Auf einen Handschlag: Niko Kovac (r.) und Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic.
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Auf einen Handschlag: Niko Kovac (r.) und Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

Niko Kovac

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  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Trainer Niko Kovac könnte nach der Absage von Thomas Tuchel doch noch ein Thema für Bayern München werden.

Die Länderspielpause mit immerhin zwei freien Tagen hat der Frankfurter Trainer Niko Kovac zu einem Trip zur Familie in Salzburg genutzt, um ein wenig den Akku aufzuladen - aber pflichtbewusst erst nachdem die Eintracht am Freitagabend gegen den bayrischen Landesligisten Alemannia Haibach in aller Freundschaft Fußball gespielt hat. Aber aus den Schlagzeilen war der 46 Jahre alte Coach natürlich nicht. Weil Bayern München nach der Absage von Thomas Tuchel und dem endgültigen Nein von Jupp Heynckes weiterhin für die neue Saison ohne Cheftrainer dasteht, ist der Name Kovac, wie selbstverständlich und ohne sein Zutun, wieder in den Medien gespielt worden. Er hat sich das zuletzt ja immer verbeten, es zeuge von mangelndem Respekt, ja Anstand, wenn er regelmäßig mit anderen Klubs in Verbindung gebracht werde, obwohl es keinerlei Kontaktaufnahme gegeben habe.

Dass er gewillt sei, Eintracht Frankfurt vor Ablauf seines Vertrags im Sommer 2019 verlassen zu wollen, habe er niemals verlauten lassen, eher das Gegenteil. „Ich bin gerne hier und glücklich“, hat Kovac gesagt und betont, seinen Kontrakt zu erfüllen. Sportdirektor Bruno Hübner hatte sich vor Wochen im Fernsehen weit aus dem Fenster gelehnt: „Niko wird seinen Vertrag mit Sicherheit erfüllen.“ Sportvorstand Fredi Bobic reagierte auf die Gerüchte zeitweise genervt: „Niko hat einen tollen Weg vor sich, macht einen guten Job. Ich bin mir sicher, dass wir noch einige schöne Zeiten zusammen in Frankfurt erleben werden.“ Er habe dennoch Fähigkeiten, „irgendwann“ große Klubs zu trainieren.

Das alles freilich war vor der endgültigen Absage von Thomas Tuchel an diesem Wochenende gesagt, gesendet und geschrieben worden.

In der Tat ist es so, dass der FC Bayern, Stand jetzt, noch keinen geeigneten Kandidaten für die Nachfolge des überaus erfolgreichen Jupp Heynckes in petto hat, so dass die Suche aktuell neu beginnt. Und dass Niko Kovac angesichts seiner jüngsten Erfolge bei der Eintracht in den letzten beiden Jahren, in denen er sie von der Relegation auf Platz vier geführt hat, ein Thema ist und sich die Bayern mit ihm beschäftigen.

Gerät Kovac ins Grübeln?

Kovac, der zwischen 2001 und 2003 bei den Bayern im defensiven Mittelfeld wirkte, mit ihnen Meister wurde und sich mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic versteht, dürfte somit auf jener imaginären Liste stehen, auf der unter anderem Ralph Hasenhüttl, Lucien Favre, Jürgen Klopp oder auch der Argentinier Maurico Pochettino zu finden sind, allesamt Trainer, die noch vertraglich gebunden sind.

Eine schnelle Entscheidung ist laut „Süddeutsche Zeitung“ nicht zu erwarten, die Bajuwaren wollen sich Zeit lassen. In den nächsten sechs Wochen soll der Coach gefunden sein - dann ist auch die Saison beinahe vorbei und man weiß, wohin die Reise gegangen ist. Sollten die Bayern freilich jetzt tatsächlich ernst machen mit ihren Avancen, dürfte auch Niko Kovac ein klein wenig ins Grübeln geraten.

Ein möglicher Abschied von Frankfurt würde schwerer fallen, wenn die Hessen im nächsten Jahr internationale Auftritte hätten, vielleicht sogar in der Champions League. Niko Kovac hat sich in Frankfurt durch Fleiß, Eifer und Gradlinigkeit etwas aufgebaut, in Frankfurt ist vieles, wenn nicht alles auf Kovac zugeschnitten und ausgerichtet. Er ist (gemeinsam mit Fredi Bobic) der Architekt des niemals erwarteten Aufschwungs. Er könnte dann auf europäischer Ebene die Früchte seiner akribischen Arbeit ernten, es wäre zudem etwas, was er geschafft hat. In München, wo Meisterschaft, Pokal-Halbfinale und Champions League-Viertelfinale quasi garantiert zu sein scheinen, setzt man den Erfolg nur immer weiter fort.

Andererseits bekommt man die Chance, Trainer des FC Bayern München zu werden, nicht oft in seiner Laufbahn. Kann da ein ehrgeiziger, fast schon getriebener Fußballlehrer wie Niko Kovac trotz lebenslanger Mitgliedschaft bei Eintracht Frankfurt widerstehen?

Die Länderspielpause hatte der Kroate ursprünglich dazu nutzen wollen, „die Sinne zu schärfen für die heiße Phase“. Man werde alles auf Null setzen, „um mit voller Kraft und Konzentration in die nächsten Wochen gehen zu können“. Sieben Bundesligapartien plus ein oder zwei Pokalspiele umfasst das Programm der Eintracht, die eine prima Saison krönen könnte. Dass die Frankfurter womöglich erst noch eine Attacke des FC Ruhmreich abwehren müssen, war nicht geplant.

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