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Kann auch was am Ball: Aleksandar Ignjovski.
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Kann auch was am Ball: Aleksandar Ignjovski.

Eintracht Frankfurt

Der zwölfte Mann

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Aleksandar Ignjovski war unter Armin Veh keine gute Zukunft prophezeit worden – Pustekuchen. Der Defensivallrounder der Frankfurter Eintracht beweist Kampfgeist.

Vor ein paar Wochen, als der Staffelstab übergeben wurde, schien Aleksandar Ignjovski so ein bisschen ins Abseits zu geraten. Der eisenharte Defensivallrounder der Frankfurter Eintracht war unter Thomas Schaaf zwar nicht immer ersten Wahl und zwischendurch krankheitsbedingt auch mal ziemlich weg vom Fenster, aber er galt gerade zum Ende hin wieder als verlässliche Größe. Doch dann warf der Wahl-Bremer die Brocken in Frankfurt hin, und es heuerte ausgerechnet Schaafs Vorgänger Armin Veh als dessen Nachfolger an. Da sahen viele dunkle Wolken aufziehen – für Spieler wie Slobodan Medojevic oder eben auch Ignjovski.

Nicht weil Veh diese Fußballer nicht persönlich kannte, sondern weil er grundsätzlich andere Spielertypen bevorzugt, solche, die ihr Werk eher mit der feinen Klinge verrichten. Aleksandar Ignjovski ist im wahren Leben zwar durchaus filigran, was er als Goldschmied auch sein muss, doch auf dem Feld mag er es lieber rustikal und knackig. Ignjovski ist, ganz klar, der Mann fürs Grobe. Und so einer sollte bei Veh, der einen Faible für das schöne, anspruchsvolle Spiel hat, eine realistische Chance haben? Sehr wohl.

Der Fußballlehrer stempelte auch die Spieler, die er noch nicht kannte, nicht gleich ab und übernahm keine vorgefertigten Meinungen, sondern machte sich sein eigenes Bild und gab jedem eine faire Chance. Das sollte eigentlich ohnehin so sein, doch selbstverständlich ist es trotzdem nicht. Und Veh merkte schnell, dass Ignjovski so ein klein wenig in den falschen Schubladen steckt. „Der ist nicht so schlecht wie er gemacht wurde“, sagte Veh bereits nach wenigen Wochen. „Der kann schon was, auch am Ball.“

Ignjovski würde seine Chance bekommen, und er sollte sie nutzen.

Der Serbe hat es bisher zwar nicht einmal in die Anfangsformation geschafft, aber er ist nahe dran, er ist, wenn man so will, der zwölfte Mann. In Wolfsburg und in Stuttgart wurde er mit Beginn der zweiten Halbzeit eingewechselt, im Heimspiel gegen Augsburg nach 66. Spielminuten. Da lag die Eintracht mit 0:1 zurück, und jeder hatte damit gerechnet, dass Veh offensiv wechseln, vielleicht Vaclav Kadlec bringen würde, um dem Spiel noch eine Wendung zu geben. Doch Kadlec blieb auf der Bank, Ignjovski kam – und gewann an der Außenlinie mit einem beherzten und kompromisslosen Einsatz am Rande des Foulspiels den Ball, Sekunden später zappelte er im Augsburger Tor.

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Iggy, wie er gerufen wird, holte sich gleich ein Sonderlob von Sportdirektor Bruno Hübner ab, der in der FR sagte: „Wenn man sieht, wie der Iggy den Zweikampf vor unserem Ausgleichstor geführt hat, das zeigt, dass die Mannschaft kämpft bis zur letzten Sekunde.“ Kämpfen ist für Ignjovski keine besondere Tugend, es gehört für ihn zum Fußball dazu wie der Anstoß.

Ignjovski ist ein Spieler, den jeder Trainer gern in seinem Kader hat: Er ist loyal, bescheiden, korrekt, verlässlich, er macht keinen Stunk, beklagt sich nie, er verrichtet seinen Dienst immer genau und immer korrekt. Und immer mit dem größtmöglichen Einsatz. Auch in Stuttgart jetzt war es der „Goldschmied mit Schmackes“ (FR), der dem Spiel noch einmal wichtige Impulse gab, er war mit seiner Spielweise eine Art Signalsetzer. Veh hatte den Familienvater ganz bewusst und genau mit dieser Intention ins Spiel gebracht. Ihm habe die Aggressivität gefehlt, „und diese Note sollte Iggy reinbringen.“ Hat er gemacht. Der 24-Jährige bearbeitete die Stuttgarter nach Kräften, grätschte, fightete und piesackte, bis den Schwaben die Lust verging. Ignjovski, Typ Terrier mit Herz, möchte man ganz gewiss nicht als Gegenspieler haben.

Mann für die Schmutzarbeit

Er beschränkt sich auch fußballerisch darauf, die einfachen Dinge zu machen: Ball erkämpfen und weiter geben. Der frühere Bremer ist bestimmt keiner, der ein Spiel eröffnen, leiten oder mit spielerischen und strategischen Fähigkeiten in gewisse Bahnen lenken kann, dafür sind aber auch andere zuständig. Stefan Reinartz etwa oder auch Marc Stendera. Er ist mehr der Schattenmann, der Mann für die Schmutzarbeit, und das ist alles andere als abwertend gemeint.

Ignjovski ist mit der bisherigen Saison ganz zufrieden. „Ich gebe immer Vollgas, biete mich immer an“, sagt er. „Aber ich brauche auch ein bisschen Zeit, weil ich oft die Positionen wechsele.“ Mal ist er, wie in Wolfsburg, als Rechtsverteidiger gefragt, dann wieder wie jetzt in Stuttgart im Mittelfeld. Die Position in der Zentrale spielt er deutlich lieber, aber einer wie Ignjovski würde natürlich nie aufbegehren, er spielt da, wo ihn der Trainer hinstellt. Ist ja klar.

Als ihm jetzt nach der Partie in Stuttgart jemand zurief: „Gut gespielt, Iggy, starke Leistung“, da war ihm das fast ein bisschen unangenehm. „Danke“, sagte er und schaute verlegen zu Boden. „Vielen Dank.“

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