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Ist für die Entwicklung der Eintracht enorm wichtig: Kadermanager Ben Manga.
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Ist für die Entwicklung der Eintracht Frankfurt enorm wichtig: Kadermanager Ben Manga.

11SGE

Eintracht Frankfurt will mit SGE-Kadermanager Ben Manga neue Talente ins Team holen

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt könnte die alte Philosophie mit jungen Hochbegabten wieder aufleben lassen. Talente-Scout Ben Manga soll die Mannschaft verjüngen.

Frankfurt - Das Aufgebot an Profispielern, das hat Markus Krösche gebetsmühlenartig seit seiner Ankunft in Frankfurt wiederholt, möchte der Sportvorstand der Eintracht am liebsten zusammenhalten. Ob das in dieser Absolutheit möglich ist, wird sich weisen, die Spitzenspieler, das ist bekannt, sind begehrt. Punktuell soll das Ensemble aber sogar verstärkt werden. Schneller, agiler, frischer soll vor allem die Offensive werden, und auch jünger. Ein Ansatz, der nachvollziehbar und richtig ist. Der neue Sportchef will dem neuen Trainer Personal anbieten, das ein Höchstmaß an Variabilität und dadurch entsprechende Unberechenbarkeit verspricht. „Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, erfolgreich zu sein“, sagt Krösche.

Bisher hat der Klub, von den zurückkehrenden Leihspielern mal abgesehen, vier Transfers getätigt. Christopher Lenz, 26, kommt für die linke Seite von Ligakonkurrent Union Berlin. Von Zweitligist FC Heidenheim ist das 19 Jahre alte Torwarttalent Diant Ramaj verpflichtet und bis 2024 gebunden worden. Und dann sind da noch die beiden spannendsten Personalien: Ali Akman, 19 Jahre jung, zuvor bei Bursaspor am Ball. Sowie Fabio Blanco, 17, aus der A-Jugend des FC Valencia. Deals mit Kreativität, mit Geist und Fantasie.

Ben Manga: Findet Hochbegabte für die Eintracht Frankfurt, bevor es andere tun

Diese beiden Transfers sind typische Ben-Manga-Transfers. Der Kadermanager, vor Wochen befördert und mit dem sperrigen Titel Direktor Profifußball ausgestattet, ist der Späher, der Jäger der Talente. Der 47-Jährige hat die Aufgabe, Hochbegabte zu entdecken, ehe andere das Potenzial erkannt haben. Darauf ist Manga spezialisiert, das ist seine Berufung. Auf diesem Gebiet macht ihm niemand etwas vor. Der frühere Profi ist bestens verdrahtet, polyglott und mehrsprachig, er hat vor allem den iberischen Raum im Blick, den südamerikanischen und auch den französischen.

Ben Manga ist in Zusammenarbeit mit dem ihm vorgesetzten Vorstand, erst Fredi Bobic, jetzt Markus Krösche, dafür verantwortlich, dass die Eintracht ihre Philosophie leben und mit Leben füllen kann. Er ist, ums Eck gedacht und weitergesponnen, für die Entwicklung und Positionierung des gesamten Vereins zuständig. „Wir müssen junge Talente rekrutieren und Marktwerte schaffen“, sagt Krösche. Es gehe darum, mit diesem Modell „Erlöse zu erwirtschaften“. Das macht gerade in Zeiten, da Corona vielen Klubs die Luft zum Atmen nimmt, absolut Sinn. Und: Eintracht Frankfurt hat herausragend gute Erfahrungen mit dieser Strategie gemacht.

Eintracht Frankfurt: Blick für Jungprofis aus Nischen verloren

Gute Beispiele sind Luka Jovic und auch Sebastian Haller. Beide kamen 2017 nach Frankfurt, der eine von der Reserve von Benfica Lissabon, der andere aus Utrecht, für beide hat die Eintracht sechs Millionen Euro gezahlt. Der Rest der Geschichte ist bekannt: Jovic ging zwei Jahre später für fast 70 Millionen Euro zu Real Madrid, Haller wurde für 45 Millionen zu West Ham nach England verkauft. Und auch mit dem dritten Büffel im Bunde hat die Eintracht ein dickes Geschäft gemacht: Ante Rebic ist im Spätsommer 2019 zum AC Mailand gewechselt, für ihn heuerte im Gegenzug André Silva an. Die Spieler sind kostenneutral gewechselt, also quasi miteinander verrechnet worden. Wenn Silva nun aber geht, würden fast 40 Millionen Euro fällig. Clever eingefädelt.

