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Die Bernauer Strasse in Berlin.

Mauerfall

30 Jahre Mauerfall: Falsche Ossis und Sekt am Checkpoint Charlie

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Der 9. November markiert entscheidende Brüche in der deutschen Geschichte. Was uns der Blick zurück für das Morgen erzählt.

Wie kommt man zu einer falschen Identität? Manchmal geht es ganz einfach. Mir gelang es am 9. November 1989, am Tag des Mauerfalls.

In der Berliner Redaktion der taz – ich war damals Nachrichtenredakteurin – lief die Zeitungsproduktion wie gewohnt. Zunächst. Die Aufregung wegen der Proteste in der DDR hatte sich seit Wochen gesteigert, gute Kontakte in die Dissidentenszene pflegte die taz sowieso, doch niemand ahnte, was dann geschah.

Mauerfall - Stoische DDR-Grenzer am Checkpoint Charlie

Irgendwann zwischen 17 und 18 Uhr stürmte Redaktionsleiterin Georgia Tornow in unser Ressort und rief: „Die Mauer ist offen.“ Wir staunten und glaubten kein Wort. Wollten es aber genauer wissen. Mit Georgia, Arno Widmann aus dem Feuilleton, und zwei, drei anderen liefen wir aus dem Haus und über die Kreuzung zum Checkpoint Charlie. Bewaffnet und stoisch wie üblich standen die DDR-Grenzer an der Demarkationslinie.

Direkt gegenüber dem Checkpoint gab es damals das Café Adler, dessen Wirt wir gut kannten. Wir erzählten, was wir gehört hatten, schnappten uns eine Flasche Sekt und ein paar Gläser, drapierten sie hübsch auf einem Tablett und schlenderten auf die Grenzposten zu, die merklich misstrauisch reagierten. Die Mauer sei doch jetzt offen, sagten wir freundlich, darauf könnten wir jetzt mal mit ihnen anstoßen. Kein Wort, kein Lächeln. Mit unwirschen Gesten verscheuchten uns die Uniformmänner aus ihrem Bereich.

Mauerfall: Ist die Grenze jetzt offen oder nicht?

Doch keine Maueröffnung? Alles ein Irrtum? Egal. Wir beschlossen trotzdem zu feiern, ließen den Sektkorken knallen und hoben die Gläser auf irgendein freudiges Ereignis, das sich sicher noch einstellen würde.

Da standen wir also, die kleine Gruppe tazler*innen, mitten im Grenzbereich und prosteten uns zu. So entdeckte uns der Fotograf einer Nachrichtenagentur und freute sich über das fröhliche Bild. Das Foto ging um die halbe Welt.

Mauerfall: Falsche Ossis und Treppenwitze der Geschichte

Am folgenden Tag riefen zunächst meine Eltern an, weitere Anrufe, auch aus dem Ausland, folgten. Meine Eltern hatten das Foto einer strahlenden Frau mit erhobenen Glas auf der ersten Seite ihrer Regionalzeitung entdeckt. Das war zweifellos ihre Tochter. Doch die Bildunterschrift lautete: „Eine der ersten Ostdeutschen, die am Tag des Mauerfalls glücklich die Grenze passiert.“

Ein kleiner Treppenwitz der Geschichte an einem denkwürdigen Tag.

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