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Der schnellste Treffer seiner Karriere: In Augsburg traf der Frankfurter Jonathan de Guzman (links) nach nur 52 Sekunden zum 1:0.

Jonathan de Guzman

Der Wortführer

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Jonathan de Guzman erzielt bei der Eintracht nicht nur das eine oder andere Tor, er ist auch innerhalb des Teamgefüges aufgestiegen.

So ein bisschen ist er während seiner Karriere ja immer einer gewesen, der nicht richtig angekommen ist. Ein Spieler, der ganz gut kicken kann, der in seiner Laufbahn auch viel gesehen hat, der aber nie wirklich über Jahre eine tragende Säule einer Mannschaft war. Ähnlich begann für Jonathan de Guzman, den 31-jährigen Niederländer mit kanadischen Wurzeln, auch die Zeit bei Eintracht Frankfurt, seinem neunten Verein im Profifußball. 

In seiner ersten Saison, der vergangenen, durfte er zwar sofort ran, wirklich überzeugend waren die ersten Auftritte im Adler-Dress aber nicht. Irgendwie behäbig, zu langsam auf den Beinen und im Kopf, dazu fehlerhaft im Passspiel. Selbst die so hochgepriesenen Standards segelten zu ungenau vors Tor. Als es dann vor einem knappen Jahr während eines Testspiels im November gegen den Zweitligisten SV Sandhausen auch noch gewaltig in der Schulter des zentralen Mittelfeldmannes krachte, das Eckgelenk brach und eine Operation unabdingbar war, bestand die Gefahr für den erfahrenen Profi, der vorher bereits in Holland, Spanien, England und Italien unter Vertrag gestanden hatte, ein bisschen in Vergessenheit zu geraten. 

Doch Jonathan de Guzman, den alle Welt nur Johnny nennt, hat sich davon nicht beeindrucken lassen. Zwölf Monate später ist er wichtiger denn je, er ist der Spielmacher von Eintracht Frankfurt, dem Tabellendritten der Bundesliga. Und neuerdings ist er auch noch ein Torjäger. In Augsburg vollstreckte der Mann mit der Nummer 31 auf dem Rücken eiskalt mit seinem starken rechten Fuß ins lange Eck zur 1:0-Führung der Hessen - nach nur 52 Sekunden, es war der früheste Treffer seines Lebens, wie de Guzman später berichtete. „Jeder ist glücklich, ich natürlich auch nach meinem Tor in Augsburg. Toreschießen ist ein Genuss.“ 

Es war sein zweiter Ligatreffer in dieser Saison, dazu steuerte er drei Vorlagen bei. Hinzu kommen zwei weitere Zuarbeiten zu Toren in der Europa League - das sind sicher keine herausragenden Werte, aber doch ziemlich ordentliche. Vor allem wenn man die Rolle des 14-fachen niederländischen Nationalspielers im System von Eintracht-Trainer Adi Hütter bedenkt.

Denn de Guzman ist ein Spieler, der eher vor der eigenen Abwehr denn hinter den Spitzen agieren muss. An der Seite von Abräumer Gelson Fernandes soll er der Mann sein, der die klugen Ideen im Aufbauspiel hat. Er ist aber gleichzeitig auch der Mann, der viele Löcher zulaufen muss, da das so gefürchtete Angriffstrio Ante Rebic, Luka Jovic und Sebastien Haller in der Rückwärtsbewegung doch den einen oder anderen Schritt auslässt. Kurzum: Jonathan de Guzman hat viel zu tun. „Das Team ist wie eine Familie, wir genießen es, zusammenzuarbeiten“, sagt er, „der Geist in der Mannschaft ist unglaublich.“

Das liegt nicht zuletzt auch an de Guzman selbst. Trainer Hütter wies ihm in den ersten Begegnungen der Saison zwar einen Bankplatz zu - erst nach der Systemumstellung von Vierer- auf Dreierkette, die eine Position mehr im Mittelfeld ergab, rutschte de Guzman in die erste Elf. Dennoch ist der 31-Jährige mittlerweile zum Wortführer aufgestiegen. 

Nahmen in der vergangenen Saison in der Kabine und auf dem Platz vor allem Persönlichkeiten wie Kevin-Prince Boateng oder Torhüter Lukas Hradecky wichtige Führungsrollen innerhalb des Mannschaftsgefüges ein, ist es nun mitunter de Guzman der auffällig viel redet. In Augsburg etwa, da schrie er nach einer knappen Stunde derart laut über den Rasen, dass das selbst weit, weit oben auf der Tribüne noch bestens zu verstehen war.

Oder in der Halbzeitpause des Europa-League-Heimspiels gegen Lazio Rom. Da zeigten die von der Eintracht produzierten und bei RTL Nitro ausgestrahlten TV-Bilder, dass nicht etwa Trainer Hütter die ersten Worte an seine Schützlinge richtete, sondern de Guzman in Englisch eindringlich auf seinen Kollegen einwirkte, den 2:1-Vorsprung in Überzahl ja nicht leichtfertig aus der Hand zu geben und das Spiel weiter fokussiert anzugehen, um sich den Sieg  nicht mehr nehmen zu lassen.

Indizien dafür, dass die Stimme des guten Technikers gewichtiger geworden ist, gehört wird. De Guzman selbst drückt das so aus: „Ich sehe meine Rolle darin, den anderen Anweisungen zu geben, vor allem den jungen Spielern zu helfen.“

Eine dieser Anweisungen ist auch jene, die gute Ausgangsposition, die sich die Frankfurter in der Europa League und der Bundesliga erarbeitet haben, mit allen Mitteln zu verteidigen: „Wir haben die vergangenen Wochen sehr gut gespielt. Jetzt müssen wir hungrig sein. Wenn wir weiter so motiviert sind, können wir noch viel mehr erreichen.“

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