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Konzentration pur beim Auspacken des Amors.

Liebieghaus

Ein Besuch vom Liebesgott

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Die berühmte Skulptur „Drohender Amor“ wohnt für sechs Monate im Liebieghaus. Der gebürtige Franzose, Jahrgang 1757, gehörte mal Madame de Pompadour. Lange lebte Amor in ihrem Schloss, dem heutigen Präsidentenpalast in Paris. Mittlerweile lebt er aber in Amsterdam.

Der Liebesgott reist nie alleine. Zwei Packer und ein Kurier haben ihn auf seiner LKW-Fahrt von Amsterdam ins Frankfurter Liebieghaus begleitet. Mit vollem Namen heißt er „Drohender Amor“ (L’Amour menaçant). Dabei sieht er auf den ersten Blick eher niedlich und süß aus, wie er so verschwörerisch seinen Zeigefinger auf seine Lippen legt. So einer, dem man sein Liebesgeheimnis anvertrauen kann und der dieses niemals verrät. So ist es aber nicht, dazu aber später mehr. Es ist seine erste Auslandsreise seit sehr, sehr langer Zeit.

Der gebürtige Franzose, Jahrgang 1757, gehörte mal Madame de Pompadour. Die Mätresse des französischen Königs Ludwig XV. gab die berühmte Skulptur beim Bildhauer Étienne-Maurice Falconet in Auftrag. Lange lebte Amor in ihrem Schloss, dem heutigen Präsidentenpalast in Paris. Mittlerweile lebt er aber in Amsterdam. Im Rijksmuseum.

„Wenn ich ehrlich bin, hätte ich nicht gedacht, dass wir ihn überhaupt jemals ausleihen“, sagt Wim Hoeben. Fast zärtlich platziert der niederländische Kurier den knapp 150 Kilogramm schweren Amor auf den dazugehörigen 400 Kilogramm schweren Sockel. „Grandios, dass wir auch den Originalsockel dazubekommen haben“, sagt Maraike Bückling, die Kuratorin der am Mittwoch im Liebieghaus beginnenden Ausstellung „Gefährliche Liebschaften. Die Kunst des französischen Rokoko“ (4. November bis 28. März 2016). „Ein tolles Stück, der Amor“, schwärmt Bückling. Die Kuratorin und der Kurier sind aber auch sichtlich angespannt. Runterfallen wäre eine Katastrophe. Der Amor aus Marmor ist soviel wert, dass allein sein Versicherungswert ein Geheimnis ist. „Schon 1757 wurde er hymnisch gefeiert. Mit seiner linken Hand greift er nach den Pfeilen in seinem Köcher. Er steht also nicht nur für die Liebe, sondern warnt auch gleichzeitig vor ihr“, sagt Bückling.

Lässig lächelnd lässt Amor am Donnerstag alles über sich ergehen: In einer Kiste mit viel Styropor wird er in einer extra dafür gebauten Rampe nach oben in sein Übergangs-Zuhause transportiert. Ein lila Taillengurt, extra mit Papier umhüllt, wird um ihn gebunden. Ganz langsam wird er von den zwei Packern per Flaschenzug auf den Sockel gehoben. Das Ziehen der Metallketten erzeugt ein fieses Quietschen.

Der Raum im Liebiegmuseum wurde extra für den Liebesgott in einem hübschen Goldbraun gestrichen. Auf der Tür klebt ein Schild mit der Aufschrift: „Schließ stets die Tür! Klima!“ Nach zwei Stunden steht Amor in perfekter Position. „Das ging schneller als erwartet“, sagt Hoeben. Er ist sichtlich erleichtert. Der Restaurator des Hauses, Harald Theiss, beleuchtet noch den nackten Amor mit der Taschenlampe und schaut ihn sich minutenlang an. Aber Amor hat wohl gut und sicher die Reise und den Aufbau überstanden.

Seit 30 Jahren arbeitet Hoeben im Rijksmuseum. Er glaubt, dass die Besucher ihren Amor vermissen werden. „Er ist ein beliebtes Selfie-Objekt. Viele glauben, dass er Glück in der Liebe bringt.“ Für ihn selbst ist Amor so etwas wie ein Familienmitglied. „Nach sechs Monaten muss er wieder heimkommen“, sagt Hoeben und lacht.

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