+
Wer solche Schuhputzer hat, muss ja einfach treffen: Luka Jovic (links) und Sebastien Haller, Torjäger unter sich.

Eintracht Frankfurt

Zwischenzeugnis: 2+

  • schließen
  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt
    schließen

Vom Musterschüler bis zum Schulabbrecher: Die FR verteilt Zensuren und bewertet jeden Spieler von Eintracht Frankfurt nach der Hinrunde.

Die Hinrunde ist abgeschlossen, jetzt ist es Zeit für eine Zwischenbilanz. Die FR verteilt Zensuren und bewertet jeden Spieler von Eintracht Frankfurt für das bisher Geleistete. 

Musterschüler

Makoto Hasebe (11 Bundesligaspiele/0 Tore/6 Europa-League-Spiele/0 Tore): Wer vor den fantastischen Drei steht, muss einiges draufhaben. Hase hat das. Er ist der wichtigste Spieler, der Stratege, die Säule, der Alles-Zusammenhalter. Er stabilisiert die Abwehr, er antizipiert brillant, ist der erste Passgeber nach vorne, sein Wort in der Kabine hat Gewicht. Versteht das Spiel wie kaum ein Zweiter. Wie sehr er die Eintracht prägt, merkte man zuletzt, als er fehlte. Nie war der Japaner wertvoller als heute. Zu Recht mit einem neuen Kontrakt belohnt.

Luka Jovic (15/12/6/5): Fast schon unheimlich, diese Tormaschine! Er knipst und knipst und knipst. Eiskalt, unerbittlich, gnadenlos. Dabei ist er gerade erst 21 geworden. Erster und einziger Eintracht-Profi, der in einem Spiel fünf Buden machte. Nahm eine unglaubliche Entwicklung, vor einem Jahr noch Hinterbänkler. Jetzt leckt sich halb Fußball-Europa die Finger nach dem Torjäger. Will noch ein wenig in Frankfurt bleiben, hat er zumindest Stepi versprochen.

Sebastien Haller (17/9/6/3): Noch so ein Überflieger. Einer der Gründe für den unerwarteten Höhenflug der Eintracht. Entscheidender Mann im Sturmzentrum, so viel besser als in der vergangenen Rückrunde, man glaubt es kaum. Macht die Bälle fest, verteilt sie klug, hat technisch enorm dazugelernt, führt mit die meisten Zweikämpfe, gewinnt sie auch, zuweilen auf unorthodoxe Art. Nie verletzt. Legt auf und trifft verlässlich. Chapeau.

Filip Kostic (17/1/4/2): Was für eine Wandlung! Das kann nicht der Kostic sein, der in Stuttgart und Hamburg so lustlos vor sich hinkickte. Welch eine Dynamik, welch eine Power! Spurtet fast das ganze Spiel durch, immer volle Pulle. Lieferte sechs Vorlagen in der Liga und stete Torgefahr. Als Linksverteidiger. Dazu defensiv erstaunlich stark. Spielte so, als habe er nie was anderes getan. Hut ab auch vor Trainer Adi Hütter, der dieses verborgene Talent entdeckt hat.

Kevin Trapp (16/0/4/0): Glücksgriff ohne Risiko. Füllt nahtlos die Lücke, die Vorgänger Lukas Hradecky gerissen hat. Sicherer Rückhalt, starke Paraden, überragend im Spielaufbau mit dem Fuß, gereift als Persönlichkeit. Seine Aura, sein Charisma strahlt ab, ein Gesicht der Eintracht. Zudem: Dolmetscher in eigener Sache. Geschliffener Analytiker. Ein wichtiger Mosaikstein.

Ante Rebic (12/5/4/0): Überraschend nach der WM in Frankfurt geblieben. Er weiß halt, was er an der Eintracht hat, inklusive Gehaltserhöhung. Brauchte verletzungshalber eine Weile, bis er auf Touren kam. Einmalig seine Wucht, seine Aggressivität, sein Pressing - das kann in der Liga keiner so wie er. Ein steter Unruheherd, unbequem. Gegen ihn zu spielen, macht keinem Spaß. Zuletzt etwas unklar in seinen Aktionen, fahrig. Er ist ja immer noch nicht ganz fit. Das klingt wie eine Drohung. Liebt das Grillen im Hinterhof mit Kollegen.

