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Lässt er sich binden? Carlos Zambrano.

Eintracht Frankfurt Carlos Zambrano

Zambrano: "Es gibt Klubs, die zahlen so viel"

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Eintracht-Stopper Carlos Zambrano äußert sich im FR-Interview über frühes Aufstehen, Diätpläne in Peru, zu viele Gegentore und seine Zukunft in Frankfurt.

Eintracht-Verteidiger Carlos Zambrano ist müde, aber bestens gelaunt, als er unter einem großen Sonnenschirm am Pool des Frankfurter Mannschaftshotels Platz nimmt. Der Peruaner lacht viel, er ist gut drauf, froh, wieder im Schoße der Mannschaft zu sein, nachdem er nach seiner Knieoperation für drei Monate auf Eis lag. Natürlich geht es im Gespräch irgendwann um seine Zukunft. Der Vertrag des 25-Jährigen läuft am Saisonende aus. Die Eintracht würde ihn gerne halten, bietet ihm einen Fünfjahresvertrag zu sehr guten Konditionen. Dennoch wird es schwer, den Südamerikaner zum Bleiben zu bewegen. Zambrano ist heiß begehrt. In Osteuropa könnte er deutlich mehr verdienen als in Frankfurt, erst vor Jahresfrist lockte Dynamo Kiew mit einem Jahressalär von 4,5 Millionen Euro. Dem Abwehrspieler geht es vor allem um eine finanzielle Absicherung, in seiner Heimatstadt Lima trägt er die Verantwortung für eine Großfamilie.

Herr Zambrano, wir haben gehört, Sie stehen hier im Trainingslager schon relativ früh auf, weil um sieben Uhr morgens der erste Lauf für Sie auf dem Programm ansteht. Sind Sie müde?
Und wie. Ich habe drei Wecker, die ich mir stelle. Ich drehe mich immer noch mal rum und schlafe fünf Minuten weiter. Um sieben Uhr morgens ist der erste Lauf, 40 Minuten. Stellen Sie sich vor: Da ist es in Deutschland vier Uhr morgens.

Aber sonst wird es Ihnen doch gut tun, wieder im Kreise der Mannschaft zu sein.
Absolut. Ich konnte zweieinhalb Monate wenig machen, jetzt ist es natürlich anstrengend. Aber es tut mir gut. Ich muss ja wieder fit werden, Kondition bekommen. Und dass ich wieder bei der Mannschaft sein kann, ist natürlich wichtig. In der Reha ist man immer alleine. Ich brauche maximal noch ein, zwei Wochen, dann kann ich voll angreifen.

Der Trainer hofft, Sie schon hier in Abu Dhabi wieder ins Mannschaftstraining integrieren zu können.
Ja, vielleicht Montag oder Dienstag. Mal sehen. In ein, zwei Wochen möchte ich wieder zu 100 Prozent mit der Mannschaft trainieren können. Bis dahin muss ich noch vorsichtig sein. Ich muss wieder Vertrauen in mein Knie gewinnen.

Haben Sie noch Schmerzen im Knie?
Nein, Gott sei Dank nicht. Aber mit dem Knie muss man immer vorsichtig sein, das sind schwere Verletzungen.

Hatten Sie schon mal eine Knieverletzung?
Nein, am Knie hatte ich noch nichts. Aber ich hatte mal eine ganz schwere Verletzung an der Hüfte, als ich noch bei St. Pauli war. Da habe ich fast ein Jahr nicht spielen können. Das war eine harte Zeit.

Sie haben Ihre Reha auch in Peru gemacht?
Ja, klar, da habe ich auch etwas gemacht.

Es heißt ja dennoch, Sie seien mit etwas Übergewicht aus dem Urlaub gekommen.
Das stimmt. Das ist immer so bei mir. Normalerweise komme ich mit drei Kilo mehr zurück nach Deutschland, dieses Mal war es ein bisschen mehr.

Sind die Pfunde schon wieder abtrainiert?
Nein, noch nicht, aber das dauert nicht mehr lange.

Essen Sie hier auch weniger?
Ja, ich muss weniger essen hier, das fällt mir schwer. Das ist hart für mich. Ich könnte alle zwei Stunden essen.

Haben Sie einen Ernährungsplan mit in die Ferien mitbekommen?
Ja, doch, habe ich bekommen. Aber in Peru ist es schwer, sich daran zu halten.

Wann werden Sie wieder in der Bundesliga spielen können?
Mal sehen, ich brauche nur Vertrauen, dass mein Knie hält. Dann bin ich gleich wieder voll da.

