Wagt ganz gerne große Sprünge: Eintracht-Verteidiger Almamy Touré.
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Wagt ganz gerne große Sprünge: Eintracht-Verteidiger Almamy Touré.

Wieder trifft es Joveljic

Eintracht Frankfurt sortiert aus - zu viele Spieler auf dem Platz

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt richtet eine separate Trainingsgruppe ein, weil sich zu viele Spieler auf dem Feld tummeln. Almamy Touré hat Lust auf mehr.

  • Adi Hütter hat bei Eintracht Frankfurt eine separate Trainingsgruppe eingerichtet
  • Sieben Spieler gehören unter Hütter bei der SGE vorerst nicht zur ersten Garde
  • Bei Eintracht Frankfurt erneut auf dem Abstellgleis: Dejan Joveljic

Frankfurt - Am dritten Trainingstag nach dem zweiten Urlaub hat der Frankfurter Trainer Adi Hütter genau 20 Feldspieler und drei Torleute zur Doppelschicht auf dem herrlich satten Grün im Stadtwald begrüßen können. Es ist das Personal, mit dem der Fußballlehrer für die nächste Zeit plant, die Spieler, die für den 50 Jahre alten Österreicher vorerst erste Wahl sind - plus den leicht angeschlagenen Kapitän David Abraham, der gestern Vormittag mit dem Lauftraining begonnen hatte.

Adi Hütter sortiert bei Eintracht Frankfurt (vorerst) aus

Einige Minuten nach diesen Spielern trottete eine Handvoll anderer Profis aufs Gelände, Akteure, die ganz offensichtlich - zunächst - nicht zu jenen zählen, mit denen Hütter intensiv arbeiten will: Lukas Farnberger, Jabez Makanda, Nils Stendera, Yannik Brugger, Marijan Cavar, Felix Wiedwald sowie - Dejan Joveljic. Das halbe Dutzend plus Tormann trainierte auf einem anderen, mit Sichtplanen verhängten Rasengeviert, angeleitet vom Athletiktrainer Andreas Biritz. Erinnerungen an die legendäre „Trainingsgruppe 2“ kamen da sofort hoch, eine Bezeichnung, die die sportlich Verantwortlichen bei Eintracht Frankfurt nie mochten, auch jetzt nicht. Offizielle Sprachregelung: „Separate Trainingsgruppe“.

Zu ihnen zählen nach Aussage von Pressesprecher Marc Hindelang jene Spieler, die „seit März oder länger“ nicht mehr gespielt und, aus welchen Gründen auch immer, nicht zum Einsatz gekommen waren. Ohnehin hat Trainer Adi Hütter weit vor Trainingsstart klar kommuniziert, es würde wenig Sinn ergeben, mit allen 33 zum aufgeblähten Kader zählenden Spielern gemeinsam zu trainieren. Eine Trainingsgröße von etwa 20 Feldspielern hält der Fußballlehrer für ideal.

Joveljic unter Hütter bei Eintracht Frankfurt wieder auf dem Abstellgleis

Das ist eine durchaus vertretbare Auffassung, zumal die meisten der separat Trainierenden Jungprofis sind, die noch Zeit benötigen. Allerdings verwundert schon, warum auch Stürmer Dejan Joveljic zu diesem wenig erlesenen Kreis zählt. Wollte Adi Hütter nicht auch jenen Spielern eine Chance geben, die ausgeliehen waren und anderswo Spielpraxis hatten sammeln sollen? Spielern wie Aymen Barkok oder Tuta, die im ersten Zirkel mitmachen dürfen?

Dejan Joveljic ist bei Eintracht Frankfurt schon wieder auf dem Abstellgleis.

Joveljic hat bislang zehn Pflichtspiele für die Eintracht absolviert, in denen er nicht den Nachweis erbracht hatte, eine Verstärkung zu sein. Dann wurde er zu RSC Anderlecht verliehen, dort bestritt er fünf Partien (ein Tor), ehe ihn die Corona-Pandemie stoppte. Bekommt der 21-Jährige in Frankfurt noch einmal eine Chance? Immerhin haben die sportlich Verantwortlichen stolze fünf Millionen Euro im vergangenen Jahr in den Mittelstürmer von Roter Stern Belgrad investiert und ihn mit einem Fünfjahresvertrag bis 2024 ausgestattet. Eintracht Frankfurt hat seinerzeit also etwas in ihm gesehen. Sinnvoll wäre es ganz sicher, den sehr sympathischen, willigen Profi noch einmal zu verleihen, um ihm Spielpraxis zu ermöglichen - Spielpraxis, die er derzeit nach Lage der Dinge in Frankfurt eher nicht eingeräumt bekommt. Oder reichen seine Qualitäten nicht für die Erste Bundesliga? Dann hätten sich die Hessen einen teuren Fehleinkauf geleistet.

Touré über Eintracht Frankfurt: „Jeder hat Lust und Gier“

Zu den 20 auserkorenen Feldspielern wird, logisch, auch David Abraham gehören, dessen Sehnenbandzerrung im Knie ganz offensichtlich nicht so gravierend war wie befürchtet. Von drei Wochen Pause war die Rede, am gestrigen Mittwoch mischte der 34-Jährige am Vormittag schon wieder fröhlich laufend mit, an der zweiten Trainingseinheit am Nachmittag hatte er in Teilen mitmachen können.

Einer, der für den Argentinier im Notfall hätte mühelos einspringen können, wäre Almamy Touré gewesen, der französische Innenverteidiger mit Wurzeln in Mali. Touré hat im vergangenen Jahr 29 Pflichtspiele in allen vier Wettbewerben für die Eintracht bestritten, viele davon ordentlich bis gut, gegen RB Leipzig (2:0) hat er gar sein wunderschönes erstes (und bislang einziges) Tor für die Hessen erzielt, doch wer an Almamy Touré denkt, denkt immer auch an einen Spieler, dem das Etikett „Bruder Leichtfuß“ anheftet. Touré weiß das, Trainer Hütter, der große Stücke auf den technisch beschlagenen Verteidiger hält, hat es ihm in einem Gespräch unter vier Augen unmissverständlich gesagt. „Es ist jetzt klipp und klar, ich weiß, was ich zu tun habe.“ Er möge doch bitteschön dafür Sorge tragen, beim Spielaufbau „ein geringeres Risiko“ einzugehen, sprich: sicherer und weniger optimistisch nach vorne spielen.

Es stimme, dass „wir zu viele Ballverluste im Aufbau haben“, ließ Touré am Mittwoch von Stephane Gödde übersetzen. Das gehöre ohnehin zum Trainingsschwerpunkt, dazu: Aggressivität und das vertikale Spiel in die Spitze. „Die Basics sind die gleichen geblieben wie vergangenes Jahr“, sagt Touré, der sich eine Leistungssteigerung aller erhofft, weil man in dieser Runde deutlich weniger Spiele haben werde. Deshalb wolle jeder ins Team, er empfinde diesen Konkurrenzdruck als „positiv“. Seine „Marschroute“ ist, „hart zu arbeiten und um viele Einsatzzeiten zu kämpfen“. Und Erfolg zu haben. „Jeder von uns hat Lust und Gier, wieder um internationale Plätze zu spielen.“

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