Auffällig ist dennoch, dass die Eintracht ihren Kurs vor zwei Jahren so ein bisschen verlassen hat und auf Abwege geraten ist. Ohne Not. Seinerzeit hätte das Ensemble mit klugen Investitionen aufgepeppt werden können, Investitionen in die Zukunft. Doch da hat die Sportliche Leitung nicht mehr auf Unbekümmertheit gesetzt, auf Jungprofis aus Nischen, die man aufbauen und für viel Geld verkaufen kann, sondern auf Stabilität.

Cheftrainer Adi Hütter baute bei der Eintracht Frankfurt auf ein robustes Spieler-Fundament

Das lag in erster Linie an Cheftrainer Adi Hütter, der mehr Einfluss nahm und der nach den Abgängen der Topstars eher auf ein robustes, tragfähiges Fundament baute. In Personalfragen waren nicht immer alle einer Meinung. Die Beziehung zu Sportvorstand Bobic war übrigens nie so eng und innig, wie es zum Schluss vom den Verein verlassenden Duo dargestellt wurde.

Damals kamen Djibril Sow und Dominik Kohr (für 20 Millionen), Erik Durm und später Stefan Ilsanker. Und auch noch Bas Dost, in einem jämmerlichen körperlichen Zustand. Coach Hütter hatte sich gegen eine Verpflichtung von Marcus Thuram ausgesprochen, der stattdessen nach Mönchengladbach ging und nun – Ironie des Schicksals – auf Adi Hütter trifft. Doch der hat mittlerweile natürlich auch das große Potenzial des 23-jährigen Franzosen erkannt.

Eintracht Frankfurt: Nur mit jungen Spielern geht’s nicht

Die Folge war, dass die Eintracht-Mannschaft zeitweise als älteste Truppe durch die Liga tingelte, eine Entwicklung, die den Verantwortlichen nicht schmeckte. Und auch das fehlende Tempo in der Spitze war längst als Problem ausgemacht. Nun, mit einiger Verspätung, könnte es zu einer abermaligen Kurskorrektur kommen, einer Neubesinnung auf alte Tugenden, mit Augenmaß und nicht auf Teufel komm raus, das Motto: Back to the roots, zurück zu den Wurzeln. Akman und Blanco, beide ablösefrei verpflichtet, sind Schritte in diese Richtung, es sind Transfers, die die Mannschaft vielleicht nicht sofort auf ein anderes Level hieven, aber die es vielleicht irgendwann mal können.

Ob das dann wirklich gelingt und sie voll einschlagen, weiß man nie, auch Ben Manga ist vor Reinfällen nicht gefeilt, vieles hängt von der Persönlichkeit und der Entwicklung der Spieler ab. Und ohnehin muss man in der Alltagsarbeit auf dem Platz schauen, ob die Spieler bei allem Talent tatsächlich den Willen und die Fähigkeit mitbringen, sich auf diesem Niveau durchzusetzen.

Neue Spieler brauchen Zeit um sich bei der Eintracht Frankfurt einzuspielen

Wunderdinge sollte man nicht erwarten, die Akteure benötigen Zeit zur Akklimatisierung: Sowohl Jovic als auch Haller und auch Silva haben eine gewisse Anlaufzeit gebraucht, ehe sie zündeten und voll durchstarteten. Akman und gerade Blanco sind noch mal eine Ecke jünger. Zuletzt kam auch die Meldung auf, dass sich die Eintracht für den kürzlich abgestiegenen Bremer Stürmer Josh Sargent, auch erst 21, interessiere. Einfach abwarten.

Sportchef Krösche jedenfalls ist ein Anhänger dieses Ansatzes, bei seinem vorherigen Arbeitgeber RB Leipzig galt das Credo, keinen Spieler zu holen, der älter als 24 ist. Krösche will das nicht als Dogma verstehen, aber grundsätzlich mache es Sinn, auf junge Spieler zu bauen, findet er, schränkt aber ein: „Man muss immer auch die eigenen Ziele im Fokus behalten.“ Sprich: Vielleicht geht ja so einiges mit einer wilden Bande an Ungezähmten, aber alles sicher nicht. Genau deshalb soll die ohnehin gefestigte Mannschaft im Kern zusammenbleiben. (Ingo Durstewitz)

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