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Xavis Verdienst

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Von: Daniel Schmitt

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Der Maestro an der Seitenlinie: Ikone Xavi führt Barcelona wieder nach oben.
Der Maestro an der Seitenlinie: Ikone Xavi führt Barcelona wieder nach oben. © AFP

Die Klub-Ikone hat nie das Rampenlicht gesucht. Es suchte ihn. Jetzt hat er den FC Barcelona wieder nach oben geführt – er hat sich dafür verändern müssen.

Xavier Hernandez Creus, kurz Xavi, war schon immer ein Anführer. Einer, der Fußball mit dem Auge spielte, der erst seine Mitspieler des FC Barcelona und der spanischen Nationalelf gut aussehen ließ, ehe er sich um sich selbst kümmerte, der der Mittelpunkt des Guardiolaschen Prachtspiels wurde, ohne der Mittelpunkt sein zu wollen. Einer, der auf dem Rasen voranging, als Metronom des schönen Spiels, auch in der Kabine, als in sich ruhender und klarer Kommunikator, der ansonsten aber gerne anderen den Vortritt ließ, Interviews missfielen ihm, das sollten die Messis, Piqués, Ramos’ dieser Welt erledigen. Xavi suchte nie das Rampenlicht. Es suchte ihn.

Heute, sieben Jahre nach dem letzten Abschied aus Barcelona und vor dem Europa-League-Viertelfinale bei Eintracht Frankfurt, tritt Xavi anders auf, immer noch sympathisch uneitel in diesem Business voller eitler Gockel, aber doch deutlich lauter. Er, 42, ist jetzt auch offiziell der Chef, der Trainer einer der größten Fußballvereine der Welt.

Wie er kürzlich nach dem 4:0 gegen Real Madrid seine Spieler in der Kabine empfing, schreiend, jeden umarmend, immer wieder. Da weiß einer, was so ein Clasico-Triumph bedeutet. Oder am Sonntag, der Kreissägenjubel à la Jürgen Klopp nach dem Siegtor gegen Sevilla - Xavi hat sich gewandelt, weil er sich wandeln musste.

Dabei ist er ja noch ein unerfahrener Trainer, die Vorbehalte bei seiner Verpflichtung im November waren vorhanden. Nicht jeder große Spieler ist automatisch ein großer Trainer. Zumal Xavi nur in Katar üben durfte, bei Al-Sadd. Der Erfolg, den durchschnittlichen Klub binnen zwei Spielzeiten zum besten Team der Liga zu coachen, ist in der öffentlichen Wahrnehmung keiner.

Xavi, sagt er, „leidet“, wenn seine Mannschaften den Ball nicht haben, er sei davon „besessen“ ihn zu besitzen - nur logisch also: Der „Tikitator“ („11 Freunde“) drehte bei seiner Rückkehr nach Katalonien sofort die Zeit zurück. Hatte Barca zuvor unter den Trainern Koeman, Setien oder Valverde oft genug weniger Ballbesitz als die Gegner, selbst als Messi noch da war, ist dieser Wert binnen weniger Monate wieder gestiegen. 60, 65, 70 Prozent Spielanteile, im Idealfall tief in des Gegners Hälfte, drunter geht es für Xavi nicht. Und geht die Kugel doch verloren, soll sie sofort zurückerobert werden - klassische Guardiola-Elemente.

Die größte Trainerleistung Xavis in Barcelona aber ist bisher eine andere: Zu erkennen, dass allein Ballbesitz nicht reichen wird, dass der liebgewonnenen Tradition auch ein ordentlicher Schuss Moderne beigemischt werden muss. Bewusst zieht sich das Team in manch Phasen des Spiels zurück. Gegner locken, kontern, knipsen. Der Barca-Kader ist gut, aber eben (noch) keine Weltklasse. Mega-Talente, vor allem Pedri, liefern ab, werden aber noch Rückschläge einstecken müssen. Daran gilt es zu wachsen, als Team, als Einzelspieler, als Trainer. Barcelona und Xavi sind auf einem guten Weg, längst aber noch nicht dort angekommen, wo sie sein wollen: an der Spitze von Spanien und Europa. Im Rampenlicht. Sie suchen es noch.

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