Danny da Costa (17/1/6/2): Immerspieler auf rechts. Nimmermüde, kam ohne Verletzungen durch die Hinrunde, das ist gut. Die Alternativen sind rar gesät. Marschiert ständig nach vorn, doch seine Flanken sind häufig zu ungenau, nur zwei Vorlagen in der Bundesliga. Dafür torgefährlich in Europa. Gefragt als Außenminister am Flatterband, sehr eloquent, gern gesehener Interviewpartner, befragt sich zuweilen auch selbst. Und antwortet.

Evan Ndicka (17/1/4/0) : Vom unbeschriebenen Blatt zum Stammspieler. Erstaunliche Entwicklung. Abgebrüht wie ein alter Hase, kocht Angreifer reihenweise ab, guter Zweikämpfe, feine Technik für einen Verteidiger. Man vergisst bei seinem abgezockten Spiel, dass er erst 19 Jahre alt ist. Steht wahrscheinlich vor einer großen Karriere. Wo auch immer.

Zweite Reihe

Gelson Fernandes (15/1/4/0) : Fleißiges Lieschen. Rennt von Pontius zu Pilatus, bis er den Ball hat, ein Duracell-Hase ist ein matter Loser gegen ihn. Hat auch fußballerisch eine Schippe draufgelegt. Das war wirklich nicht zu erwarten. Vom Mitläufer zum Stabilisator. Klasse. Dazu mit hoher Sozialkompetenz ausgestattet, hält den Laden zusammen, immer lächelnd, immer guter Laune. Ein Sprachgenie, er spricht fast alles. Selbst Adi Hütter ist neidisch. Bis Vertragsende 2020 wird er auch noch serbokroatisch perfekt beherrschen, in Wort und Schrift. Ganz bestimmt!

Jonathan de Guzman (17/2/4/0) : Licht und Schatten. Eine gewisse Kontinuität geht ihm ab, anfangs und am Ende der Runde etwas fahrig, zwischendurch richtig gut. Manchmal kommen seine Standards, manchmal nicht. Vier Vorlagen in der Liga sind nicht schlecht, erzielte das schnellste Eintracht-Tor der Hinrunde, nach 52 Sekunden lag in Augsburg der Ball im Tor. Wortgewaltiger Mann, gibt auch in der Kabine bisweilen den Ton vor. Auf Englisch.

Mijat Gacinovic (16/0/6/2) : Ein Lauf für die Ewigkeit ist ihm nicht mehr gelungen, nur ein wunderschönes Tor in Rom. Ist ein bisschen stabiler geworden, doch zu häufig versandet sein Spiel, bleiben seine gut gemeinten Pässe an Gegners Füßen hängen. Gibt nie auf, läuft viele, viele Kilometer, haut sich immer rein. Der Ertrag könnte höher sein. Muss endlich wie ein Mann spielen, man ist ihm aber selten böse. In Europa deutlich effektiver. Gehört inzwischen fast schon zum Eintracht-Inventar.

David Abraham (9/0/3/0) : Kam schleppend in die Saison, mit vielen einfachen Fehlern. Stabilisierte sich im Saisonverlauf. Sein Tempo ist enorm wichtig, um als gesamtes Team hoch verteidigen zu können. Der Kapitän läuft viele Bälle ab. Allerdings: Die Wehwehchen häufen sich, er fehlt oft. Arbeitet als Mutter der Kompanie viel hinter den Kulissen, Spezialist für argentinische Fleischspezialitäten. Auch wichtig.

Hinterbänkler

Lucas Torro: Kluger Kopf, der im vergangenen Halbjahr viel zu verarbeiten hatte. Erst den Wechsel aus Spanien nach Deutschland, dann den tragischen Tod seines Bruders, nun eine Schambeinverletzung. Torros Rückkehr wird noch dauern, kein Problem, er hat noch viereinhalb Jahre Vertrag. Starkes Kopfballspiel, ordentliche Ballbehandlung, nicht ganz so schnell und mit dem einen oder anderen haarsträubenden Fehlpass zu viel. Kann aber noch werden.

