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Jetzt in Uerdingen: Stefan Aigner.

Promitipp Stefan Aigner

Zurück in der Spur

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Ex-Eintrachtler Stefan Aigner kickt nach Episoden bei 1860 und den USA jetzt beim Drittligisten KFC Uerdingen.

Anfang dieser Woche war Stefan Aigner nur einen weiten Abschlag vom Stadion im Stadtwald entfernt unterwegs. Seinen freien Tag nutzte der Rechtsaußen, der mittlerweile in der Dritten Liga beim KFC Uerdingen recht erfolgreich Fußball spielt, um seinem alten Spezi und Physiotherapeuten des Vertrauens, Björn Reindl, in Neu-Isenburg einen Besuch abzustatten. Aigner, inzwischen auch schon 31, laboriert an leichten Muskelbeschwerden, nichts Ernsthaftes, aber er ließ sich bei Reindl checken und schnell mal durchkneten. Und zurück ging es nach Meerbusch, vor den Toren Düsseldorfs, dort, wo der „Aiges“ mittlerweile mit Frau und Sohnemann wohnt.

Es ist gut herumgekommen in den letzten beiden Jahren, seit er bei Eintracht Frankfurt trotz laufenden Vertrags um seine Freigabe gebeten hatte. Erst 1860 München, sein Leib- und Magenverein, dann über den großen Teich nach Colorado zu den Rapids. Sportlich hatten sich seine Wünsche und Ziele nicht erfüllt, ganz im Gegenteil, aber „es waren lehrreiche Jahre, an Lebenserfahrung habe ich viel mitbekommen“, sagt er. Sportlich freilich waren seine Wechsel weniger von Erfolg gekrönt. „Im Nachhinein“, sagt Stefan Aigner heute, „hätte ich von der Eintracht nicht weggehen dürfen. Aber hinterher ist man immer schlauer.“ In Frankfurt gehörte der Flügelstürmer seinerzeit zum absoluten Stammpersonal, er war Publikumsliebling, beliebt wegen seiner zupackenden, kernigen Art und der wenig angstvollen Spielweise, 121 Spiele hat er für die Hessen bestritten, 25 Tore erzielt, er hat mit Armin Veh in der Europa League gespielt, und doch wollte er im Sommer 2016 nach vier erfolgreichen Jahren weg - zurück nach München, seiner Geburtsstadt, zurück zu den „Löwen“, damals noch zweitklassig: „Mein Traum war: mit 1860 in die Bundesliga aufsteigen“, erzählt Aigner.

Vertrag in den USA aufgelöst

Es kam anders, ganz anders, die 60er stiegen ab, zerrüttet und von Intrigen um den jordanischen Geldgeber Hasan Ismaik zermürbt, erhielten nicht einmal die dafür notwendige Lizenz und mussten gar in der Vierten Liga einen Neustart wagen. Nicht mit Aigner, der in den USA ein neues Betätigungsfeld fand, nahe den Rocky Mountains. Auch da hielt das fußballerische Glück nicht lange, im ersten halben Jahr lief es gut, Aigner spielte, schoss Tore, doch mit dem neuen Trainer Anthony Hudson kam er nicht klar, er spielte plötzlich kaum noch und löste seinen Dreijahresvertrag auf. „Trotzdem war der Schritt in die USA richtig. Die Natur, die Landschaft, die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen waren einmalig“, zieht der Bayer zufrieden Bilanz. „Das hat uns geprägt.“

In Uerdingen, in der Dritten Liga, fühlt sich der Ski- und Motorradfahrer wieder wohl. „Der Spaß am Fußball ist zurück“, den hatte er in den USA und in München ein wenig verloren, sagt der 31-Jährige, auch wenn die Dritte Liga „kein Leckerbissen ist“. Viel Kampf, viel Krampf und die Heimspiele müssen die Uerdinger in der Arena des Zweitligisten MSV Duisburg austragen, weil das heimische Grotenburg-Stadion saniert werden muss. Aktuell läuft es rund bei den Westdeutschen, sie stehen auf Tabellenplatz eins, Aigner selbst, der inzwischen seine längeren Haare mit einem Stirnband bändigen muss, hat bereits zweimal getroffen, zuletzt an diesem Samstag im Spitzenspiel gegen den Hallenchen FC. Und er hat sogar das Gastspiel an der Grünwalder Straße, im alten 60er-Stadion, mit 1:0 gewonnen. Der KFC hat Großes vor, will in die Zweite Liga aufsteigen.

Aufstieg mit Uerdingen

Möglich soll das der russische Multi-Millionär Mikhail Ponomarev machen, der eine Beratungsfirma leitet und viele Millionen in das frühere Bayer Uerdingen pumpt - auch deshalb spielen Profis wie Maxi Beister, Kevin Großkreutz, Manuel Konrad oder eben Aigner dort. Für drei Jahre hat sich der „Aiges“ gebunden, er ist aber auch ehrlich genug einzuräumen, dass nach dem USA-Trip die Angebote nicht im großen Stil eingegangen seien. „Im Fußball ist man schnell oben, aber genauso schnell wieder unten“, sagt er. Dennoch bereut er nicht, diese Schritte getan zu haben. „Ich würde es wieder so machen.“ Dass er derart danebenliegen würde, hatte er nicht ahnen können.

Die Spiele der Eintracht verfolgt er weiterhin mit einem Auge, selbst wenn er dem Klub angesichts der Doppelbelastung in der Europa League eine schwierige Saison prophezeit. Mit Alex Meier, Timothy Chandler oder Marco Russ, den Alten halt, hält er weiterhin Kontakt. Alte Liebe rostet nicht so schnell.

Sein Tipp: 1:0

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