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Marko Grujic (r.) von Hertha BSC köpft den Ball ins Tor zum 1:0. Die Eintracht-Spieler haben das Nachsehen.

Eintracht gegen Hertha

Zweite Niederlage nacheinander

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Nach dem 0:1 in Berlin hadert Eintracht Frankfurt mit dem Schiedsrichter.

Es war kalt, es war öde und vor allem war es aus Sicht von Eintracht Frankfurt äußerst ärgerlich. Gemeint ist das Auswärtsspiel der Hessen am Samstagabend im Berliner Olympiastadion gegen die heimische Hertha, das nach fußballerisch dürftigen 90 Minuten mit 1:0 (1:0) an die Gastgeber ging. Es war die zweite Niederlage nacheinander für die Frankfurter. Eine Niederlage, nicht verdient, nicht unverdient. Eine, die halt einfach da war und viel mit zwei Entscheidungen von Schiedsrichter Daniel Schlager zu tun hatte.

Vor dem einzigen Treffer des Abends blieb der Pfiff des schwachen Unparteiischen ebenso aus wie kurz vor Schluss bei einem elfmeterwürdigen Foulspiel – beide Male waren die Frankfurter die Leidtragenden. „Ich bin sehr unglücklich über die Schiedsrichterentscheidungen, ich habe in der 87. Minute einen klaren Elfmeter für uns gesehen, als Luka Jovic gehalten wurde“, sagte Eintracht-Trainer Adi Hütter. Hertha-Coach Pal Dardai widersprach: „Beide Spieler haben in dieser Situation viel mit den Händen gearbeitet, deshalb finde ich die Entscheidung richtig.“

Aber von vorne: Trotz der Niederlage gegen Wolfsburg am vergangenen Sonntag hatte Hütter in weiten Teilen seiner Stammelf vertraut. Einzig Carlos Salcedo, erstmals seit seiner Sprunggelenksoperation wieder auf dem Platz, verteidigte in der Dreierkette für Marco Russ. Vorne bot Hütter wie erwartet all seine Angriffswucht auf – zumindest nominell. Den gerade das stürmische Trio Ante Rebic, Luka Jovic und Sebastien Haller war lange nicht mehr als ein laues Lüftchen. Die drei Angreifer, ihnen fehlte es mal an Spritzigkeit, mal an Wille, dann auch am nötigen Fortune und den genauen Anspielen der Kollegen. Jovic, der Schwächste, fand in den ersten 45 Minuten überhaupt nicht statt. Rebic, der Bemühteste, versuchte es mal gekonnt mit der Hacke, dann verhaspelte er sich im Kleinklein. Haller, der Gefährlichste, hatte nach zehn Minuten die einzige echte Chance in Abschnitt eins. Sein abgefälschter Schuss streifte den Pfosten.

Und die Berliner? Die waren vor dem Tor noch ungefährlicher als die Frankfurter. Zwei zu zentrale Fernschüsse von Marko Grujic (15., 26.), das war’s. Und dennoch: Pal Dardai hatte sich ein klares Konzept ausgedacht, wie er den Frankfurter beikommen wollte. Und seine Mannen setzten es konsequent um. Zum einen war Stürmer Davie Selke lange gar kein Stürmer, sondern Verteidiger. Er nahm Eintracht-Libero Makoto Hasebe in Manndeckung und unterband damit den geordneten Spielaufbau der Gäste. Mit Erfolg. Die daraus resultierenden langen Schläge verpufften. Zum anderen nutzten die Hausherren schlicht ihre taktische Anordnung aus. Die Außenbahnen im 4-4-2-System jeweils doppelt besetzt, griff die Hertha immer wieder über die Seiten an. Die beiden Frankfurter Flügelsolisten Filip Kostic auf links, und Danny da Costa, rechts, wussten nie so recht, wen sie denn nun attackieren sollten. „Wir haben speziell in der ersten Hälfte die letzte Konsequenz vermissen lassen“, sagte Hütter.

Für das gewinnbringende 1:0 der Berliner hielt dann aber doch kein Flügellauf her, sondern eine schnöde Ecke. Als Eintracht-Mittelfeldmann Jonathan de Guzman den Ball ins Toraus trudeln lassen wollte, bekam er einen Stoß von hinten. Kein Muss-Freistoß, bei der zuvor kleinlichen Linie von Schiedsrichter Schlager aber durchaus ein Kann-Freistoß. Schlager pfiff nicht, de Guzman fabrizierte stattdessen einen Eckball für Berlin. Bei der folgenden Hereingabe setzte sich Grujic gegen Hasebe im Kopfballduell durch und stellte auf 1:0. „Das kann man natürlich besser verteidigen, aber es war schwer für mich“, sagte Hasebe. Wie recht er doch hatte. Der 1,91 Meter große Grujic war dem kleinen Japaner schlicht elf Zentimeter an Körperlänge überlegen.  

Aufreger der Partie

Nach dem Seitenwechsel brachten die Hessen mehr körperliche Präsenz in ihren Auftritt. Rebic führte einige intensive Zweikämpfe, Gelson Fernandes grätschte seinen Gegner von den Beinen, Kostic und da Costa hatten mehr Offensivdrang. Bis auf eine Direktabnahme von Jovic, die Hertha-Keeper Rune Jarstein stark parierte, fehlten aber lange Zeit die Abschlüsse (52.). Die Berliner standen tief und konterten. Nach 53 Minuten scheiterte Selke am Fuß von Eintracht-Keeper Kevin Trapp.

In der Folge probierte es die Eintracht, zweifelsohne. Sie hatte mehr Ballbesitz (57 Prozent), mehr Ecken (9:5), mehr Torschüsse (16:7), eine echte Chance ergab sich aber nur noch für Luka Jovic in der 87. Minute. Es war der Aufreger der Partie: Einschussbereit etwa acht Meter vor dem Kasten wurde der junge Serbe von Grujic am Abschluss gehindert. Die fast schon herzliche Umklammerung von hinten – immerhin sind Grujic und Jovic gute Freunde, sie spielten einst zusammen in der Jugend von Roter Stern Belgrad – hätte zwingend einen Elfmeterpfiff zur Folge haben müssen. Doch wieder blieb Schlagers Pfeife stumm, auch Videoassistentin Bibiana Steinhaus griff nicht ein. „Das kann ich nicht nachvollziehen, für mich war das ein klarer Elfmeter“, sagte Hütter und hatte mit dieser Einschätzung mehr Recht als sein Berliner Trainerkollege Pal Dardai.

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