Haben Sie das erste Spiel in Freiburg noch als Ziel im Kopf oder ist das schon abgeschrieben?
Das ist kompliziert. Ich weiß es nicht, das muss man sehen. Ich bin immer ehrlich zum Trainer: Wenn ich ihm sage, ich fühle mich gut, ich habe keine Angst mehr, ich kann spielen, dann ist das auch so. Wenn nicht, dann nicht. Wenn ich mich selbst belüge, dann helfe ich weder mir noch der Mannschaft. Das bringt ja dann nichts.

Wie war für Sie die Zeit, in der Sie zum Zuschauen verdammt waren?
Ganz schwer. Ich war im Stadion, aber ich mag es nicht, zuzuschauen. Ich wollte da am liebsten aufs Feld laufen und helfen. Das ist für mich ganz hart. Und wenn man dann sieht, dass wir so viele Tore kriegen, dann denkt man: Das gibt es doch nicht. Da will man helfen. Aber das geht natürlich nicht.

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Was denken Sie, was in dieser Saison für die Mannschaft drin ist?
Wir schauen nach oben. Ich hoffe, dass wir in der Rückrunde mehr Punkte holen und weniger Tore bekommen. Ich denke, die Europa League könnte mit ein bisschen Glück ein nicht ganz unrealistisches Ziel sein. Wir sind vier Punkte hinter dem vierten Platz, müssen aber auch nach unten schauen.

Wie will es die Mannschaft schaffen, weniger Tore zu kassieren?
Das geht durch viel Kommunikation und Organisation auf dem Platz. Wenn man viele Tore kassiert, heißt es immer gleich: Oh, die Abwehr ist nicht gut. Aber wir sind eine Mannschaft, da muss jeder seine Aufgaben erfüllen. Das fängt vorne schon an. Aber wir schießen ja auch viele Tore. Das finde ich gut, das ist unser Spiel, das sollten wir beibehalten. Wir haben vor zwei Jahren unter Armin Veh auch extrem offensiv gespielt. Ich hoffe, dass wir weniger Tore bekommen, wenn ich wieder spiele (lacht).

Herr Zambrano, ein Thema können wir natürlich nicht ausklammern, wenn wir...
...ich habe nur darauf gewartet...

...also bleiben Sie in Frankfurt oder werden Sie den Klub verlassen im Sommer?
Ich habe gerade mit meinem Berater Elio Casareto über Whats App kommuniziert. Wenn wir in der nächsten Woche in Frankfurt zurück sind, muss er kommen. Ich spreche hier auch fast jeden Tag mit Bruno (Sportdirektor Hübner; Anm. d.Red.), er weiß, dass ich mich wohl fühle. Er weiß, dass ich hier bleiben möchte. Aber es gibt für mich mehrere Möglichkeiten. Deswegen muss man sehen, wie es weitergeht. Ich würde gerne bleiben.

Aber?
Wenn mein Berater kommt, setzen wir uns zusammen. Und wenn beide Seiten sich einigen, dann wäre ich glücklich. Ich würde am liebsten bleiben.

Also geht es ums Finanzielle.
Es geht auch immer ein bisschen ums Finanzielle, klar.

Da gibt es doch Vereine, bei denen Sie sehr viel mehr verdienen könnten. Dynamo Kiew war doch mal interessiert zum Beispiel.
Es gibt Klubs, die zahlen so viel, das kann man mit Deutschland nicht vergleichen. Wenn ich jemand wäre, der nur aufs Geld schaut, würde ich wahrscheinlich nicht zweimal überlegen.

Wie schnell wollen Sie eine Entscheidung?
So schnell wie möglich. Bis Ende des Monats sind wir hoffentlich weiter.

Also sind Sie mit dem bisherigen Angebot der Eintracht nicht zufrieden?
Dazu möchte ich eigentlich gar nichts sagen. Aber man muss sich bei solch einer Entscheidung einfach hundertprozentig sicher sein.

Gibt es etwas, das Sie noch erreichen wollen in Ihrer Karriere?
Momentan denke ich nur an die Gegenwart, und die heißt Eintracht. Wenn ich hier bleiben und einen Fünfjahresvertrag unterschreiben sollte, dann habe ich ein klares Ziel: längerfristig international mit der Eintracht zu spielen. Wir haben eine gute Mannschaft mit Perspektive, wir können das schaffen.

Interview: Ingo Durstewitz

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