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Benny Köhler, hier mit Kumpel Alex Meier in Frankfurt.
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Benny Köhler, hier mit Kumpel Alex Meier in Frankfurt.

Promitipp Benny Köhler

Zurück im Leben

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Benny Köhler fiebert mit Union - er selbst ist verletzt.

Im Juli muss Benjamin Köhler wieder ins Krankenhaus. Routine, die obligatorische allhalbjährliche Untersuchung, Benjamin Köhler kennt das. Bisher war immer alles in Ordnung. „Ein bisschen mulmig ist mir schon“, sagt er. Wie immer, wenn er zur Untersuchung muss. Er ist zuversichtlich, er hat ein gutes Gefühl, ihm geht es gut. Doch zuweilen schleicht sich Unbehagen in den Hinterkopf. Neulich hörte er von einer Fußballerin, die an derselben Krebserkrankung litt wie er, Lymphdrüsenkrebs (Hodgkin-Lymphom), „und bei ihr ist die Krankheit zurückgekommen“. Benny Köhler muss da schlucken. „Da hat es klick gemacht.“ Dreimal kam der Krebs bei seiner Mutter zurück. Der Krebs – dieses Thema wird Benny Köhler so schnell nicht loslassen. Dabei ist bei ihm, der im August auch schon 37 wird, bislang alles bestens verlaufen. Köhler, der noch bis Sommer bei Union Berlin unter Vertrag steht, hat seinen Krebs besiegt, der im Februar 2015 diagnostiziert worden war, er gilt als geheilt. Er hat sogar wieder Fußball spielen können, in der zweiten Liga in der vergangenen Saison, zweimal kam er zum Einsatz, dazu in Freundschaftsspielen. Benny Köhler war der erste deutsche Profifußballer, der es geschafft hatte, zurück auf den Rasen zu kommen. Vor Marco Russ etwa, der im Mai des vergangene Jahres an Hodenkrebs erkrankt war; inzwischen hat auch er ins Fußballerleben zurückgefunden. Die beiden haben lange zusammengespielt bei Eintracht Frankfurt, Köhler hat Russ besucht, Leidensgenossen unter sich. Der Berliner wusste wie kein anderer, wie sich der Frankfurter fühlte nach den Chemotherapien. Köhler hatte sechs über sich ergehen lassen müssen, „noch nie in meinem Leben habe ich mich danach so schwach gefühlt“, erzählt er. Tagelang habe er auf dem Sofa verbracht, unfähig, etwas anderes zu machen als Glotze und Playstation. Marco Russ hat von ähnlichen Erfahrungen berichtet. „Er soll in dieser Runde ab und an reinschnuppern und nächstes Jahr richtig angreifen“, empfiehlt Köhler. Er selbst hat seit Juni des vergangenen Jahres keinen Fußball mehr gespielt. Das Knie schmerzte, er versuchte eine konservative Behandlung. Vor einer Operation rieten die Ärzte ab, bei seiner Vorgeschichte wollte man kein Risiko eingehen. Doch es wurde nicht besser, im Februar wurde er dann doch am Meniskus operiert. Jetzt ist er in der Reha. Ob er noch einmal ein Comeback schafft, ist offen. Im Sommer läuft sein Vertrag bei Union Berlin aus, es gibt lose Anfragen, aber nicht aus erster und zweiter Liga. Vielleicht hängt Benny Köhler die Schuhe auch an den Nagel, „das ist noch Zukunftsmusik“. Aber denkbar. Köhler weiß, wie sich ein Leben ohne Fußball anfühlt, „es geht, ist aber schwierig“. Vielleicht, auch das eine Idee, macht er in Berlin ein Eiscafé auf.

Verschobene Prioritäten

Aber natürlich haben sich für Benny Köhler, nach 17 Jahren als Profifußballer, nach mehr als 400 Spielen für Hertha, Duisburg, Essen, Eintracht Frankfurt (von 2003 bis 2014), Kaiserslautern und Union, die Prioritäten verschoben. Die Gesundheit, die Familie, die Kinder Milli und Dian, die Freunde, sie stehen ganz oben. Nach der Krebsbehandlung hat er sich in den Nacken ein neues Tattoo stechen lassen, „hard times will always reveal true friends“, in schweren Zeiten zeigen sich die wahren Freunde. Er hat damals viel Zuspruch erfahren, von seinem Klub Union, von den Spielern, die wenige Tage nach der Diagnose während eines Zweitligaspiels plötzlich auf Kommando ihr Trikot lüpften und ein T-Shirt mit der Widmung „gemeinsam kämpfen“ zeigten, selbst von Nationalspieler Toni Kroos, der per SMS mitfühlte. Das alles hat ihm sehr geholfen, doch den schweren Kampf musste er allein bestreiten. Für Union wird er in dieser Saison wegen der Knie-OP nicht mehr spielen, dafür fiebert er umso mehr mit. Mit Jens Keller, dem Trainer, hat er ja noch bei der Eintracht zusammengespielt, in seinem ersten Jahr. Vielleicht steigt er mit den Eisernen sogar noch auf, am Montag geht es zum Topspiel gegen den Tabellenführer VfB Stuttgart. Mit der Eintracht, für die der feine Linksfuß 229 Partien absolviert und 32 Tore erzielt hat, ist er ja schon zweimal aufgestiegen. Nach Frankfurt hat Köhler noch immer einen guten Draht. Erst von ein paar Wochen hat er seinen alten Kumpel Alex Meier besucht, seit Frankfurter Zeiten sind die beiden dick befreundet. „Den Alex“, sagt Kumpel Köhler, „muss man einfach machen lassen.“

Sein Tipp: 2:1

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