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Ausgebremst für die wichtigen Spiele im Endspurt: Ante Rebic (am Boden) braucht Hilfe.

Eintracht Frankfurt

Die Wucht ist raus

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Ausgerechnet ohne Tempomacher Ante Rebic geht Eintracht Frankfurt in die entscheidenden Spiele.

Der wochenlange, verletzungsbedingte Ausfall des Stürmers Ante Rebic trifft Eintracht Frankfurt ins Mark. Bis zu vier Wochen wird der Kroate wegen eines Muskelfaserrisses in der Wade ausfallen, natürlich steht er auch im Halbfinale Mitte April auf Schalke nicht zur Verfügung, frühestens im Spiel gegen den FC Bayern München (28. April) ist mit einer Rückkehr zu rechnen. Gerade in der heißen Phase zum Ende der Saison, in der es sich entscheidet, ob die Saison eine sehr gute werden wird oder nicht, ist die Absenz des wuchtigen Angreifers eine enorme Schwächung für Eintracht Frankfurt.

Im Grunde zählt Rebic tatsächlich zu den zwei, drei Spielern im Team, die eigentlich nicht zu ersetzen sind, von ähnlicher Bedeutung sind allenfalls noch Kevin-Prince Boateng als Chef oder Torwart Lukas Hradecky (das Spiel in Bremen ausgenommen). Mit Ante Rebic spielt die Eintracht auf einem anderen Level. Ohne ihn ist die Statik im Frankfurter Spiel eine andere, vor allem fehlt es dann an einem: Durchschlagskraft. Und: Es ist im Endspurt der dritte Ausfall einer Stammkraft - nach Omar Mascarell (Haarriss) und Carlos Salcedo (Schlüsselbeinbruch).

Torflaute ohne Rebic

In dieser Saison hat der nicht immer leicht zu führende Rebic 24 (von 28 möglichen Spielen) absolviert, sechs Tore erzielt und drei aufgelegt. In den vier Partien, in denen er nicht auf dem Feld stand, hat die Eintracht nicht gewinnen können. An den ersten beiden Spieltagen der Hinrunde (gegen Freiburg 0:0, Wolfsburg 0:1) gehörte er noch nicht zum Kader der Hessen, dann fehlte er wegen einer Grippe im Rückspiel gegen Freiburg (1:1) und setzte in Augsburg (0:3) wegen der fünften Gelben Karte aus. In den vier Partien schossen die Kollegen ohne ihn auch lediglich ein Tor.

Mit Rebic spielt Eintracht Frankfurt einen anderen Fußball. Er ist das Überraschungsmoment im Spiel, das oft geprägt ist, durch lange, sichere Ballpassagen. Die Post geht aber erst ab, wenn Rebic über links ins Spiel kommt. Dann nimmt der 24-Jährige Fahrt auf, umdribbelt einen Gegenspieler und marschiert nach vorne. Mit ihm ist ein anders Tempo im Spiel, von ihm geht stets eine latente Gefahr aus, weil er unberechenbar ist und unkonventionell spielt. Vermutlich weiß er oft selbst nicht, was er als nächstes tut. „Es ist gut, einen wie Ante Rebic in seiner Mannschaft zu haben“, hat Trainer Niko Kovac seinen nicht leicht zu zähmenden Landsmann umschrieben. „Für den Gegner ist es immer schwer, gegen ihn zu spielen.“ 

Vor allem seine unglaubliche körperliche Präsenz ist das Pfund, mit dem er wuchert. Dazu ist er aggressiv, dynamisch, ein Schrank von einem Kerl, der seinen kantigen Körper im Zweikampf einzusetzen weiß. Diese Galligkeit und Zielstrebigkeit fehlt der Eintracht jetzt. Und auch wenn Ante Rebic nicht immer alles gelingt, weil er manchmal auch schludrig zu Werke geht, so hat man bei ihm stets das Gefühl, es könnte etwas passieren. Umso bitterer, dass Rebic ausgerechnet jetzt vor dem für Europa so entscheidenden Spiel gegen die TSG Hoffenheim ausfällt. 

Nach dieser Partie dürfte man in etwa wissen, wohin die Reise der Eintracht geht, mit einem Sieg hätten die Frankfurter sechs Punkte Vorsprung auf den Tabellensiebten aus dem Kraichgau, bei einer Niederlage wären die Hoffenheimer vorbeigezogen. Die Eintracht sollte tunlichst vermeiden, dieses Spiel zu verlieren, selbst mit einem Remis könnte man leben. Womöglich aber funktioniert am Sonntag der bisherige Automatismus: Auf jede Niederlage folgte prompt ein Sieg. 

Blum als Alternative?

Die große Frage wird jedoch sein: Wie ersetzt Kovac seinen eigentlich kaum zu ersetzenden Stürmer? Einen ähnlich wuchtigen Typen hat die Eintracht trotz des großen Kaders nicht in ihren Reihen. Eins-zu-eins ist der kroatische Nationalspieler nicht zu ersetzen, weder Marco Fabian, der in Bremen für ihn eingewechselt wurde, noch Mijat Gacinovic, Aymen Barkok oder Danny Blum kommen seiner Spielart nahe, immerhin hat Blum wenigstens das Tempo. Theoretisch denkbar ist, dass Sebastien Haller, der Torjäger außer Dienst, ins Team rückt; allerdings wären sich er und Luka Jovic, der ihm den Rang ablaufen hat, zu ähnlich in der Spielanlage. Beide sind von Haus aus Mittelstürmer. Außerdem müsste dann Jovic auf den Flügel ausweichen, was ihm einen Gutteil seiner Torgefahr nehmen würde. Branimir Hrgota ist auch keine wirklich Option, der Schwede hat in der ganzen Saison bislang nur 130 Minuten gespielt, zuletzt Mitte Januar im ersten Rückrundenspiel gegen Freiburg (als Rebic fehlte). In den letzten acht Spielen schaffte er es nicht einmal in den Kader. 

Die wahrscheinlichste Variante dürfte jene mit Marco Fabian sein. Der Mexikaner  hat in Bremen nach seiner Einwechselung ganz ordentlich gespielt, bei zwei, drei Pässen in die Spitze blitzte altes Können auf. Er ist aber kein gelernter Linksaußen, auch er bringt keine besondere Dynamik auf den Flügel. Gerade gegen die früh angreifenden Hoffenheimer wäre Tempo ein probates Mittel. Denkbar wäre, Marius Wolf, die Allzweckwaffe, weiter vorne und links einzusetzen. Er immerhin verfügt über den entsprechenden Antritt und auch über den erforderlichen Zug zum Tor. Aber kann er diese Position just in diesem wichtigen Spiel?
Niko Kovac wird improvisieren müssen, wie er das oft machen musste, auch mit einigem Erfolg. Er wird genau analysieren, wird sich mit seinen Co-Trainern besprechen und seinem Bauchgefühl eine Chance geben. Ob es die richtige Lösung war, wird man am Sonntag wissen, so kurz vor 20 Uhr. 

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