1. Startseite
  2. Eintracht

Heiß begehrt und ziemlich teuer

Erstellt:

Von: Ingo Durstewitz

Kommentare

Lieferten sich in Dubai rassige Zweikämpfe: Die beiden Frankfurter Franzosen Ndicka und Kolo Muani. Foto: Hübner
Lieferten sich in Dubai rassige Zweikämpfe: Die beiden Frankfurter Franzosen Ndicka und Kolo Muani. Foto: Hübner © Jan Huebner

Was wird bei Eintracht Frankfurt aus Leistungsträgern wie Evan Ndicka oder Kevin Trapp? Die Ausgangslage bei beiden ist durchaus schwierig.

In den kurzen, knackigen Duellen Mann gegen Mann hatte der geschmeidige Verteidiger Evan Ndicka seine liebe Müh‘ und Not, den stürmenden Landsmann Randal Kolo Muani zu stoppen. Schnell wie der Schall flitzte der verhinderte WM-Held nicht nur einmal am Eintracht-Abwehrspieler vorbei, Spannstoß, zack, Tor. Ganz einfach, wenn nicht die ganze Welt zuschaut. Ndicka musste schon sein ganzes Können aufbieten, um Kolo Muani zumindest manchmal zu stoppen. Ist gar nicht so leicht gegen diesen Windhund. Weiß man aber mittlerweile.

Über die grundsätzlich außerordentlichen Fähigkeiten des 23 Jahre alten Ndicka gibt es trotz jener Problemchen gegen den Shootingstar nicht den geringsten Zweifel, der Franzose hat sich im Laufe der Jahre zu einem Top-Innenverteidiger entwickelt, eine Säule im Zentrum, unverzichtbar, cool, elegant, einfach eine Klasse für sich. Solch ein Typ, dazu noch verlässlich und ruhig, ist gefragt und in der Branche heiß begehrt. Das ist bekannt.

Die Eintracht, auch das ist kein Geheimnis, würde gerne weiter gemeinsame Sache machen mit dem Linksfuß, doch weil sein Vertrag ausläuft, es Interessenten zuhauf gibt und die Berateragentur des Spielers auf einen ungeheuerlich warmen Geldsegen hofft, sind die Chancen nicht eben groß. Die Frankfurter Sportführung weiß das. Auf das vorgelegte und gut dotierte Angebot der Eintracht hat die andere Seite nicht reagiert.

Und doch gestaltet sich die Zukunftsplanung des Musterprofis schwieriger als gedacht. Das liegt in erster Linie an seinen Agenten, die Reibach machen und groß abkassieren wollen. Das ist erst einmal und per se nichts Verwerfliches, sondern das gute Recht und vielleicht sogar die Verpflichtung der Berater gegenüber ihrem Klienten. Zumal Ndicka, seit 2018 in Frankfurt, nicht zu den Großverdienern im Kader gehört. Das würde sich mit dem neu ausgearbeiteten Arbeitspapier ändern, doch das ist der Entourage des Spielers nicht werthaltig genug.

Der Haken an der Sache: Sie scheinen sich so ein bisschen verzockt und den Bezug zur Realität verloren zu haben. Denn sie bieten ihren Mann bei allerlei europäischen Spitzenvereinen an, die auch nicht abgeneigt sind. Die Interessenten lesen sich wie das Who is Who des internationalen Fußballs: Paris St. Germain, Juventus Turin, AC Mailand, FC Chelsea, Tottenham Hotspur, FC Arsenal, FC Barcelona, FC Sevilla. Das Dumme: Sie bieten ihn zu Mondpreisen an. Bei einigen Klubvertretern haben sich die Vermittler bereits blutige Nasen geholt und sind auf den Index gesetzt worden.

