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Jonathan de Guzman vor dem Torschuss zum 0:1.

Wolfsburg - Eintracht

Eintracht Frankfurt verpasst eine Chance gegen Wolfsburg

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Eintracht Frankfurt spielt nicht besonders gut, liegt kurz vor Schluss aber in Führung und muss sich doch mit einem 1:1 in Wolfsburg begnügen.

Die Frankfurter Eintracht hat eine große Chance vertan, ihrem Traumziel Champions League einen gewaltigen Schritt näher zu kommen. Bis zur 90. Minute nämlich führten die Hessen am Ostermontag beim VfL Wolfsburg mit 1:0, ehe Verteidiger Anthony Brooks einen Konter der Gastgeber zum 1:1-Endstand nutzen konnte. Es war der verdiente Ausgleich, die Frankfurter waren ein wenig glücklich mit 1:0 in Führung gegangen, just als der VfL klar überlegen war. Trotzdem hat die Eintracht den Vorsprung auf Verfolger Borussia Mönchengladbach leicht um einen Zähler ausbauen können. Das Rennen um die Königsklasse bleibt also spannend. „Direkt nach dem Spiel überwiegt die Enttäuschung“, sagte der Frankfurter Torhüter Kevin Trapp, „wir waren sicher müde und auch nicht die bessere Mannschaft. Aber wenn wir so kurz vor Schluss führen, müssen wir das besser verteidigen.“

Knapp 20 Minuten vor Spielbeginn hatte der Frankfurter Trainer Adi Hütter noch relativ entspannt im Studio des übertragenden TV-Senders Eurosport Platz genommen und mit Matthias Sammer, dem Experten und externen Berater von Borussia Dortmund, über diese letzte Partie des 30. Spieltages gefachsimpelt. Die Hausaufgaben waren ja gemacht, die Mannschaft wusste, wie sie in Wolfsburg Fußball zu spielen hat. Da kann ein Trainer auch schon bis kurz vorm Anpfiff mal ins Fernsehen gehen.

Eintracht Frankfurt mit leicht veränderter Startelf

Hütter hatte gegenüber dem Triumph vom Donnerstag gegen Benfica Lissabon die Elf leicht verändert, Ante Rebic etwa, der vor vier Tagen so phänomenal aufgetreten war, nahm zunächst auf der Ersatzbank Platz, auch weil der Stürmer, wie Hütter sagte, „muskulär nicht topfit“ sei. Zudem kam für den gelb-rot gesperrten Gelson Fernandes der lange verletzte Spanier Lucas Torro zum Einsatz, der gegen Lissabon in den letzten Minuten schon mal kurz reinschnuppern durfte. „Wolfsburg kommt mit großen Spielern, deshalb hat Lucas die Chance verdient. Auch für ihn ist es ein besonderes Spiel nach seiner langen Verletzungspause“, erklärte der Trainer. Zuletzt hatte der defensive Mittelfeldspieler am 19. Oktober beim 7:1 gegen Fortuna Düsseldorf in der Bundesliga gespielt. Eine Schambeinverletzung hatte ihn seitdem ausgebremst. Und Simon Falette, einer der Helden vom Donnerstag, bekam nach seiner spektakulären Vorstellung erneut eine Bewährungschance.

Kaum war die Partie angepfiffen, da war sie auch schon wieder unterbrochen. Aus der Frankfurter Kurve hatten Eintracht-Anhänger bunte Flummis auf den Rasen geworfen – als Protest gegen die Montagsansetzung, ohnehin hielten sich beide Fanreihen eine Halbzeit sehr zurück mit lautstarker Unterstützung. Es dauerte eine Weile, ehe der Rasen wieder gesäubert und bespielt werden konnte.

Eintracht Frankfurt geht sofort in die Offensive

Die Eintracht hatte den besseren Start erwischt, sie war sofort drin im Spiel. Keine Spur von Müdigkeit, sie ging sofort in die Offensive, ließ die Wolfsburger überhaupt nicht zur Entfaltung kommen. Zehn Minuten währte diese Feldüberlegenheit, dann hätte der VfL im Grunde mit seiner ersten Chance in Führung gehen müssen. Doch Makoto Hasebe, mal wieder überragender Akteur der Gäste, rettete auf der Linie gegen einen Schuss des völlig freistehenden Wout Weghorst, den die hessische Hintermannschaft komplett aus den Augen verloren hatte.

Dem fulminanten Beginn folgte eine eher wilde, unstrukturierte Phase, die bis zur 30. Minute währte. Dann hätte Luka Jovic nach Vorarbeit von Gacinovic und Sebastian Rode die Frankfurter Führung besorgen müssen, doch er verhedderte sich in letzter Konsequenz. Insgesamt war das Frankfurter Spiel viel zu unruhig, es fehlte die klare Linie, auch hätte ab und an jemand mal ein wenig Ruhe ins Spiel bringen sollen.

Führungstreffer von de Guzman reicht der Eintracht nicht

Mitunter war das Spiel zu zerfahren, zu hektisch, es ging rauf und runter. Torro merkte man trotz allen Eifers die fehlende Wettkampfpraxis an.

Zwei Torchancen hatten sich den Gästen vor dem Halbzeitpfiff noch geboten. Einmal schoss Filip Kostic, der diesmal nicht so häufig auf seinem Flügel durchkam wie zuletzt, bei einem Konter (37.) haarscharf links am Pfosten vorbei, dann scheiterte der eminent fleißige Goncalo Paciencia mit einem Kopfball am prächtig reagierenden Wolfsburger Ersatztorwart Pavao Pervan (39.). Und schließlich musste auf der anderen Seite Kevin Trapp bei einem weiteren Schuss von Weghorst (36.) seine ganze Klasse in die Waagschale werfen, um die Kugel noch um den Pfosten zu lenken und das torlose Remis in die Pause zu retten.

Im zweiten Abschnitt wirkten die Gastgeber deutlich präsenter. Die Eintracht reagierte nur noch, musste dem VfL Wolfsburg vor 26 102 Zuschauern mehr und mehr Spielanteile überlassen. Und sie hatte Glück: Nach einer knappen Stunde prallte ein Kopfball von Verteidiger Robin Knoche von der Unterkante der Latte zurück ins Feld, Trapp wäre an diesen Ball nicht herangekommen. Die Frankfurter schafften es nun kaum noch, für Entlastung zu sorgen, und waren erneut mit Fortuna im Bunde, als ein verdeckter Schuss von Maxi Arnold an den Pfosten prallte (64.). In dieser Phase der Begegnung wirkte die Eintracht regelrecht platt, musste ihrem europäischen Abenteuer offenbar Tribut zollen.

Und dann, als alle Welt mit der Wolfsburger Führung rechnete, fiel das 1:0 für die Eintracht, ziemlich aus dem Nichts. Eine weite Flanke von Danny da Costa über den Strafraum hatte Kostic noch einmal scharf gemacht, in seine Hereingabe spritzte der kurz zuvor eingewechselte Jonathan de Guzman, der sich vehement durchsetzte und mit links ins Tor schob. Der Treffer lag nun nicht unbedingt in der Luft. Doch zum Happy End hat es dann auch nicht gereicht. In letzter Minute schafften die Wölfe noch den Ausgleich.

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