Carlos Salcedo (6/0/0/0): Sollte der Abwehrchef werden, fiel nach einem üblen Tritt des Bremers Klaassen aber lange aus. Hat klasse Heilfleisch, in der Endphase der Hinrunde wieder im abwehrenden Dienst, aber auch mit einigen Wacklern. Sollte sich steigern. Und seine Mätzchen lassen.

Jetro Willems (12/0/5/0): Mag keine Sprints die Linie lang, bietet sich lieber kurz an. Spielte folglich jahrelang auf der falschen Position – im zentralen Mittelfeld mit viel ansprechenderen Leistungen als zuvor als Linksverteidiger. Bringt viele Qualitäten mit, vor allem eine exzellente Technik. Um häufiger zu spielen, muss der Mann aus Curacao zielstrebiger werden. Flog zweimal hintereinander vom Platz und aus dem Team. Nicht klug.

Marco Russ (4/0/4/0): Achtmal eingesetzt, siebenmal gewann die Eintracht. Muss in der Abwehrarbeit viel mit Auge lösen, weil die Beine nicht mehr wirklich schnell unterwegs sind. Das gelingt oft, natürlich nicht immer. Solider Ersatz für die verletzungsanfälligen Salcedo und Abraham. Mittlerweile ein gereifter Führungsspieler abseits des Rasens. Dafür mit einem Einjahresvertrag belohnt.

Simon Falette (4/0/4/0): Im Vergleich zur Vorsaison ein klarer Rückschritt. Spielte wenig, in der Bundesliga fast gar nicht. Ist der Verteidiger für Europa, dort immerhin viermal eingesetzt, in Marseille sogar als Linksverteidiger und mit der Vorlage zum Siegtor. Zuletzt vertrat er Hasebe als Libero und machte das für seine Verhältnisse ordentlich. Allerdings: Die Ansprüche an ihn sind auch nicht besonders hoch.

Blauer Brief

Nicolai Müller (7/2/4/0): Zwei Tore in der Liga, das 1:0 in Freiburg und das 3:0 in Stuttgart, das war gut. Besitzt eine gewisse Torgefahr. Ansonsten aber enttäuschte der Ex-Nationalspieler. Nach seiner Knieverletzung nicht mehr spritzig genug, kommt zu selten am Gegner vorbei. Wenn die Offensivkollegen alle fit sind, wird es eng für ihn. Da hatten sich Müller und auch die Eintracht sicher mehr erhofft.

Marc Stendera (5/0/3/0): Das Frankfurter Eigengewächs sollte gehen, wollte bleiben und wurde - Stichwort: Trainingsgruppe zwei - erst mal nicht berücksichtigt, ehe er gegen Lazio Rom ein gelungenes, von den Fans umjubeltes Kurz-Comeback feierte. Danach häufiger eingesetzt, wenngleich er nur mitschwamm und selten eigene Impulse setzen konnte.

Allan Souza (4/0/0/0): Beim wichtigen 4:1-Erfolg am sechsten Spieltag gegen Hannover über 90 Minuten aufgeboten. Da dachte man, es könnte vielleicht was werden mit dem vom FC Liverpool ausgeliehenen Techniker. Eine Fehleinschätzung, ihm fehlt der Biss. Jetzt ist der Brasilianer am Knie verletzt und muss im Sommer wohl wieder gehen.

Taleb Tawatha (3/0/3/0): Überraschend am ersten Spieltag in Freiburg in der Startelf, danach durfte er nur noch ran, wenn andere geschont werden mussten. Aus einem einfachen Grund: Seine Qualität reicht nicht aus.

Marco Fabian (1/0/0/0) : Erst abgeschoben in die Trainingsgruppe zwei, dann aufgeboten beim Spiel in Dortmund, später überhaupt keine Option mehr. Bei aller Technik fehlt ihm das Tempo für das Hütter’sche System. Soll weg, will auch gehen. UANL Tigres aus Mexiko hat angeblich Interesse. Eine Trennung im Winter wäre gut für beide Seiten.

