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Cornelia Heier (in orangefarbener Hose) beim Demontieren der Buchstaben.

Allerheiligentor

Die Liebe zieht um

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Künstlerin Cornelia Heier baut Skulptur am Allerheiligentor ab. Der neue Standort ist noch unklar.

Als alle fünf Buchstaben auf der offenen Ladefläche des blauen Lastwagens verstaut sind, ächzen die Helfer. Die Skulptur mit dem Wortlaut „Liebe“ war sechs Jahre lang in mannshohen, verrosteten Lettern an der Ecke Allerheiligentor/Friedberger Anlage zu sehen. An dieser Stelle des sogenannten inneren Grüngürtels stand sie im niedrigen Gras.

Der schwerste Buchstabe wiege etwa 60 bis 80 Kilogramm, schätzt die Schöpferin, Cornelia Heier. „Das I kann ich allein tragen“, sagt die 55-Jährige. Nach ihren eigenen Proportionen, „auf Augenhöhe“ für die Betrachter hat sie das Kunstwerk vor mehr als zehn Jahren geschaffen. Seitdem hat es an verschiedenen Orten in der Stadt gestanden und „in der Sonne leuchtende“ Patina angesetzt, etwa am Parlamentsplatz, in der Eschenheimer Anlage und an der Adickesallee. So lange wie in dem Parkabschnitt am Allerheiligentor stand es aber an keinem anderen Ort.

„Ich hatte mich schon daran gewöhnt und war ein bisschen enttäuscht“, sagt die Frankfurter Künstlerin, als das Grünflächenamt sie gebeten habe, die Skulptur abzubauen, weil dieser Teil der Grünanlage umgestaltet werden soll. Dann habe sie sich jedoch auf ihre eigene, ursprüngliche Idee zurückbesonnen, dass das Werk Menschen „an verschiedenen Orten konfrontieren und mit sich selbst konfrontieren“ solle.

Mit fünf Freunden und Künstlerkollegen baut Heier am Donnerstag ihre Skulptur ab, die vollständig den Titel „Metamorphose eines emotionalen Zustands – Liebe“ trägt. Die Funken fliegen, als mit einer Flex die eisernen Schriftzeichen von den Bodenplatten gelöst werden. „Trennungsarbeit“, nennt das Heier. Die Szenerie bietet viel Raum für Metaphorik. Nach rund einer Stunde ist die Liebe verschwunden.

Den Termin für die Demontage „zwischen den Jahren“, hat Heier bewusst gewählt. „Das Fest der Liebe ist sozusagen rum“, sagt sie. Nun sei Zeit für „Besonnenheit“ und „Reflektieren“. Bevor ein neuer Platz gefunden ist, wandert die Installation zunächst in eine Halle des Vereins Fritz Deutschland, in der Gwinnerstraße. Die Künstlerin zeigt auf „Blessuren“ an den Buchstaben – Macken, an denen geschweißt wurde, und die sie von einer Schlossermeisterin ausbessern lassen wolle. Vandalismus habe es in all den Jahren an dem Werk übrigens kaum gegeben, ergänzt Heier.

Wo die fünf Lettern nach den Ausbesserungsarbeiten wieder aufgestellt werden sollen, entscheidet sich in vier Monaten. Zwei Wünsche hätte die Urheberin: entweder am Ernst-Achilles-Platz an der Hanauer Landstraße oder am Ernst-May-Platz, der Wendeschleife der Tramstation 14 in Bornheim. 

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