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Zweikampfhärte hat noch keinem geschadet: Die Frankfurter Vaclav Kadlec (li.) und Marco Russ üben das intensiv.

SC Freiburg - Eintracht Frankfurt

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Wenn Eintracht Frankfurt auf dem Rasen steht, fallen immer viele Tore. Trainer Thomas Schaaf glaubt die Ursache der Torflut erkannt zu haben. Offen ist vor dem Spiel beim SC Freiburg noch die Frage, ob Marco Russ den Sechser gibt.

Natürlich ist der Frankfurter Trainer am Tag vor dem Rückrundenstart und der englischen Woche mit drei Spielen binnen acht Tagen gefragt, ob das prinzipiell für ihn in Ordnung sei, gleich von Null auf 100 hochfahren zu müssen. Zuvor ging das Geplauder vor dem 18. Spieltag über den fehlenden Rhythmus, über die Unsicherheit praktisch aller Trainer, nicht zu wissen, in welchem körperlichen und mentalen Fitnesszustand sich die Bundesligakicker nach der bald sechswöchigen Winterpause befänden.

Englische Woche also, gut oder schlecht? Thomas Schaaf antwortete dann in seiner so typischen Art: „Eigentlich ist es gut, möglichst schnell einige Spiele kurz hintereinander zu haben. Wenn die Spiele allerdings schlecht für uns enden, dann ist das natürlich nicht gut.“ So kann sich jeder den Teil der Antwort heraussuchen, der ihm gefällt.

Es sind drei knifflige Aufgaben, die Eintracht Frankfurt in diesen acht Tagen zu bewältigen hat: Beim Tabellenschlusslicht SC Freiburg, zu Hause am 3. Februar gegen den Tabellenzweiten VfL Wolfsburg (womöglich mit André Schürrle) und dann am 8. Februar beim FC Augsburg, wo es für die Hessen noch nie etwas Zählbares zu holen gab: Nach dieser Woche weiß man sicher besser, wo man steht. Kann der Traum von der Europa League weitergeträumt werden? Oder muss der Blick nach unten gerichtet werden?

Die Bundesliga liegt derart eng zusammen, dass beide Möglichkeiten realistisch sind. Im Team selbst sind die Optimisten in der Überzahl, die Europa League sei das Ziel, ließen sich in den letzten Wochen viele Spieler zitieren, zuletzt hat sich Makoto Hasebe weit aus dem Fenster gelehnt. Auch das findet Schaaf, typisch, „nicht verkehrt“. Es sei durchaus „nicht verkehrt, wenn Spieler nach oben schauen.“ Nur bringe es nichts, „es ist nicht relevant. Wir können Tag und Nacht über die EuroLeague reden, wenn wir in Freiburg nichts auf die Reihe bringen, hilft uns das auch nicht.“

0:0? Nicht mit uns

Wie Eintracht Frankfurt im Breisgau „was auf die Reihe bringen“ will, darüber hat sich Thomas Schaaf seine Gedanken gemacht. An der grundsätzlich spektakulären Ausrichtung rüttelt er nichts. „Unser Anspruch ist es nicht, dass in der Offensive die Null steht.“ Aber irgendwie glaubt er nicht daran, dass es so kommt, wie vor Jahren, als Eintracht Frankfurt zweimal hintereinander im Schwarzwald 0:0 spielte. „Bei uns ein Null-Null-Spiel, wie soll das denn gehen?“, entgegnete der Fußball-Lehrer mit einem Anflug von Galgenhumor. Und der SC Freiburg, gegen den Schaaf zuletzt 2001 verloren hat, ist mit nur 17 geschossenen Toren bei zwei Siegen die harmloseste Mannschaft der Liga.

Aber das, die vielen Gegentore, ist sportlich das bestimmene Thema in Frankfurt gewesen. Schaaf und sein Trainerstab hätten die Fehler in der Rückschau analysiert und seien zu dem Ergebnis gekommen, dass nicht „ein immer wiederkehrender Fehler“ Schuld an der Löchrigkeit der Abwehr habe. „Es sind viele Punkte.“ Aus seiner Sicht „agieren wir noch zu sehr als Zuschauer. Wir bringen uns selbst noch zu oft in Verlegenheit – mit einem schlechten Pass und damit, dass wir nicht aktiv sind und zu spät reagieren.“ Die Vorbereitungsspiele haben nicht den Eindruck vermittelt, als sei Schaaf und seine Mannen etwas eingefallen, was den Defensivverbund stärkt.

Für die Partie gegen den SC Freiburg, der im Hinspiel beim 1:0-Erfolg die spielerisch klar bessere Mannschaft stellte, gibt es noch zwei offene Fragen. Wer spielt neben Bamba Anderson in der Innenverteidigung? Und opfert Schaaf seinen offensiven Mittelfeldspieler Marc Stendera zugunsten eines mehr defensiv denkenden Spielers? Vieles spricht dafür, dass Carlos Zambrano erstmals wieder seit Oktober in einem Bundesligaspiel von Anfang an spielen wird. Der Peruaner ist sicherlich körperlich noch nicht auf höchstem Level, er dürfte aber der wackeligen Abwehr Stabilität verleihen. Marco Russ, der 16 von 17 Spielen gemacht hat, müsste dann weichen.

Oder schafft Schaaf für ihn einen Platz im Mittelfeld? Für Stendera? Denn das wäre die defensivere Variante: Russ als Sechser und Hasebe auf der Acht. Dies freilich würde der Eintracht an spielerischer Wucht nehmen, selbst wenn der junge Stendera in den Vorbereitungsspielen nicht überzeugen konnte. Aber er ist einer, der das Spiel nach vorne antreibt. Dass Hasebe und auch Takashi Inui in die Mannschaft zurückkehren, ist ziemlich sicher. „Beide haben einen sehr guten Eindruck hinterlassen“, sagt Schaaf, „sie sind spritzig“. Ohnehin kann er bis auf Valdez, Djakpa und Ignjovski personell aus dem Vollen schöpfen.

Derweil sind die Geldstrafen für die nächtlichen Ausflügler Zambrano und Lucas Piazon noch nicht festgesetzt. Schaaf: „Das eilt nicht.“ Freiburg ist wichtiger.

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