Branimir Hrgota (1/0/0/0) : Sollte im Sommer weg. Soll es auch noch im Winter. Das sagt alles. Der Stürmer ohne Fortune hat in Frankfurt keine Zukunft.

Zu viele Fehlstunden

Frederik Rönnow (2/0/2/0): Nach Verletzungsproblemchen in der Vorbereitung, einer schwachen Leistung beim 0:5 im Supercup gegen den FC Bayern, dem ordentlichen Spiel beim 2:0-Sieg in Freiburg verpflichtete die Eintracht auf den letzten Drücker noch Kevin Trapp. Eine richtige Entscheidung. Rönnow ist kein schlechter Torhüter, er blieb in beiden Ligaeinsätzen ohne Gegentor. Es mangelt ihm aber an Ausstrahlung, wirkt sehr jugendlich. Eine gute Nummer zwei.

Jan Zimmermann (0/0/0/0): Sein Stammplatz ist die Tribüne, damit kann sich der 33-Jährige aber sicher anfreunden. Beliebt bei Mitspielern und Trainern, solch Leute braucht es in einer Mannschaft.

Felix Wiedwald (0/0/0/0): Als Torhüter Nummer zwei geholt, mittlerweile an die vierte Stelle abgerutscht - warum, das ist im Training zu sehen. Schwach.

Deji Beyreuther (0/0/0/0) : Eigentlich ein ganz guter Kicker, mit seinen 19 Jahren aber noch eher ein Jugendfußballer. Schließt sich für die Rückrunde leihweise dem Viertligisten Chemnitz an, braucht schließlich Spielpraxis.

Noel Knothe (0/0/0/0) : Auch dafür da, den Kader mit deutschen Vertragsspielern aus dem eigenen Leistungszentrum aufzufüllen. Der 19-jährige ist ohne Einsatzchance, sollte sich im Sommer einen neuen Klub suchen.

Es fehlten entschuldigt

Timothy Chandler (0/0/0/0): Danny da Costa dürfte ihn verfluchen, hätte er sich doch auch mal eine Pause gewünscht. Der Ausfall des Deutsch-Amerikaners wegen eines Knorpelschadens im rechten Knie wog schwer, weil er eine mehr als gute Alternative auf der rechten Bahn gewesen wäre. Kann er dann hoffentlich in der Rückserie sein.

Goncalo Paciencia (0/0/0/0): Schoss im DFB-Pokal beim Aus in Ulm ein Tor, musste danach wegen eines Meniskusrisses zuschauen. Er hat Potenzial, wird sich aber hinter dem Trio infernale als Angreifer Nummer vier einreihen müssen. Sein Plus: Er ist ein anderer Stürmertyp.

Schulabbrecher

Danny Blum (1/0/0/0): In der Vorbereitung hatte man den Eindruck, Hütter wolle Blum aufbauen. Dann reichte die Qualität doch nicht, der Linksfuß wurde nach Las Palmas verliehen. Dort mit 13 Einsätzen und zwei Vorlagen meist nur Einwechselspieler.

Francisco Geraldes: (0/0/0/0): Gewogen und für zu leicht befunden. Feiner Techniker, Bücherfreund, kluger Junge. Konnte sich nie durchsetzen, zu wenig Biss, zu schnell das Tempo, zu oft verletzt. Kehrt zu seinem Stammverein Sporting Lissabon zurück. Ist dort besser aufgehoben.

Daichi Kamada (0/0/0/0): Im Sommer an den belgischen Klub VV St. Truiden ausgeliehen, fast schon abgeschoben. Blühte dort förmlich auf, erzielte in 15 Spielen zehn Tore für den Tabellenfünften. Könnte im zweiten Anlauf noch was werden mit dem schmächtigen, technisch hoch veranlagten Japaner. Kommt ja im Sommer zurück.

Marjan Cavar (0/0/0/0): Spielt auf Leihbasis in Kroatien bei NK Osijek, machte neun Spiele, kein Tor. Und fiel nicht weiter auf.

Max Besuschkow (0/0/0/0): Zu Royale Union Saint Gilloise ausgeliehen. Das liegt bei Brüssel, ist zweite Liga. 17 Einsätze, keine Auffälligkeiten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare