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Augen zu und durch: Der Schalker Naldo, Marco Russ (r.) und Carlos Salcedo im Luftkampf.
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Augen zu und durch: Der Schalker Naldo, Marco Russ (r.) und Carlos Salcedo im Luftkampf.

2:2 gegen Schalke

Zehn Sekunden fehlen

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Zehn Sekunden fehlen Eintracht Frankfurt zum vierten Platz: In der fünften Minute der Nachspielzeit verspielen die Hessen gegen Schalke 04 die Führung und kassieren noch das 2:2.

Es lief der letzte, wirklich der allerletzte Angriff der Schalker. Sie hatten alles versucht die Knappen, kombiniert, angegriffen, doch sie hatten sich die Zähne an der vielbeinigen Frankfurter Hintermannschaft ausgebissen. Noch einmal flog ein langer Ball in den Strafraum, dieses Mal schafften es die Frankfurter nicht zu klären, der Ball flog „wie beim Flipper“ (Torwart Lukas Hradecky) hin und her, und landete bei Naldo. Und der lange Brasilianer, der schon dass 4:4 in letzter Minute gegen Dortmund erzielt hatte, schoss die Kugel überlegt ins Tor - 2:2. Danach war Partie beendet. Und dann wurde es besinnlich und das Stadion im Stadtwald stockdunkel. „Stille Nacht, heilige Nacht“ wurde gesungen. Den Frankfurtern freilich war nicht so sehr nach Singen.

Dass das Ergebnis korrekt war, das Unentschieden gerecht – darüber gab es später keine zwei Meinungen. Eintracht-Niko Kovac sprach hinterher sogar von einem „glücklichen Punkt“ und davon, dass „wir heute 2:2 spielen durften“. Natürlich war es ärgerlich, höchst ärgerlich, in allerletzter Sekunde noch den Ausgleich kassiert zu haben. „Das ist bitter“, fand auch Torwart Hradecky. Wie schon in Hoffenheim hatten sie wieder zwei Punkte liegen gelassen. Allerdings hatten sie mit ihren Last-Minute-Toren in Hannover, gegen Stuttgart und Bremen ebenso Glück. Vieles hat sich mittlerweile ausgeglichen.

Andererseits hatte die Eintracht an diesem Nachmittag auch nicht mehr verdient. „Nach dem Spielverlauf geht das Ergebnis absolut in Ordnung“, analysierte Vorstand Fredi Bobic, der mit den nun errungenen 26 Punkten nach 17 Spielen „total zufrieden ist“. Mit ein bisschen mehr Fortune und einem früheren Abpfiff wäre die Eintracht mit einem Sieg tatsächlich auf Tabellenplatz vier gelandet, und der berechtigt zu Spielen in der Champions League.

Effektive Eintracht

Doch über mangelndes Glück durften sich die Frankfurter an diesem Nachmittag wahrlich nicht beschweren – selbst wenn sie eine 2:0-Führung am Ende nicht nach Hause brachten. Im Grunde wussten die Frankfurter selbst nicht, wieso sie nach 65 Minuten mit 2:0 in Front lagen. Torchancen hatten sie praktisch keine, Schalkes Trainer Domenico Tedesco, der Sekunden vor Schluss vom Schiedsrichter der Trainerbank verwiesen wurde, sprach hinterher von „einer 100-prozentigen Effektivität“ der Gastgeber beim Torschuss. Und hatte Recht.

Früh war die Eintracht in Führung gegangen. Ante Rebic hatte auf links den Ball ergattert, sein Zuspiel erreichte Mijat Gacinovic, der Luka Jovic, der anstelle von Sebastien Haller begann, im Zentrum anspielte und der hatte keine Mühe, zur Führung zu treffen. Eine Minute und vier Sekunden waren da gerade gespielt. Das 2:0 durch Haller (65.) resultierte aus einer feiner Einzelleistung von Mijat Gacinovic, der in ein zu kurzes Zuspiel der Schalker spritzte, zwei, drei Mann austrickste und den mittlerweile eingewechselten Haller anspielte, der wiederum die Kugel mit der Hacke im Tor versenkte. Es waren die beiden einzigen Chancen der Hessen in diesem Spiel.

Ansonsten war es zwar ein „dramatisches Spiel bis zum Schluss“ (Bobic), doch von einer spielerischen Schlichtheit, die fast schon wehtat. Die Eintracht spielte im Grunde keinen Fußball, sie stand vornehmlich in der eigenen Hälfte und verteidigte. Die Taktik der Eintracht sah über sehr weite Strecken des Spiels so aus: Bälle vorbolzen und auf Abpraller hoffen. So hat das Trainer Kovac natürlich nicht gesagt, man habe mit weiten Schlägen auf die zweiten Bälle gehen wollen, hieß es stattdessen.

Spielerisch war das ein Armutszeugnis. „Fußballerisch ist das zu wenig“, fand auch Hradecky, dazu habe man sich „viel zu passiv“ verhalten, habe ausschließlich reagiert statt agiert. Einen geordneten, irgendwie durchdachten Spielaufbau gab es nicht, auch die Jungs im Mittelfeld – mit Ausnahme von Gacinovic –brachten kein Kombinationsspiel zustande. An Kevin-Prince Boateng lief die Partie komplett vorbei, er fand nie zu seiner gewohnten Form, auch Rebic, in Hamburg noch überragend, lieferte ein schwaches Spiel ab, zudem musste er früh nach der Pause gelb-rot gefährdet ausgetauscht werden.

Schalke 04 - Gegner „mit Top-Qualität“

Dazu kam, dass Haller noch von einer Magen-Darm-Infektion geschwächt war, und in der letzten Viertelstunde im Grunde platt war und kaum noch einen Schritt vor den anderen setzen konnte – obwohl er erst in der 48. Minute eingewechselt wurde. Schließlich wackelte die ansonsten so stabile Hintermannschaft insbesondere in der ersten Halbzeit extrem. Das Fehlen von David Abraham, der wegen seiner in Hamburg erlittenen Wadenblessur bestenfalls „75 Prozent“ seiner Leistungsfähigkeit hätte abrufen können, wie Kovac sagte, fehlte an allen Ecken und Strafräumen.

Klar: Schalke 04 war ein guter Gegner „mit Top-Qualität“ (Kovac), wie allenthalben gelobt wurden. Schalke, die durch Brel Embolo nach 82 Minuten zum Anschlusstreffer kamen, hatte das Spiel fast komplett kontrolliert, hatte fast 60 Prozent Ballbesitz. Und es stimmt auch, dass das Spiel der Eintracht Kräfte raubend ist, was sich am Ende einer englischen Woche durchaus als nachteilig auswirken kann. „Man merkte, der Tank war leer“, sagte Bobic. Aber ein bisschen mehr Fußball, ein bisschen mehr Kombination, ein bisschen mehr Ästhetik hätte es schon sein können. „Die Drecksack-Sachen können wir schon“, sagte Hradecky.

Bei aller berechtigter Kritik an der mageren spielerischen Klasse stehen die Zahlen, und die sind gut: Eintracht Frankfurt hat 26 Punkte aufs Konto gepackt, das ist eine Leistung, die „uns viele Fachleute vor der Saison nicht zugetraut hätten“, sagte Kovac. „Ich bin stolz auf die Jungs.“ Acht Punkte vor heimischem Publikum stehen erstaunlichen 18 in der Fremde entgegen, die Hessen sind nach den Bayern die zweitbeste Auswärtsmannschaft. Auch Fredi Bobic empfindet die Punktausbeute „absolut in Ordnung“.

Dazu kommt, dass die Eintracht mit knapp 50.000 Zuschauern einen neuen Zuschauerrekord für eine Halbserie aufgestellt hat. Vorstand Axel Hellmann ist darüber hinaus zudem mit allen nichtsportlichen Parametern hochzufrieden: Was Merchandising, Hospitality, Sponsoring, Zuschauer angehe, überall herrsche große Nachfrage, überall habe sich die Eintracht verbessert. „Es war eine Vorrunde, wie wir sie noch nie erlebt haben“, freute sich Hellmann: „Der Klub ist auf dem Vormarsch. Wir gehen mit viel Rückenwind in das Jahr 2018.“

Mit der eigenen Stadionregie will Fredi Bobic noch mal ein Wörtchen reden. Die haben nämlich nach einer Viertelstunde eine erste Blitztabelle auf den großen Würfel eingeblendet. Die Eintracht rangierte da auf Platz drei. „Denen muss man die Ohren lang ziehen. Das gehört sich nicht. Hochmut kommt vor dem Fall.“ Und wenn er in der 95. Minute kommt.

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