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Alexander Meier geht gelassen mit dem Hype um seine Person um: „Es muss keiner Angst haben, dass ich abhebe oder durchdrehe.“
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Alexander Meier geht gelassen mit dem Hype um seine Person um: „Es muss keiner Angst haben, dass ich abhebe oder durchdrehe.“

Interview Alex Meier

„Würde ich Parolen schwingen, wäre ich unglaubwürdig“

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Eintracht-Kapitän Alexander Meier über seinen Führungsstil, den Status als verehrter Fußballheld, die Schaffenskrise des Bundesligisten und weshalb er nichts von Selfies hält.

Alexander Meier gehört mittlerweile zu Frankfurt wie der Handkäs und der Ebbelwei. Und zur Eintracht wie Oka Nikolov oder Bernd Hölzenbein. Der Torschützenkönig, 32 Jahre alt, kommt aus dem hohen Norden, aus Buchholz in der Nordheide, doch die kleine Metropole am Main zählt für den in den Rang des „Fußballgotts“ aufgestiegenen Mittelfeldspieler längst zu seiner Heimat. Meier hat in den vergangenen vier Spielzeiten und den fünf Partien in dieser Saison sage und schreibe 64 Tore erzielt – in 116 Begegnungen. Das ist eine beeindruckende Bilanz. Und doch lässt sich der bescheidene Meier nie auf einen Sockel heben oder muss irgendwie wieder von Wolke sieben heruntergepflückt werden. „Ich bin schon geerdet“, sagt er im FR-Interview. Den Hype um seine Person erträgt er mit erstaunlicher Nonchalance.

Herr Meier, die Mannschaft hat nun, am Sonntag und Montag, zwei freie Tage für sich verbuchen können. In der vergangenen Woche hat Trainer Armin Veh die Freizeit gestrichen. Das war eine Reaktion auf die schwache Leistung in Ingolstadt. Hat man als Spieler für eine solche Maßnahme Verständnis?
Absolut. Ich denke, es war in Ordnung, dass er den freien Tag gestrichen hat. Das war ja auch eine Art Denkanstoß. Das war angebracht. Das kam nicht negativ an.

Merkt man als Spieler sofort, dass so ein Spiel wie jenes in Ingolstadt schlecht und aus dem Ruder läuft?
Das spürt man schon während des Spiels. Wobei ich bei meiner Meinung bleibe: Die erste Halbzeit war nicht gut, aber noch halbwegs okay. Da haben wir wenigstens nichts zugelassen. Im zweiten Abschnitt haben wir sehr schlecht angefangen, da hätten wir schon früher in Rückstand liegen können. Es war klar: Wer das erste Tor schießt, der gewinnt auch.

Wie kommt denn so eine Leistung zustande, nachdem der Trainer vorher explizit auf die besondere Bedeutung hingewiesen hatte?
Es lässt sich ja leicht sagen: Es war ein gebrauchter Tag oder so. Jeder wusste, worum es geht. Aber wir haben es nicht hinbekommen, dagegenzuhalten. Dabei war klar, dass wir mit Schönspielerei solche Spiele nicht gewinnen: Kleines Stadion, Aufsteiger, ein Gegner, der über den Kampf kommt. Das ist 90 Minuten Kampf. Da haben wir versagt. Dass wir ein schlechtes Spiel machen, das kann immer mal passieren. Aber dass wir nicht dagegenhalten, quasi ohne Gegenwehr auftreten und eine schlechte Einstellung haben, das ist uns vorzuwerfen.

Das war ja fast so wie in Paderborn vor einem Jahr. Damals hätte die Eintracht ebenfalls einen ganz schönen Satz nach vorne machen können – prompt ging es in die Hose.
So ist es. Paderborn war genau dasselbe Spiel. Da haben wir sogar glücklich 1:0 geführt, aber sind dann unter die Räder gekommen. Das kann man manchmal nicht erklären.

