+
Schwitzen vor der Skyline: Die Profis der Eintracht auf ihrem Trainingsplatz in Abu Dhabi.

Eintracht Frankfurt

Zwischen Verträgen und Visionen

  • schließen

Eintracht Frankfurt plant die Zukunft: Manager Bruno Hübner verhandelt mit Spielern, während im Hintergrund auch Wilhelm Bender an der strukturellen Ausrichtung feilt.

Alexander Meier, übermorgen 32 Jahre alt und ein alter Fahrensmann in Sachen Trainingslager, konnte sich ein schelmisches Lächeln nicht verkneifen. „Viele Leute denken ja, wir sind hier im Urlaub. Die Sonne scheint, hier gibt es Palmen und Meer und so“, sagte der Torjäger der Eintracht und schüttelte den Kopf. „Aber wir wissen, warum wir hier sind. Das hat mit Urlaub nichts zu tun.“ Dass die Eintracht am Dienstag keinen Ferienflieger in die Sonne bestiegen hat, das wissen die Spieler. „Dafür sorgt unser Trainer“, wie Sportdirektor Bruno Hübner sagte. „Urlaubsstimmung kommt hier nicht auf.“

Gleich am ersten Tag hat Coach Thomas Schaaf seiner Mannschaft verdeutlicht, was Sinn und Zweck des Quartiers in Abu Dhabi ist: Kärrnerarbeit auf dem Platz, Grundlagenbildung, Taktikschulung. Für einige Spieler begann der Tag schon am frühen Morgen mit einem Lauf durch die weitläufige Anlage, um 10 Uhr stand eine intensive Einheit auf dem Programm, auch am Nachmittag schwitzten die Spieler noch mal auf dem Grün mit Golfplatz-Niveau. Von Müßiggang keine Spur.

Sportdirektor Hübner beobachtet die Einheiten von der Seite. Sehr genau und aufmerksam. Der Manager wird die Zeit am Persischen Golf dazu nutzen, mit einigen Spielern ein Gespräch über ihre Zukunft zu führen. „Wenn wir so eng beieinander sind, bietet sich das an.“ Mit Bamba Anderson etwa oder auch Bastian Oczipka. „Natürlich geben wir schon mal ein Signal, wie wir weiter planen“, sagte der Sportchef. Beide Spieler würde die Eintracht gerne halten, sie hat auch schon konkrete Vorstellungen über das wirtschaftliche Volumen der Verträge. Natürlich wird es Nachverhandlungen geben, das ist üblich, doch die Eintracht ist nicht bereit, Mondpreise zu bezahlen. Der Poker ist eröffnet.

Wie es etwa mit einem Fußballer aus der zweiten Reihe wie Martin Lanig weitergeht, ist noch offen. „Es gibt Spieler, da warten wir noch mal die Entwicklung ab“, sagte Hübner allgemein.

Das wird er auch bei der Konstellation im Tor machen müssen. Zumindest ist ja geklärt, dass Felix Wiedwald bis Saisonende bleiben muss und nicht zu seinem Heimatverein Werder Bremen zurückkehren darf. „Natürlich ist bei ihm ein Stück weit Enttäuschung dabei“, kommentierte der Sportdirektor. „Aber er ist ein Profi und muss seine Aufgabe hier wahrnehmen. So wie ich ihn kenne, wird er das tun. Und fertig.“ Vielleicht kann Wiedwald ja im Sommer zu Werder wechseln – wenn Kevin Trapp in Frankfurt bleiben würde.

Um dem Kapitän ein adäquates Angebot zu unterbreiten, hat sich die Eintracht – wie auch bei Abwehrchef Carlos Zambrano – mächtig ins Zeug gelegt und nach der Decke gestreckt. Dazu habe der Klub, wie Aufsichtsratschef Wilhelm Bender am Mittwoch in Abu Dhabi ausführte, aber noch keine externen Finanzierungsmodelle benötigt. „Das kriegen wir auf jeden Fall hin, dazu müssen wir nicht die ganz große Lösung haben.“ An einer großen Lösung bastelt der Aufsichtsrat in Absprache mit dem Vorstand aber ungeachtet der Offerten für Trapp und Zambrano seit einigen Monaten. „Wir haben mit Experten zusammengesessen und klare Arbeitsaufträge vergeben“, sagte Bender, der hofft, im „späten Frühjahr“ Finanzierungswege verabschieden zu können. Die Eintracht wird sich dabei nicht in ein Abhängigkeitsverhältnis begeben. „Unsere Überschrift lautet: Es wird keine Fremdbestimmung geben. Das ist kein Modell für uns.“ Ein Investment, auf das sich der Hamburger SV mit dem Unternehmer Klaus-Michael Kühne einließ, soll es in Frankfurt unter keinen Umständen geben.

Und doch muss sich der Bundesligist für die Zukunft wappnen. „Der Wettbewerb wird härter“, betonte der Chef des Kontrollgremiums. „Wir können da nicht einfach zuschauen, wir müssen Antworten finden.“ Zumal aus der zweiten Liga mit Ingolstadt und Leipzig schon die nächsten potenten Nachrücker ans Tor hämmern.

Für Bender ist klar, dass der Frankfurter Erstligist frisches Geld nur von solchen Unternehmern erwarten kann, „die eine Beziehung zur Eintracht haben. Das wird kein Großkonzern aus Singapur sein.“ Und ebenso klar ist für ihn: „Sie wollen ihr Geld aber nicht einfach so geben.“ Aber die Bedingungen sollen moderat sein und den Verein zu keiner Zeit in Bedrängnis bringen.

Der 70-Jährige möchte den Klub zudem noch „stärker in der Region verankern“, er appelliert an die Unternehmen, die Politik und die Wirtschaft: „Sie müssen erkennen, wie wichtig die Eintracht als Standortfaktor ist. Eine Region spielt nur dann mit, wenn sie einen erstklassigen Verein hat.“

Bender hält es auch deshalb für sinnvoll, dass der Nachfolger des 2016 aus dem Amt scheidenden Heribert Bruchhagen als Vorstandschef ein Mann ist, der „eine Reputation“ hat, der „vorzeigbar in der Wirtschaft ist und auch die Sprache der Wirtschaft spricht“. Der frühere Flughafen-Manager kann es sich daher auch vorstellen, einen dritten Mann in den Vorstand zu berufen, der abseits der politischen Ebene die sportliche Linie vorgibt. „Das wäre ja keine Revolution, aber wir haben auch noch nicht darüber diskutiert.“

Andreas Rettig, der bei der DFL scheidende Manager, soll in Frankfurt keine Chancen haben. Dann vielleicht schon eher Ex-Trainer Armin Veh. „Er hat viele Verdienste und hängt emotional an der Eintracht“, urteilte Bender. Veh hatte die Eintracht als Coach nach Europa geführt, eine Episode, die Bender als „einmalig“ in Erinnerung hat. „Das war ein emotionaler Traum.“

In jedem Fall müsse der Traditionsklub vom Main keine Angst haben, keine geeignete Person an der Spitze zu finden. „Die Eintracht hat einen Riesennamen. Es ist für viele eine Ehre, überhaupt angesprochen zu werden.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare