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Quergelegt. Kein Durchkommen gab es für Mijat Gacinovic in Dortmund.
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Quergelegt. Kein Durchkommen gab es für Mijat Gacinovic in Dortmund.

Eintracht-Krise

Zuschauer im Schneckenrennen

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt blickt vernünftigerweise erst einmal nach unten und will sich gegen den FCA absichern.

Vielleicht ist die Frage an einen, der seine Profikarriere bei Großkalibern wie Bayern München, Juventus Turin, Borussia Dortmund oder Bayer Leverkusen verbrachte, nicht ganz fair gewesen, und so war die Antwort auch nicht wirklich überraschend. Die Frage lautete: Ob er, Robert Kovac, während seiner aktiven Zeit schon mal zehn Spiele ohne Sieg erlebt habe? Die Antwort: „Nein, daran kann ich mich, ehrlich gesagt, nicht erinnern.“ Aber er werde, schob der Assistenztrainer der Frankfurter Eintracht pflichtbewusst nach, das noch einmal recherchieren. Vermutlich wird er den Gegenbeweis nicht antreten können.

In Frankfurt rätseln sie nach wie vor, wie es zu diesem kolossalen Einbruch kommen konnte: Die Eintracht ist von Platz drei auf Rang zehn durchgereicht worden. Es ist ohnehin erstaunlich, dass es so lange dauerte, ehe sich die Hessen in der zweiten Hälfte des Tableaus wiederfanden, denn wer von 30 möglichen Zählern nur drei Punkte holt, steckt meistens noch sehr viel ärger in der Bredouille als die Frankfurter. Das zeigt zum einen, wie ausgeglichen die Liga auf mittelmäßigem Niveau ist und zum anderen, wie groß der Vorsprung war, den sich die Eintracht in der herausragenden Vorrunde erspielt hatte.

Der Rückstand auf Rang sieben, der wahrscheinlich zu einem Startplatz in der Europa-League-Qualifikation berechtigt, beträgt noch immer nur zwei Punkte. Das Schneckenrennen um die Europapokalränge hat eine bemerkenswerte Gemächlichkeit angenommen, was natürlich auch daran liegt, dass die Teams, die in der ersten Saisonhälfte – für ihre Verhältnisse – groß aufspielten, im neuen Jahr bedenklich schwächeln. Niemand hat einen solchen Absturz wie die Eintracht hingelegt, aber die Resultate, die Hertha BSC (Platz drei vor der Winterpause) oder der 1. FC Köln (7) hinlegten, sind nun auch nicht gerade Bewerbungsschreiben für internationale Auftritte. In der Jahrestabelle 2017 belegen die Berliner Rang 15, die Kölner Platz zwölf. Die Eintracht ist Letzter.

Wie ungebremst die Frankfurter hinabstürzten von Wolke sieben (und Rang vier nach 16 Spieltagen), belegt der Vergleich mit Bremen. Am 19. Spieltag lagen die Frankfurter 19 Punkte und 27 Tore vor den Hanseaten – mittlerweile ist Werder einen Zähler und einen Treffer besser. Unglaublich, aber trotzdem wahr.

Das Krabbeln gen Europa betrachten sie am Main angesichts der Negativserie erst einmal aus der Distanz, sie blicken nach unten. Das ist vernünftig. Mittlerweile wird es nämlich nach hinten etwas brenzliger. Der Vorsprung auf den FC Augsburg, der auf dem Relegationsrang liegt, beträgt nur noch sechs Punkte, und am Samstag kommt jener FCA nach Frankfurt. Eine Partie, die Eintracht-Cheftrainer Niko Kovac zu einem Endspiel ausgerufen hat, in dem sein Team den „Matchball“ verwandeln soll.

Doch auch die Fuggerstädter wittern, wie Bruder und Assistent Robert Kovac zurecht sagte, „ihre Chance“. Für die Augsburger ist es ein noch wichtigeres Spiel, genauso bedeutend wie das folgende gegen den HSV. „Nach diesen Spielen müssen eigentlich sechs Punkte stehen“, sagte Verteidiger Martin Hinteregger im Wissen um das harte Restprogramm mit Partien gegen Gladbach, Dortmund und Hoffenheim.

Auch Mainz 05, ein anderer Konkurrent, hat schwierige Aufgaben vor der Brust: In München, gegen Gladbach, in Hamburg und Köln, zudem zu Hause gegen die Eintracht. Die muss nach dem Augsburg-Spiel nach Hoffenheim, dann kommt Wolfsburg, ehe es nach Mainz und schließlich gegen Leipzig geht. Auch nicht von schlechten Eltern.

Bei einem Sieg am Samstag würden sich die Frankfurter aller Abstiegssorgen entledigen, bei einer Niederlage indes würden sie so dick wie nie im Abstiegskampf stecken. Der FCA wird ohne seinen ersten Sturm auflaufen, auch der zweite ist nicht auf dem Rasen: Ja-Cheol Koo, Alfred Finnbogason (beide gesperrt) fallen aus, der Einsatz von Raul Bobadilla (Wadenprobleme) ist ungewiss. „Dafür wollen sich dann andere zeigen und beweisen“, sagte Robert Kovac. „Man darf einen Gegner nie unterschätzen.“

Die Eintracht will zu Hause aber das Spiel dominieren und dem Kontrahenten „unser Spiel aufzwingen“, wie Robert Kovac befand. Der Co-Trainer baut da auf die Heimstärke, erst zwei Spiele hat die Eintracht zu Hause verloren, gegen Ingolstadt und Freiburg. „Wir waren zu Hause eine Macht.“ Aber schon länger nicht mehr siegreich, in diesem Jahr steht nur ein Dreier, gegen Darmstadt 98 Anfang Februar. Dennoch herrscht in Frankfurt absolute Ruhe.

Die Eintracht wird am Samstag laut Kovac auf Glücklos-Stürmer Branimir Hrgota (Wadenzerrung) und Omar Mascarell zurückgreifen können. Doch gerade Mascarell trainiert seit einiger Zeit nur noch individuell, auch gestern wieder, die Achillessehne zwickt nach wie vor. „Ich bin zwar kein Arzt, aber ich gehe davon aus, dass da nichts Schlimmeres passieren kann. Mit einer Spritze sollte er spielen können“, sagte Robert Kovac. Besser wird Mascarell dadurch aber nicht.

Zumal der Spanier in der Rückrunde in ein Leistungsloch gefallen ist, er spielt fast nur noch zurück oder Alibipässe. Seit dem Verkauf von Szabolcs Huszti klafft im defensiven Mittelfeld ohnehin eine riesige Lücke. Mascarell und Mijat Gacinovic – das ist kein Duo, das Erfolg verspricht.

Gacinovic müht sich nach Kräften, doch der schmächtige Dribbler muss sich ja schon in seiner Paraderolle auf dem Flügel strecken, um in der Bundesliga mithalten zu können – und dann soll er auf einer solch wichtigen, für ihn aber gänzlich unbekannten Position der Mannschaft helfen? Das ist Wunschdenken. Zudem geht von beiden so gut wie keine Torgefahr aus. Vielleicht sollte Trainer Kovac mal einen Systemwechsel erwägen, es mal mit einer Raute oder einem 4-1-4-1 versuchen. Sehr viel weniger erfolgreich kann es ja nicht werden.

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