Der Trainer sagte, es sei womöglich auch eine Frage der Mentalität. Und: Sehen Sie eine Parallele zur vergangenen Saison, als das Team gerade in Auswärtsspielen häufiger mal wegbrach?
Die Mentalität der Mannschaft ist sehr gut. Also von den Charakteren her muss sich keiner Sorgen machen, dass da irgendwas nicht stimmt. Das passt alles. Mit der letzten Saison hat das nichts zu tun. Wir haben in dieser Runde schon richtig gute Auswärtsspiele gemacht. In der letzten Saison haben wir auswärts meistens nicht so gut ausgesehen. Jetzt haben wir in Hamburg und auf Schalke gute Spiele gemacht, nicht über 90 Minuten, aber jeweils über 45. Aber leider stimmt die Punktausbeute nicht. Deshalb wirkt die ganze Saison bis jetzt ein bisschen schlechter, als sie vielleicht wirklich ist. Aber ich würde nicht sagen, dass bei uns etwas grundsätzlich großartig schiefläuft. Die Art, wie wir die letzten anderthalb Spiele aufgetreten sind, war nicht in Ordnung. Das ist so. Aber deshalb muss man nicht alles in Frage stellen.

Spüren Sie, dass da in den letzten 135 Minuten viel Kredit verspielt wurde und eine unterschwellige Unzufriedenheit im Umfeld herrscht?
Das ist ja immer so. Wenn wir schlecht gespielt und trotzdem gewonnen hätten, wäre es okay gewesen. Das ist so heutzutage: Heute ist es top, morgen Flop. Wenn wir die zwei Punkte aus dem Berlin-Spiel mehr hätten, wäre alles etwas ruhiger. Aber ich sage es immer wieder, auch wenn es sich vielleicht doof anhört: Man steht in der Tabelle zu Recht da, wo man steht. Das ist ein Spiegelbild der Leistung. Wir stehen nicht zu Unrecht auf Platz zwölf.

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Sie haben ohnehin gesagt, dass es ziemlich gut laufen müsste, wenn die Eintracht oben reinrutschen will.
Klar, dazu stehe ich auch, und das habe ich auch vor der Saison schon gesagt. Wenn wir eine richtig gute Saison spielen, eine Top-Saison, dann können wir oben mitspielen, aber wenn man eine schlechtere Saison spielt, kann es auch Abstiegskampf werden. Das muss man wissen. Jetzt vom Abstiegskampf zu reden, wäre einfach viel zu früh. Ich meine das generell.

Also entscheiden Kleinigkeiten, ob man einen guten Lauf hat oder nicht. Ob man Verletzte hat oder nicht. So in etwa?
Ja, die Bundesliga ist so ausgeglichen. Außer Bayern oder Dortmund schlägt jeder jeden. Wenn man einen Lauf oder einen Antilauf hat, kann es in die entsprechende Richtung gehen.

Wie gehen Sie persönlich jetzt mit so einer Situation um? Sie sind seit dieser Saison Kapitän, steht man da besonders in der Pflicht?
Nein, von außen heißt es immer: Jetzt ist der Kapitän gefordert oder so. Aber ich denke, ich habe meine Meinung immer gesagt, und das werde ich natürlich weiterhin so halten. Aber ich werde nie einer sein, der jetzt die großen Parolen schwingt. Dann wäre ich unglaubwürdig. Wenn ich mich verändern würde und nicht mehr Ich wäre, würden mich die Spieler gar nicht mehr ernst nehmen. Jeder Mensch ist, wie er ist.

Also lässt es die Mannschaft dann einfach laufen?
Das war so nicht gemeint. Es gibt immer einen Stamm an Spielern, die lange dabei sind, die schon auf das große Ganze aufpassen. Letztes Jahr waren das Kevin Trapp, Marco Russ und ich. Jetzt ist Stefan Reinartz dazugekommen. Er ist ein super Spieler, ein ganz wichtiger Spieler, der Champions League gespielt hat und uns mit seiner Erfahrung weiterhelfen kann. Was ich damit sagen will: Es hängt nie an einem Spieler. Und eine solche Achse hatten wir eigentlich immer.

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Hat sich für Sie etwas geändert als Kapitän?
Ich bin ja noch nicht so lange dabei, war lange in der Reha. Aber viel hat sich nicht geändert.

