Eintracht Frankfurt : Hannover 96

Die Zeichen nicht erkannt

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Es war der Anfang vom Ende: Das 0:3 der SGE gegen Hannover 96 im Januar 2011 leitete den Abstieg ein.

Diese 0:3-Niederlage gegen Hannover 96 vom 16. Januar 2011 war der Anfang vom Ende, nur ahnte das damals noch keiner, nicht mal im Entferntesten. Denn eigentlich wollte Eintracht Frankfurt die Rückrunde nutzen, richtig Gas zu geben, durchzustarten, um vielleicht einen der begehrten Europapokal-Plätze zu ergattern. Gerade war im letzten Vorrundenspiel Meister Borussia Dortmund 1;0 geschlagen worden, Theofanis Gekas hatte getroffen, die Eintracht überwinterte auf einem siebten Tabellenplatz, 26 Punkte hatten die Hessen sehr respektabel aufs Konto geschaufelt. Da sollte doch mehr gehen.

Doch schon damals rumorte es. Spielerisch war das alles sehr dünn, viele Spiele kippten im Zweifelsfall zugunsten der Eintracht, die im Grunde nur ein einziges taktisches System kannte: das Gekas-Prinzip – alle Bälle auf den Griechen, der macht das schon. In der Vorrunde hatte er es tatsächlich gemacht, Tor um Tor erzielt, 14 Stück, in der Rückrunde traf er noch genau zweimal Gekas, inzwischen 38, spielte bis Sommer 2017 noch im türkischen Sivasspor. Dazu waren den Frankfurtern die Verteidiger ausgegangen, Chris, Maik Franz, Marco Russ und Aleksandar Vasoski hatten sich mehr oder weniger langfristig abgemeldet.

Nicht mehr 100-prozentig bei der Eintracht

Und die Sportliche Führung um Heribert Bruchhagen und Trainer Michael Skibbe hatten sich gegen Neuverpflichtungen in der Winterpause ausgesprochen. „Das wäre nur Aktionismus.“ Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte, einer von vielen. Gegen Hannover 96 verteidigten am 18. Spieltag die Herren Kevin Kraus und Ricardo Clark, beide mit der Erfahrung von zusammen sechs Bundesligaspielen. Hinterher sagte Bruchhagen: „Nicht jeder Leistungsträger ist zu ersetzen.“

Dass die Partie 0:3 verloren ging, hat aber nicht an den beiden unerfahrenen Verteidigern gelegen. Benjamin Köhler etwa hatte das 0:1 auf dem Gewissen durch einen leichtfertig vertändelten Ball im Mittelfeld. Dazu war die Eintracht im Angriff mit einer bemerkenswerten Harmlosigkeit gestraft: Den ersten Schuss aufs Hannoveraner Tor gab der eingewechselte Ioannis Amanatidis ab, 75 Minuten waren da schon gespielt. Zudem war die Mannschaft nicht fit, Trainer Michael Skibbe hatte die Zügel enorm schleifen lassen, das machte sich erst später bemerkbar.

Auch waren einzelne Spieler mit ihren Gedanken nicht immer 100-prozentig bei der Eintracht. Patrick Ochs etwa, bester Mann übrigens in jenem Spiel gegen Hannover 96, hatte sich einige Zeit später nach einem verlorenen Heimspiel gegen Mönchengladbach mit Felix Magath, damals Trainer in Schalke, getroffen, um über einen Wechsel nach Gelsenkirchen zu reden. Der platzte zwar, dennoch ging der Rechtsverteidiger am Ende der Saison zu Magath, der mittlerweile den VfL Wolfsburg coachte.

Die 0:3-Heimpleite gegen Hannover, für die Mohamed Abdellaoue (15.), Christian Schulz (21.) und Ya Konan (89.) sorgten, war der Beginn einer in Frankfurt beispiellosen Niederlagenserie mit neun sieglosen Partien hintereinander, in acht dieser Partien blieb Eintracht Frankfurt sogar ohne eigenen Torerfolg. Erst am 26. Spieltag trafen die Hessen wieder, beim 1:2 auf Schalke hatte Linksverteidiger Georgios Tzavellas ein Tor aus 70 Metern erzielt. Am Ende stand einer der sinnlosesten Abstiege in der jüngeren Geschichte der Bundesliga, Eintracht-Präsident Peter Fischer kreierte seinerzeit den Begriff von „der Rückrunde der Schande“. Aus 17 Spielen holten die Hessen noch ganz acht Punkte.

Die Zeichen an der Wand hatte an jenem 16. Januar 2011 aber niemand erkennen wollen. Kapitän Pirmin Schwegler sagte nach dem 0:3: „Wir dürfen nicht in Panik verfallen. Das war ein Ausrutscher.“ Wie man sich täuschen kann. Pirmin Schwegler übrigens, inzwischen 31 Jahre alt, ist immer noch am Ball – bei Hannover 96. 

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