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Sinnbild für eine rätselhafte Eintracht in Nürnberg: Ante Rebic (rechts), hier im Dialog mit Schiedsrichter Robert Schröder.

1. FC Nürnberg - Eintracht Frankfurt

Zwischen den Zeiten

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt macht die kurze Pause zu schaffen. Torro fällt mit Schambeinentzündung länger aus.

So richtig glücklich sah er nicht aus, der kroatische Eintracht-Stürmer Ante Rebic, als seine Nummer vier auf der Tafel aufleuchtete, die seine Auswechslung signalisierte. Aufreizend langsam schlenderte der 25-Jährige vom Feld, die Shakehands mit dem Trainer- und Funktionsteam brachte er allenfalls pflichtgemäß über die Bühne, den Blick hielt er angestrengt nach vorne gerichtet. Dabei, auch das gehört zur Wahrheit, konnte sich Rebic, nach dem glücklichen 1:1 von Nürnberg von Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner ein wenig zu überschwänglich und leicht übertrieben als „Weltklassestürmer“ geadelt, über seinen Austausch nicht beschweren. Der Angreifer brachte an diesem lausig kalten und trüben Nachmittag im Frankenland wenig bis gar nichts zustande. Das kann passieren, keine Frage, doch irgendwie stand der hochveranlagte Nationalspieler damit sinnbildlich für diese denkbar matte Leistung der Hessen. „An Ante hat man es gemerkt“, bekundete Bruno Hübner. 

Was der Manager meinte: An dem Auftritt von Ante Rebic habe man von Außen ganz gut ablesen und erkennen können, wo es an diesem Sonntagmittag im Frankfurter Spiel hakte: „an der geistigen und körperlichen Frische“, wie der Sportdirektor befand. Auch Trainer Adi Hütter wusste natürlich, dass Rebic nicht seinen besten Tag erwischt hatte. „Er kann sicher besser spielen.“ Vor allem habe er sich zu häufig auf den linken Flügel fallen lassen und damit Filip Kostic den Raum genommen. 

Hütter hatte sich in Nürnberg für das Sturmduo Ante Rebic/Luka Jovic entschieden, er würde es wieder so machen. „In Hoffenheim haben wir mit diesen beiden gewonnen“, sagte er. 
Bezeichnend war aber auch, dass ausgerechnet Sebastien Haller, der zunächst auf der Bank geblieben war, den späten Ausgleich erzielte, im Stile eines echten Toptorjägers, in der dritten Minute der Nachspielzeit. Hütter sparte nicht mit Lob für den Franzosen, der seinen sechsten Bundesligatreffer erzielte und schon sieben Vorlagen beisteuerte. Herausragend. „Allein, wie er sich in den Dienst der Mannschaft stellt, ist toll“, sagte der Coach. „Er hat kein Problem damit, auch mal auf die Bank zu gehen.“ Zumal er zuletzt oft gespielt habe und die Zeit zwischen dem Europa-League-Spiel am Donnerstagabend gegen Limassol (2:0) und der Bundesligapartie am Sonntagmittag in Nürnberg sehr kurz gewesen sei.

Für die Eintracht war die kurze Spanne zwischen den Begegnungen sicher ein Problem, gerade einmal 61,5 Stunden lagen zwischen Abpfiff in Frankfurt gegen Apollon und dem Anpfiff in Nürnberg gegen den Club. Die Hessen wirkten schwerfällig, gedanklich immer etwas zu langsam. „Und uns haben ja noch mal zwei Stunden gefehlt“, bemerkte Manager Hübner und spielte auf die ungewöhnliche und ungewohnte Anstoßzeit von 13.30 Uhr an. 

Vor allem mental muss man es dann schaffen, den Schalter wieder umzulegen, sofort wieder Spannung aufzubauen und Witterung aufzunehmen. Das gelingt nicht immer. „Ich habe so ein Spiel erwartet“, betonte Trainer Hütter. Zumal die Nürnberger genauso „giftig“ aufgetreten waren, wie er es vorher vermutet hatte. 

Vielleicht, sagte er offen, wäre es besser gewesen, mal vier, fünf frische Kräfte zu bringen. Doch seine Mannschaft sei im „Flow“ gewesen und am Donnerstag gegen Limassol auch nicht so gefordert worden wie vor einigen Wochen gegen Lazio Rom. Diesen Schwung wollte der Coach mit nach Nürnberg nehmen und aufs Feld bringen. Das ist absolut nachvollziehbar und richtig, auch wenn es letztlich nicht so geklappt hat wie erhofft. Man sei, ergänzte Manager Hübner, da ja auch immer ein bisschen im Zwiespalt. Niko Kovac in München habe die Rotationsmaschine angeworfen, um „die geistige und körperliche Frische hinzukriegen“, doch dann könne es eben auch passieren, dass „man das um die Ohren gehauen kriegt“. 

Trainer Hütter ist erfahren und klug genug, um seine Mannschaft jetzt nicht mental zu verheizen. Er hat ein gutes Gespür für die Situation, weiß, wann er auch mal lockerlassen muss. Deshalb überlegt er, dem Team am Dienstag freizugeben, obwohl die Eintracht schon am Freitag wieder in Stuttgart antreten muss. „Wir sind aber sehr oft zusammen, da ist es für den Kopf auch mal ganz gut, wenn man sich mal einen Tag nicht sieht.“ 

Dass seine Elf in Nürnberg trotz dieser Schwierigkeiten und der zurückliegenden Strapazen den späten Ausgleich gemacht und an sich geglaubt hat, könne er gar nicht hoch genug bewerten. „Das zeigt die tolle Mentalität, das gibt Kraft. Normalerweise kommst du in so einem Spiel, wenn du so spielst wie wir, nämlich nicht mehr zurück. Das ist auch eine Qualität.“ 

Die ein Spieler wie Lucas Torro womöglich noch ein bisschen erhöhen könnte. Doch wann der Spanier wieder in den Kreis der Mannschaft zurückkehren wird, ist offen. Der 24-Jährige leidet an einer Schambeinentzündung. Das ist eine mitunter langwierige und schwer zu greifende Verletzung, mit der nicht zu spaßen ist. Der Mittelfeldspieler selbst bat darum, Zeit zu bekommen, „um es in den Griff zu kriegen“, wie Hütter sagte. Für den Fußballlehrer ist klar, dass er diesem Wunsch entspricht. „Ich möchte nicht, dass es chronisch wird.“ Wann er wieder zurückkehren wird, ist offen, vielleicht nach der Länderspielpause. „Doch das“, sagte der Coach, „ ist schwierig einzuschätzen.“ 

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