Wie kann man denn einem Spieler wie etwa Makoto Hasebe helfen, der ja seine Form einfach nicht findet?
Ich denke, jeder Spieler hat eine gute und eine schlechte Phase in der Saison. Dazu sind ja auch die anderen Spieler da, um das aufzufangen und ihm zu helfen. Also die ganze Mannschaft spielt nicht schlecht, weil Spieler X oder Y einen schlechten Tag hat. Das geht nicht.

Mit dem Abstand von ein paar Wochen: Wie nehmen Sie den Hype um Ihre Rückkehr im Spiel gegen Köln wahr?
Für mich war wichtig, dass mein Knie gehalten hat. Dass wir das Spiel gewonnen haben und ich drei Tore gemacht habe, war natürlich auch super. Aber ich habe ja schon direkt danach gesagt, dass nach so einer langen Verletzungspause auch mal schlechte Spiele kommen werden. Das ist bei jedem Spieler so. Am Anfang spielt da noch die Euphorie mit. Aber dass da ein kleiner Einbruch kommen kann, das war für mich keine Überraschung.

Der Trainer lobte Sie, weil Sie sich in keiner Trainingseinheit schonen und sich keine Pause nehmen.
Ich weiß, wie wichtig die Fitness ist. Mein Knie ist gut. In den ersten Wochen musste ich noch immer ein bisschen Rücksicht nehmen, weil ich einen Monat früher als ursprünglich geplant zurück war. Aber jetzt ist alles gut, und da gibt es für mich keinen Grund, nicht jeden Tag zu trainieren.

Wie steckt man einen solchen Rummel um die eigene Person überhaupt weg? Fußballgott, Torschützenkönig, Ikone. Immer mehr Experten, wie jetzt Jens Lehmann, wollen Sie auf Ihre „alten“ Tage noch in die Nationalmannschaft hieven. Hat man überhaupt die Zeit, das zu reflektieren?
Torschützenkönig zu werden, war natürlich etwas Besonderes. Und dass man etwas mehr Aufmerksamkeit bekommt, wenn man nach einer langen Verletzung mit drei Toren zurückkommt, ist auch normal, denke ich. Aber davon kann ich mir auch nix mehr kaufen, das ist schon wieder vorbei. Ich bin relativ geerdet. Ich weiß das alles einzuschätzen. Ich weiß auch, wann ich gut oder schlecht gespielt habe. Es muss keiner Angst haben, dass ich abhebe oder durchdrehe.

Armin Veh ist als Trainer zurückgekehrt. Sie sagten einmal, er habe den größten Anteil an Ihrer Entwicklung.
Das ist so. Im Aufstiegsjahr hat er mich zum Kapitän gemacht, als Pirmin Schwegler verletzt war. Und ich habe unter ihm angefangen, mehr Tore zu schießen. Ich weiß, was ich ihm zu verdanken habe. Auch für die Eintracht ist er ein Glücksfall. Sehen Sie nur mal, was er in den drei Jahren hier bewegt hat und was wir erreicht haben. Gerade kann ich mir keinen Besseren vorstellen.

Aber es gibt schon wieder Stimmen, die ihn kritisch sehen.
Ach ja. Dann gewinnen wir zweimal, dann sind wir wieder kurz vor Europa und er ist der beste Mann. Das geht doch heute alles so schnell durch das Internet und alles. Eine normale Nachricht interessiert ja nicht mehr, es muss immer was Besonderes drinstehen. Man muss das alles richtig einschätzen können.

Sie sind in den sozialen Netzwerken ja gar nicht so aktiv. Weshalb?
Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich sehe halt wenig Sinn darin, dass ich ein Foto von mir mache, wenn ich beim Abendessen sitze. Ich weiß auch gar nicht, wen das wirklich interessieren sollte. Aber gut.

Schauen Sie selbst im Internet irgendwo rein?
Nee, eigentlich nicht. Nur die Frankfurter Rundschau lese ich jeden Tag (lacht).

Interview: Ingo Durstewitz

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