon deswegen nicht so, weil er von genau dort kam. Er war 1960 aus der DDR nach West-Berlin gezogen, mit seiner Mutter und seinen Großeltern. 18 Jahre lang hatte er in einer mecklenburgischen Kleinstadt gelebt, nun wohnte er bei seinem Onkel in Wilmersdorf, im vom Krieg versehrten und bald von einer Mauer umgebenen West-Berlin, das doch mit aller Kraft einen Neuanfang als weltoffene Metropole versuchte. Das die Lücken, die die Bomben gerissen hatten, mit aufsehenerregender moderner Architektur füllte, wie dem Gebäude für die Deutsche Oper, die 1961 eröffnet wurde. Moldenhauer war froh, aus der Provinz rauszukommen, er wollte dazugehören, so cool angezogen sein wie die jungen Leute hier, Geld verdienen. Ein Studium zog er darum nicht in Betracht, dabei hatte er in der DDR Geschichte und Deutsch studieren wollen. Vielleicht hätte er sonst auf der anderen Seite gestanden. Die Kriminalpolizei interessierte ihn, aber er war zu jung, um dort anzufangen. Jemand riet ihm, zur Bereitschaftspolizei zu gehen und später zu wechseln. 1967 befand er sich in der Ausbildung für den gehobenen Dienst, bei Großeinsätzen kamen er und die anderen Kommissaranwärter zum Einsatz. Es war nicht seine erste Demonstration. Aber er merkte bald, dass diesmal etwas anders war.

Als die Polizei die Demonstranten von der Bismarckstraße abdrängte, lief Bernhard Wilhelmer wie viele andere in Richtung der Krummen Straße. Plötzlich hörte er einen Knall. Er ging weiter in die Straße hinein, dorthin, woher das Geräusch gekommen war. Vor dem Haus Nummer 66/67 blieb er stehen. Dort, im offenen Hof des Neubaus, lag ein Mann, eine Frau hielt seinen Kopf. Der Mann lag reglos, er sah sehr schwer verletzt aus. Wilhelmer stand einfach da, bis der Krankenwagen kam. Dann ging er zu seinem Auto und fuhr nach Dahlem, ins Asta-Büro. Dort kamen im Laufe des Abends immer mehr Studierende an, voller Wut auf die Polizei, die so brutal wie noch nie vorgegangen war, und bedrückt, weil sich herumsprach, dass es einen schwerverletzten Kommilitonen gab. Der erste Asta-Vorsitzende war so mitgenommen, dass er von seinem Posten zurücktrat. „Du musst das jetzt machen“, sagte er zu Wilhelmer, seinem Stellvertreter.

Als Hartmut Moldenhauer und seine Kollegen wieder in die Mannschaftswagen stiegen, war es fast dunkel. Dass nur ein Stück entfernt ein tödlich verletzter Student gelegen hatte, wusste er nicht. Sie fuhren zur Polizeidienststelle in der Neuköllner Friesenstraße, von da fuhr Moldenhauer zurück nach Charlottenburg, wo er am Savignyplatz mit seiner Frau und der zweijährigen Tochter in einer kleinen Wohnung lebte. Er zog die Uniform aus, sperrte seine Pistole in einen Schrank und die Munition in einen anderen, wie es Vorschrift war.

Erst am nächsten Morgen, dem 3. Juni, hörte er im Radio, dass eine Kugel aus der Waffe des Polizisten Karl-Heinz Kurras den Studenten Benno Ohnesorg im Kopf getroffen hatte und er an der Verletzung gestorben war. Er sei erschüttert gewesen. „Dass ein Polizist schießen könnte, lag ja außerhalb unserer Vorstellungskraft.“

Zur selben Zeit erfuhr auch Bernhard Wilhelmer, dass der junge Mann am Boden gestorben war. Als er in der Wohnung am Wilmersdorfer Breitenbachplatz, wo er mit seinen Eltern lebte, auf seinen Vater traf, sagte der zu ihm, dass er ein Mörder sei. Verantwortlich für den Tod des Studenten, schließlich habe er die Demonstration angemeldet. Bernhard Wilhelmer zog noch am gleichen Tag aus.

Ihr Verhältnis war schon lange nicht mehr gut gewesen, das Studium der Psychologie und Publizistik hielt sein Vater für eine „Fehlinvestition“, Aktionen der Studierenden gegen den Vietnamkrieg und für Hochschulreformen nannte er Randale. Heute sagt Wilhelmer, dass er versucht, die Sicht seines Vaters zu verstehen. Dieser arbeitete beim Senat von Berlin, war für die Bevorratung von Lebensmitteln für West-Berlin zuständig. „Diese Arbeit bedingte natürlich die Haltung, dass sich Geschichte wiederholen, es eine weitere Blockade geben kann.“ Die Schutzmacht USA kritisch zu sehen, war da eine Provokation.

Wilhelmer sagt, er habe gar nicht anders gekonnt, als ein politisch engagierter Mensch zu werden. Weil er im Zentrum dessen groß wurde, was Politik anrichten kann. Er wuchs neben einer zerbombten Brache auf, die einmal der Potsdamer Platz gewesen war. In seiner Straße standen nur noch zwei Häuser, in dem einen wohnte Wilhelmer mit seinen Eltern und Großeltern. Ein kleines Stück entfernt begann Ost-Berlin. Er lernte, dass er sich auf einer Insel der Freiheit befand, umzingelt vom Feind, und es machte ihm Angst, dass er direkt an ihrem Rand wohnte. Als er elf Jahre alt war, zog die Familie nach Wilmersdorf.

Bald nachdem er sich an der jungen Freien Universität eingeschrieben hatte, engagierte er sich in der studentischen Vertretung. Er wollte sich wie viele andere einmischen, die Universitäten verändern, an denen die Lehrstuhlinhaber uneingeschränkt und oft autoritär herrschten und an denen die NS-Zeit, wie auch sonst in der Gesellschaft, weitgehend verdrängt wurde. Es war ein Aufbegehren, eine Revolution war es noch nicht. Die Studierenden siezten sich und trugen Jacketts, auch bei Sit-ins, eine dieser neuen Protestformen, die sie sich von den Studierenden in den USA abgeschaut hatten.

Dann schoss Kurras auf Ohnesorg, und wie viele Studierenden hatte Wilhelmer das Gefühl, dass er auch ihn getroffen hatte. Und dass der Staat den Täter davonkommen ließ. Berlins Regierender Bürgermeister, der am 3. Juni sagte, die Geduld der Stadt mit den Demonstranten sei am Ende; die Polizei, die wie der Schütze selbst zunächst von Notwehr sprach; schließlich Kurras’ Freispruch – Bernhard Wilhelmer sagt, all das habe seine Welt, die des friedlichen Studenten, „radikal verändert“. Ihn daran zweifeln lassen, dass er in einer Demokratie, in einem Rechtsstaat lebt.

Er war nicht allein mit dem Gefühl. Zu den Demonstrationen kamen immer mehr junge Leute, überall wurde diskutiert. Nun ging es um mehr als um verkrustete Universitätsstrukturen. Es ging darum, sich nicht abzufinden mit der Welt, in der die Alten die Regeln vorgaben. Es ging darum, sie zu verändern. Aus den Studenten im Jackett wurden die 68er.

Bernhard Wilhelmer wohnte damals mit sieben Freunden in einer Neun-Zimmer-Wohnung in Lichterfelde. Im großbürgerlichen Viertel am Rand der geteilten Stadt waren Wohnungen und ganze Villen in den 60er Jahren günstig zu haben. Einmal kam Hilda Heinemann zu Besuch, die Frau des Bundespräsidenten. Sie wollte sehen, wie die jungen Leute in diesen Wohngemeinschaften lebten, von denen man jetzt so viel hörte. „Wir haben Kuchen gebacken und einen netten Nachmittag gehabt“, erzählt Wilhelmer. Bei ihnen sei es aber anders zugegangen als etwa in Rainer Langhans’ Kommune 1, in der er manchmal zu Besuch war: „‚Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment‘, das galt bei uns nicht.“ Zu dogmatisch. Von Lichterfelde fuhr er jeden Tag zur FU, wo er bei der „Kritischen Universität“ mitarbeitete, die eine Alternative werden sollte zur klassischen Universität, wo „professorale Fachidioten studentische Fachidioten ausbilden“, so stand es im ersten Vorlesungsverzeichnis.

Bernhard Wilhelmer schaut zu Hartmut Moldenhauer. „Was waren wir eigentlich für Sie?“ – „Ruhestörer“, sagt Moldenhauer und grinst.

Dann sagt er, dass diese Tage im Juni 1967 auch die Polizei verändert haben. Vorher habe man sich um die Anliegen der Studenten nicht gekümmert, eine Demonstration vor allem als Ärgernis gesehen. Er schließt sich da nicht aus. Doch dann habe ein Umdenken begonnen. Vor allem hätten die Polizisten nach und nach gelernt, eine Demonstration als das zu verstehen, was sie ist: ein Grundrecht, ein Mittel, seine Meinung kundzutun.

