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Braucht eine Schulter zum Anlehnen: Marc Stendera (li.) findet Trost bei Trainer Thomas Schaaf.
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Braucht eine Schulter zum Anlehnen: Marc Stendera (li.) findet Trost bei Trainer Thomas Schaaf.

Eintracht in Bremen

Auf dem Zahnfleisch

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Bei der Eintracht ist die Luft raus. Die Frankfurter sehnen sich nach dem Saisonende.

So wütend und entschlossen, wie Haris Seferovic nach der neuerlichen Pleite in der Fremde zurück in die Kabine gestapft und dann auch noch mit festen Tritt die Tür traktiert hat, so hätte man sich Eintracht Frankfurt gern in den zurückliegenden 90 Minuten gewünscht. Doch dazu war die Mannschaft nicht in der Lage. Es gab auch bei Werder Bremen die mittlerweile übliche Auswärtsniederlage, dieses Mal unterlagen die Frankfurter mit 0:1.

Dass ein eher kurioses Zufallstor durch Davie Selke die Entscheidung brachte, der von seinem Mannschaftskameraden Assani Lukimya angeköpft wurde (66.), passt ins triste Bild: Eintracht Frankfurt ist ziemlich weit unten angekommen. Da geht nicht mehr viel. Die Luft ist raus, mental wie physisch. Diese Mannschaft ist ausgelaugt, ausgepowert, leidenschaftslos, sie sehnt das Saisonende förmlich herbei, lieber heute als morgen.

Drei Spieltage noch bis Ultimo, dann ist der Deckel endlich drauf auf einer Saison, die durchwachsen begann, ein paar aufregende Spiele Mitte der Hinrunde bot und zum Schluss einfach nur noch ärgerlich ist. Eine Saison, der verpassten Gelegenheiten, Missverständnisse, Ungereimtheiten. Und zu allem Überfluss gesellte sich auch noch Tragisches dazu: Sonny Kittel, einst größtes deutsches Talent, zog sich am Samstag ohne Einwirkung des Gegners einen Kreuzbandriss im linken Knie zu. Es ist die vierte schwere Knieverletzung des 22-Jährigen, der mindestens sechs Monate ausfallen wird.

Als die Niederlage dann besiegelt war, stand der Frankfurter Trainer Thomas Schaaf wie angewurzelt, wie versteinert vor seiner Trainerbank, um ihn herum hüpften Bremer Spieler ausgelassen. Sie hatte der 54-Jährige vor der Partie mit Handschlag begrüßt. Der SV Werder, ein Team, das noch in der Hinserie wie ein sicherer Abstiegskandidat aussah, ist gut dabei im Rennen um internationale Plätze. Ausgerechnet im Weserstadion, seinem „Wohnzimmer“, musste Schaaf mit ansehen, wie seine Bremer feiern, weil sie diesen Sieg unbedingt wollten. Und sie hatten ihm, „der Legende“ (Werder-Manager Thomas Eichin), einen warmen Empfang bereitet, „das ist außergewöhnlich“, sagte Schaaf später. Er wurde dann von Ehemaligen wie Torsten Frings noch getröstet.

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Doch ein echter Trost konnte das natürlich nicht sein: Eintracht Frankfurt wird weiterhin durchgereicht. Inzwischen ist auch der 1. FC Köln an den Hessen vorbeigezogen. Das 0:1 von Bremen war in diesem Jahr bereits die siebte Niederlage im achten Auswärtsspiel, seit fünf Spielen wartet die Eintracht auf einen Sieg, seit vier Spielen ist die Eintracht ohne eigenes Tor, 13 Punkte in 14 Spielen haben die Hessen in der Rückrunde gesammelt – das sind die Zahlen eines Abstiegskandidaten. Und genauso tritt Eintracht Frankfurt derzeit auf.

Da ist kaum noch Struktur zu erkennen. Vieles ist auf Zufall abgestimmt, es wird kaum noch Fußball gespielt. Kombinationen über mehrere Stationen oder Spielzüge sind die Ausnahme oder enden spätestens, wenn Nelson Valdez an den Ball kommt. „Viele Fehlpässe“ registrierte auch Linksverteidiger Bastian Oczipka, dazu kamen Hektik, Fouls und die traditionelle „schwache Phase“ in der zweiten Halbzeit. Die Hessen sind der Klub, der nach der Pause ligaweit die meisten Gegentore kassiert, nämlich 37.

Der einzige, der sich um einen geordneten Spielaufbau bemüht, ist Makoto Hasebe. Er ist derjenige, der versteht, wie das Spiel funktioniert, der es in die richtigen Bahnen zu lenken versucht. Doch ihm fehlen die Spielpartner.

Natürlich, und das ist ja auch nicht zu übersehen, ist der Ausfall von Alexander Meier nicht im Entferntesten zu kompensieren. Seine Tore, seine Präsenz fehlen ganz erheblich. Seit Meier nicht mehr spielt, trifft keiner mehr bei der Eintracht. Ohne Meier klappt überhaupt nichts mehr. Man stelle sich nur mal vor, Meier hätte sich diese Möglichkeit geboten, die Takashi Inui (62.) hatte, allein vor dem Tor, halblinke Position. Es wäre ein sicheres Tor geworden. Inui allerdings brachte nur eine bessere Rückgabe zustande.

Meier fehlt an allen Ecken und Enden

Jeder weiß, wo Eintracht Frankfurt ohne die 19 Tore des Alex Meier stünde. Es ist übrigens derselbe Meier, den Trainer Thomas Schaaf zu Beginn der Saison nicht aufstellte und über den Manager Bruno Hübner noch Mitte Februar nach der 1:3-Niederlage gegen Mainz 05 lästerte: „Wir wissen ja, wenn Alex nicht trifft, ist er eher unauffällig. Diese Kröte müssen wir schlucken.“

Wenn dann auch noch Stefan Aigner ausfällt, die zweite torgefährliche Offensivkraft, dann ist der Sturm ein laues Lüftchen. Zumal Haris Seferovic zwar weiterhin viel unterwegs ist, sich inzwischen auch heillos verzettelt und zunehmend ungeordneter auftritt. Natürlich hat der überraschend für die Startelf nominierte Marco Russ Recht, wenn er sagt: „Uns fehlt momentan die Wucht, die uns früher ausgezeichnet hat.“ Da hatte Frankfurter Offensivstärke die vielen Schwächen in der Defensive wenigstens noch halbwegs ausgeglichen. Jetzt geht vorne nichts mehr, aber hinten klingelt es weiterhin, 60 Gegentore sind es inzwischen, zwei pro Spiel.

Und ob Stefan Aigner, dessen „Aggressivität und Laufbereitschaft uns weiterhelfen würde“ (Russ), bis zum nächsten Spiel am Samstag gegen die TSG Hoffenheim wieder einsatzfähig ist, ist weiterhin offen. Der Rechtsaußen laboriert an muskulären Probleme im Oberschenkel, dazu hat sich ein Nerv entzündet.

Drei Spiele sind es noch, dann ist es geschafft.

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