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Wundersame Wandlungen bei Eintracht Frankfurt

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Von: Daniel Schmitt

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Zu richtigen Zeit am richtigen Ort: Ansgar Knauff jubelt ausgelassen.
Zu richtigen Zeit am richtigen Ort: Ansgar Knauff jubelt ausgelassen. © AFP

Knauff und Kamada sind wieder die Sieggaranten der Hessen - ihr Trainer Oliver Glasner kann’s kaum glauben.

In der verbalen Nachlese dieser erneut äußerst emotional aufgeladenen Europa-League-Partie, des Halbfinalhinspiels der Frankfurter Eintracht bei West Ham United musste Oliver Glasner, der mit einem 2:1 erfolgreiche Trainer der hessischen Fußballer, kräftig schmunzeln. Dieser Junge, Ansgar Knauff, erneut treffsicher per Kopf, nicht mal eine volle Minute war da gespielt im London Stadium - das konnte Glasner nun wahrlich kaum glauben. Er blickte dann auf dem Pressepodium zu seinem Sitznachbarn rüber, nickte Torwart Kevin Trapp zu, lächelte, nickte erneut, ganz so, als wolle er sich lieber noch mal versichern, ob das wirklich passiert war.

Normalerweise nämlich, erläuterte Glasner, mache Knauff mit dem Kopf so gut wie nie ein Tor. Im Training, häufig zum Abschluss der Übungseinheiten, werden bei der Eintracht regelmäßig noch Flanken in die Mitte geschlagen. Dann wird die Truppe in zwei Teams geteilt, jene mit den meisten Torerfolgen gewinnt. „Und wenn Ansgar trifft, gibt’s Extrapunkte“, scherzte Glasner. Kommt selten genug vor.

Ansgar Knauff ist wahrlich nicht das, was in der Fußballersprache als Kopfballungeheuer bezeichnet werden würde. Der schmächtige Bursche, 1,80 Meter, 73 Kilo, besticht mehr durch Sprintstärke denn durch Sprungkraft. Bei Eckbällen der eigenen Elf muss er häufig mögliche Konter des Gegners absichern.

In Ostlondon aber machte er sich den Moment der Überrumpelung zu eigen, stürmte gleich in die erste Frankfurter Flanke des Spiels hinein, willensstark, zielstrebig, schneller als sein Gegenspieler, schob sich vor ihn, blieb konzentriert und köpfte ein. Ein perfekter Start ins Spiel, den Trainer Glasner ziemlich überschwänglich kommentierte: „Ich bin schwer beeindruckt davon, wie wir aus der Kabine kommen. Der Mut der Jungs macht mich stolz.“ Bereits im Viertelfinalrückspiel in Barcelona hatte die Eintracht nach vier Minuten durch Filip Kostic die Führung erzielt.

Starke Kamada-Statistiken

Später in der Begegnung schlug dann noch Daichi Kamada für die Eintracht zu. Sein Treffer zum 2:1 (54.) war kein komplizierter für den japanischen Internationalen, er musste den Ball aus wenigen Metern nur noch ins leere Tor schieben, aber er war eben doch Ausdruck dessen, was Kamada für die Eintracht ist: Mister Europacup.

Ertönt die internationale Hymne, verwandelt sich der Bundesliga-Kamada in den Euro-Daichi. Fünf Treffer in elf Spielen sind dem 25-Jährigen bereits in dieser Europa-League-Runde gelungen, dagegen nur vier in 29 Ligaeinsätzen. Insgesamt kommt der Spielmacher auf 14 Scorerpunkte (elf Tore, drei Assists) in 21 Spielen in Europas zweitbestem Klubwettbewerb.

Für Ansgar Knauff muss es sich derweil anfühlen, als verharre er aktuell in einem langen Traum. Hatte er in der Hinserie meist noch in Deutschlands dritter Liga für die Dortmunder Reserve gekickt und einzig einmal gegen den SC Verl getroffen, stehen kaum vier Monate später bereits drei Tore im Eintracht-Dress für ihn in der Statistik - und was für welche. Den Anfang machte er - Achtung, Achtung - mit einem Kopfballtor in Berlin, gegen Barca traf er mit einem Volleyhammer in den Winkel, und jetzt das: Die Flanke sei perfekt gekommen und er einfach eilig der Kugel entgegengelaufen, analysierte Knauff das 1:0, „das Tor hat uns sehr gepusht.“

Beim BVB werden sie sich verwundert die Augen reiben über die Wandlung ihres in der eigenen Jugend ausgebildeten Außenbahnläufers. Selbstverständlich, um das Talent von Ansgar Knauff wussten und wissen sie in Dortmund, mit einer derart schnellen Weiterentwicklung des 20-Jährigen aber werden sie eher nicht gerechnet haben. Wenngleich Glasner mahnend den Finger hebt über den ausgeliehenen Winterglücksgriff: „Ansgar ist auf einem guten Weg, hat aber auch noch viel zu verbessern.“ Unter anderem, auch wenn es seltsam klingen mag: sein Kopfballspiel.

Völlig losgelöst: Daichi Kamada nach seinem Siegtreffer in London.
Völlig losgelöst: Daichi Kamada nach seinem Siegtreffer in London. © AFP

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