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Eintracht Frankfurt kommt zur rechten Zeit in Tritt - und reist optimistisch nach Sevilla

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Von: Thomas Kilchenstein

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Will auch in Sevilla keinen vorbeilassen: Evan Ndicka (rechts), hier im Duell mit Davie Selke.
Will auch in Sevilla keinen vorbeilassen: Evan Ndicka (rechts), hier im Duell mit Davie Selke. © dpa

Eintracht Frankfurt verbreitet vorsichtigen Optimismus vorm Trip nach Sevilla, weil Leistungsträger ihre Form finden.

Frankfurt – Nach dem womöglichen Befreiungsschlag am Samstag in Berlin hat Eintracht-TV das Powerpaket Filip Kostic vor die Kamera bekommen. Jeder weiß, der Serbe mag solche Auftritte nicht, in der Öffentlichkeit stehen, selbst beim vereinseigenen Sender, ist nicht sein Ding. Und für einen flotten Spruch ist der 29 Jahre alte, sehr zurückhaltend und bescheiden auftretende Profi von Eintracht Frankfurt nicht zu haben. Das ist auch so geblieben: Weder zum 4:1 am Wochenende noch vor dem Betis-Spiel am Mittwochabend (18.45 Uhr/RTL+) in Sevilla hat sich Kostic weit aus dem Fenster gelehnt. Immerhin hat er eine Vermutung bestätigt, die schon dem Augenschein nicht verborgen geblieben war: Seine Formkurve zeigt jetzt nach oben, das war zuletzt nicht der Fall.

Kostic wirkte gehemmt, nicht spritzig, gar nicht so wie man ihn kannte. „Meine Leistung war besser“, sagte er über das Berlin-Spiel, endlich wieder eine typisch Filip-Kostic-Vorlage. Es mache sich bemerkbar, sagte er, „dass ich nach meiner Corona-Erkrankung zuletzt drei Wochen am Stück mit der Mannschaft trainieren konnte“. Corona und eine Grippe hatten ihn doch mehr geschlaucht als gedacht. Jetzt verspricht er: „Ich weiß, dass ich mich weiter steigern kann.“

Bei Eintracht Frankfurt treffen die Innenverteidiger

Das wird nötig sein, gerade jetzt, da es international an den Start geht, und gerade noch rechtzeitig. Denn um die Highlight-Spiele genießen zu können, braucht es eine Frankfurter Mannschaft, die auf Augenhöhe mit europäischen Opponenten auftritt. Und da ist ein Kostic in Topverfassung unabdingbar.

Wenn nicht alles täuscht, ist der eine oder andere Eintracht-Profi auf dem Weg zurück zur Normalform. Martin Hinteregger zum Beispiel. Der Österreicher hat in Berlin sehr seriös verteidigt, ohne Schnickschnack, ohne Bolzen, selbst wenn immer noch der eine oder andere Querschläger dabei war. Allerdings bereitete er mit einem langen Ball auch das 3:1 vor. Der Aufwärtstrend beim rustikalen Innenverteidiger ist unverkennbar, bemerkt hat das Trainer Oliver Glasner schon die Tage zuvor, in dem er dem „Hinti“ die „beste Trainingswoche“ attestierte, seit er, Glasner, in Frankfurt tätig sei.

Eintracht Frankfurt: Ganz große Stärke von Betis Sevilla ist der Angriff

Ohnehin hinterließ die Abwehr am Samstag einen sehr sattelfeste Eindruck, was einerseits mit Berliner Schwäche zu tun hatte, aber auch an einer allgemeinen Steigerung der Verteidiger. Tuta etwa, der Brasilianer, hat sich enorm stabilisiert, tritt trotz seiner allenfalls etwas mehr als drei Dutzend Pflichtspielen erstaunlich abgezockt auf. Und er ist torgefährlich, bei Standardssituation findet man den 22-Jährigen in vorderster Front, der Treffer zum 2:0 war bereits sein dritter Saisontreffer im 17. Ligaspiel, zuvor hatte er gegen Leipzig und Leverkusen getroffen. Tuta selbst fühlt sich unter den Fittichen von Trainer Glasner, wie er selbst sagt, wohl. Eine Verlängerung seines bis 2023 datierten Vertrags ist angedacht. Zudem ist Tuta gemeinsam mit Evan Ndicka, der ebenfalls dreimal getroffen hat, das torgefährlichste Innenverteidigerpärchen der ganzen Liga.

Dass die drei zueinander gefunden haben, ist nicht unerheblich vor dem Hintergrund, dass die ganz große Stärke von Betis Sevilla - am Sonntag 1:3 gegen Atletico Madrid - im Angriff liegt. Die Andalusier geizen nicht mit Toren, da wird einiges an Schwerstarbeit auf die Frankfurter Defensive kommen, inklusive der Abräumer Kristijan Jakic und Djibril Sow. Gut auch, dass Sebastian Rode, der Kapitän, wieder ins Training eingestiegen ist.

Ansgar Knauff belebt das Spiel von Eintracht Frankfurt auf der rechten Seite

Insgesamt aber sieht es so aus, als habe Trainer Glasner mit jener Elf, die bei Hertha begonnen hat, die Formation gefunden, die das Gerüst bei den nächsten Herausforderungen bilden kann. Auch mit einem Ansgar Knauff, der das Spiel über die rechte Seite spürbar belebt hat. Aber womöglich verzichtet der Fußballlehrer auf den offensiv ausgerichteten Schienenspieler zugunsten eines defensiveren Akteurs, Danny da Costa oder Timothy Chandler.

Ein Nachteil dieser Formation ist freilich: Für den intelligentesten Spieler im Team hat Glasner weiterhin kein Plätzchen gefunden, Makoto Hasebe dürfte sich vorerst auf der Ersatzbank finden. Dieser Härtefall tut einem in der Seele weh, denn der Japaner ist für einen gepflegten Spielaufbau im Grunde unverzichtbar. Stratege Hasebe kann dem Spiel dank seiner Routine und seines Auges genau diese Balance geben, die es oft genug vermissen lässt.

Eintracht Frankfurt muss gegen Betis Sevilla eher nach hinten denken

Es mag wohl richtig sein, den kantigen Hinteregger in Sevilla in der zentralen Abwehr agieren zu lassen, in einem Spiel, da die Eintracht eher nach hinten denken muss. Aber Hasebe hat oft genug bewiesen, dass er auch ein Faktor auf der Sechs im Mittelfeld sein kann, dort, wo er das Spiel ordnen und in richtige Bahnen lenken kann. Unisono wird ja in den letzten Wochen Klage darüber geführt, dass zu viele Eintracht-Profis in den entscheidenden Momenten die falschen Entscheidungen treffen, also zu früh, zu spät oder zu schlampig abspielten. Hasebe weiß dagegen in jeder Lage des Spiels, was zu tun ist.

A la longue und will man auch spielerisch einen stärkeren Gegner in die Knie zwingen, wird Glasner eine tragende Rolle für den 38-Jährigen finden müssen. Gegen schwache Berliner fallen Unzulänglichkeiten und Ungenauigkeiten nicht ins Gewicht. Die Eintracht aber will ja noch länger europäische Nächte genießen. (Thomas Kilchenstein)

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