Unter dem neuen Polizeipräsidenten gab es ab 1969 ein Experiment. Ein „Diskussionskommando“ wurde gegründet, das genau das tun sollte: mit Demonstranten reden. Nach dem Attentat auf Rudi Dutschke im April 1968 waren die Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei immer heftiger geworden. Eine Deeskalationsstrategie, das war neu bei der Polizei. „Gruppe 47“ nannte man sie, weil sich 47 Polizisten gemeldet hatten. Auch Hartmut Moldenhauer. Er wollte ohnehin weg von der Bereitschaftspolizei, die ihm zu militant war. Die „Psychobullen“, wie die Studenten sagten, lasen Lenin, Marx und Mao, hörten Vorträge über die Situation an den Hochschulen und den Vietnamkrieg. So gewappnet, tauchten sie bei Demonstrationen und Sit-ins auf, fragten die Studenten, wogegen sie protestierten, sagten, dass es doch nichts bringe, Steine zu werfen. Es gab gute Gespräche, sagt Moldenhauer. Es gab aber auch die, die nicht mit ihm reden wollten, für die er ein Symbol des Obrigkeitsstaats war, den sie verachteten. Moldenhauer verstand die Studenten jetzt besser, fand viele aber auch ahnungslos in ihrer Begeisterung für Karl Marx und den Kommunismus. Die meisten waren aus der westdeutschen Provinz nach Berlin gekommen. Er war in einem kommunistischen Land groß geworden.

Ende der 60er Jahre wurde Moldenhauer gefragt, ob er im „Kommando der Schutzpolizei“ arbeiten wolle, „eine Art Ritterschlag“. Er hatte bei der Polizei Lehrer für politische Bildung werden wollen, nun begann eine andere Laufbahn, mit Führungspositionen im Polizeipräsidium, bei der Senatsverwaltung für Inneres. Im Rückblick hätte er gern mehr mit den Menschen auf der Straße zu tun gehabt, das hat ihm immer Spaß gemacht. Er ist stolz darauf, nie seinen Knüppel benutzt zu haben. „Man wird sehr tolerant als Polizist.“

Auch Bernhard Wilhelmer hat Karriere gemacht. Er gehörte zu denen, die dazu beitrugen, dass die Ideen der Studierenden und jungen Wissenschaftler in die Institutionen getragen wurden, sie veränderten. 1972 ging er nach Oldenburg, gehörte zum Gründungsausschuss der dortigen Universität: eine von mehreren neuen Universitäten in Deutschland, in denen gesellschaftsbezogener, demokratischer und praxisnäher gelehrt werden sollte. Später wurde er Professor, sein Fachgebiet ist die Entwicklungspsychologie. Seine Mutter, die erst vor ein paar Jahren starb, habe bis zuletzt bedauert, dass sein Vater nicht erlebte, wie weit der Sohn, der Psychologiestudent, es gebracht hat. Der Vater ist nicht lange nach diesen Tagen im Juni 1967 gestorben. Eine Versöhnung hat es nicht gegeben.

Ein „Psychobulle“ und ein Psychologieprofessor. Sie waren wahrscheinlich nie wirklich auf unterschiedlichen Seiten, der Student Wilhelmer und der Polizist Moldenhauer. Auch wenn das Leben es so aussehen ließ.

Ein Linker sei er bis heute, sagt Wilhelmer und tippt ans Revers seines Anzugs, auf den Anstecker der Partei „Die Linke“. Weil die Gesellschaft für ihn immer noch weit davon entfernt ist, gerecht zu sein. „Wir 68er haben die Welt nicht aus den Angeln gehoben“, sagt er und lächelt. „Aber wir haben einiges erreicht.“

Ohne den Schuss, glaubt er, wäre wohl einiges anders gekommen. Den Schuss, der, nach allem, was man heute weiß, ohne Not abgegeben wurde – von einem Polizeibeamten und, wie viel später bekannt wurde, Spion der DDR-Staatssicherheit, für den die aufmüpfigen Studierenden für alles standen, was er hasste. Und der damit einen jungen Mann tötete, der diesem Feindbild gar nicht entsprach. Benno Ohnesorg, verheiratet, werdender Vater, Lehramtsstudent, war zum ersten Mal auf einer Demonstration. „Der hatte nicht mal ein faules Ei in der Tasche“, sagt Wilhelmer. „Da hätte er eher mich erschießen müssen.“

Beim Abschied entschuldigt sich Bernhard Wilhelmer für seine flapsige Bemerkung am Anfang, die mit dem Motorradhelm. „Schon gut“, sagt Hartmut Moldenhauer. „Ein Polizist hält viel aus.“

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