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VW do Brasil: Chris im ungewohnten Wolfsburg-Dress.

Chris will nach Wolfsburg

Der zweite Lazarus

Der Ex-Frankfurter Chris will in Wolfsburg wieder spielen. Das ist bemerkenswert: Bei der Eintracht galt es als ungewiss, ob Chris überhaupt je wieder würde Fußball spielen können.

Von Thomas Kilchenstein und Frank Hellmann

Am Dienstag, schon um neun Uhr, sind die Profis des VfL Wolfsburg ganz schön rangenommen worden: Zirkeltraining war angesagt, inklusive Medizinball-Rugby, Rollen rückwärts und vorwärts, das ganz normale „Quälix“-Programm eben. Einer stand bei diesen strapaziösen Übungen für Trainer Felix Magath ganz besonders im Blickpunkt: der Brasilianer Chris, dessen Kontrakt bei Eintracht Frankfurt im Sommer ausgelaufen war. Kaum zu glauben, der 32-Jährige absolvierte, wie schon am Montagnachmittag, die komplette Einheit. „Das sah zweimal gut aus“, sagte Magath. Auch den Medizincheck hatte Chris anstandslos bestanden.

Das ist insofern bemerkenswert, weil zuletzt alles andere als gewiss war, ob Christian Maicon Hening überhaupt je wieder würde Fußball spielen können. Im Februar dieses Jahres hatte sich der am Donnerstag 33 Jahre alt werdende Brasilianer zum zweiten Mal an der Bandscheibe operieren lassen müssen, die erste Rücken-OP war 2006.

Danach laborierte er an einer langwierigen Fußsohlenblessur, einem Innenbandschaden und an einem Leistenbruch. In acht Jahren bei Eintracht Frankfurt kam der verletzungsanfällige Spieler nur auf 145 Spiele (und elf Tore). Seit letztes bestritt er Ende Oktober 2010. Eine komplette Saison konnte er in den vergangenen Jahren nie durchspielen. „Es ist eine Frage des Körpers, ob er den Belastungen noch standhält“, sagte Magath am Dienstag. In Frankfurt gibt es da durchaus Zweifel.

„Mit offenen Karten gespielt“

Obwohl sein Vertrag in Frankfurt ausgelaufen war, hatte der Chris mit Reha-Trainer Michael Fabacher ein spezielles Aufbautraining absolviert. „So etwas macht man für einen verdienten Spieler“, hatte Eintracht-Trainer Armin Veh gesagt. Ein wenig hatten die Hessen gehofft, ihn wieder fit zu kriegen für die zweite Liga. Im Juli hatte Chris einen Rückschlag erlitten, er konnte da kaum laufen.

Die Eintracht hoffte auch, Chris würde sich durch das Entgegenkommen seines früheren Klubs doch noch zu einem Engagement durchringen. „Selbst wenn Chris nur zehn Spiele für uns macht, die wir durch seine Klasse gewinnen, haben wir 30 Punkte“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner, der Chris’ Wechsel nach Wolfsburg, anders als manch andere im Klub, nicht „als Nackenschlag“ empfindet. „Wir haben mit offenen Karten gespielt“, sagt Hübner.

Wenn Chris am Ende seiner Karriere noch einmal ein lukratives Angebote erhalte, solle er zugreifen. „Wir können da nicht mithalten.“ In Wolfsburg wird Chris voraussichtlich einen leistungsbezogenen Einjahresvertrag unterschreiben, der aber mit etwa 1,2 Millionen Euro dotiert sein soll. Donnerstag oder Freitag soll der aus Blumenau im Süden Brasiliens stammende Chris unterschreiben. „Er hat zehn Jahre Bundesliga gespielt und immer überzeugt“, sagte Magath.

Bell nicht zurück zu 1860

Schon vor drei Jahren hatte Magath den Defensivallrounder nach Wolfsburg holen wollen. Chris sagte seinerzeit ab, er und seine Familie fühlten sich in Frankfurt wohl. Chris sollte auf Geheiß des VfL Wolfsburg gestern kein Statement abgeben. Sollte der Wechsel zum Bundesligisten tatsächlich klappen, würden beim VfL künftig kurioserweise vier Ex-Frankfurter spielen: neben Chris auch noch Marco Russ, Patrick Ochs und der mittlerweile 32-jährige Sotirios Kyriakos, der zwischen 2006 bis 2008 für die Hessen 51 Spiele (acht Tore) bestritt.

Unterdessen denkt Hübner nicht daran, Verteidiger Stefan Bell wieder an 1860 München abzugeben, wie aus München kolportiert wurde. „Solange wir keinen anderen Verteidiger holen, bleibt er hier.“ Interesse besteht weiterhin am Berliner Rob Friend.

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