Denn für ein Engagement Ndickas müsste ein Klub bereit sein, ein Fünf-Jahres-Paket in Höhe von ungefähr 50 Millionen Euro zu schnüren. Das ist ein Haufen Zaster für einen Akteur, der im Sommer ablösefrei zu haben ist. Aber was heißt in diesen Zeiten schon ablösefrei? Kassiert der abgebende Verein nichts, streicht die Spieler-Seite beim aufnehmenden Klub umso mehr ein. In diesem Fall streben die Agenten eine Antrittsgage von 15 Millionen Euro (von der sie natürlich in erheblichem Maße partizipieren) und ein Jahressalär von gut sieben Millionen Euro an. Diese Zahlen und auch das forsche Auftreten schrecken nicht wenige Funktionäre ab, sie ziehen sich zurück und lehnen das Gebaren der Ndicka-Manager kategorisch ab. Einige sollen gar die Verhandlungen final und ultimativ abgebrochen haben. So könnte am Ende die Eintracht vielleicht doch noch mal ins Spiel kommen, selbst wenn die Chance weiterhin nicht besonders groß ist. Doch irgendwann wird auch der Spieler für sich die Frage beantworten müssen, was für ihn das Richtige ist und ob er tatsächlich gut beraten ist. Bis dahin wird noch ein wenig Zeit vergehen.

Ungeklärt ist auch die Zukunft von Torwart Kevin Trapp, zumindest die Zeit ab 2024. So lange läuft sein Vertrag in Frankfurt, und auch hier streben die Verantwortlichen eine Ausdehnung des Kontrakts an. Die Umsetzung und Ausgestaltung gestaltet sich aber schwierig. Die Führungskraft im Kasten hat sich auf dem Markt einen guten Stellenwert erarbeitet, in den vergangenen eineinhalb Jahren einen herausragenden Job gemacht. Das ist nicht unbemerkt geblieben, im vergangenen Sommer warf Manchester United ein Auge auf den 32-Jährigen, nun sollen die Bayern zumindest mal bei Trapps Berateragentur vorgefühlt haben, ob er womöglich für den unpässlichen Manuel Neuer einspringen könne.

Sportvorstand Markus Krösche witterte indes eine von der Trapp-Agentur lancierte Geschichte, das Bayern-Interesse sei „völliger Blödsinn“. Diese deutliche Ansage kam wiederum bei den Trapp-Vertretern nicht gut an, die Vermittlungsstelle um den bekannten Manager Volker Struth soll irritiert und verschnupft gewesen sein.

Nicht nur deshalb kommen die Verhandlungen nicht so recht auf Touren. Die Eintracht bietet ihrem Charakterkopf einen gut dotierten, langfristigen und nach der Karriere greifenden Vertrag – allerdings sollen die leistungsbezogenen Parameter stark berücksichtigt und viele Variablen eingebaut werden. Da steckt der Teufel im Detail, das kann sich ziehen. Im Eintracht-Zirkel soll es den einen oder anderen geben, der die Angelegenheit gerne schneller und geräuschloser vom Tisch hätte. Doch Sportvorstand Markus Krösche kann ein unnachgiebiger, hartnäckiger und unbequemer Verhandlungspartner sein.

Dass die ungeklärten Vertragssituationen – auch Daichi Kamada kann den Verein im Juli ablösefrei verlassen – Einfluss auf die Restsaison haben werden, ist freilich nicht zu erwarten. Dazu sind die Spieler zu fokussiert und professionell, dazu haben sie noch viel zu viel vor mit der Mannschaft und zu große Ziele vor Augen. Und jetzt im Winter wird sich ohnehin nichts tun, wie Sportchef Krösche und Trainer Oliver Glasner unisono betonen und glaubhaft versichern. Leistungsträger sollen unter keinen Umständen abgegeben werden.

Aber vielleicht Hinterbänkler? Beim internen Trainingsspiel am Freitag blieben jedenfalls vier Spieler erstmal außen vor und mussten zuschauen: die Youngster Nacho Ferri und Mehdi Loune sowie Rekonvaleszent Aurelio Buta – und Lucas Alario, vor der Saison als Hochkaräter aus Leverkusen gekommen. Ein Fingerzeig?

Auch interessant

Kommentare