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Der BVB krallt sich den Wolf: Der Eintracht-Spieler (rechts) im Klammergriff von Ömer Toprak, bald spielen sie gemeinsam.

Wolf wechselt nach Dortmund

Wolf jetzt in ganz anderen Dimensionen unterwegs

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Marius Wolf verlässt Eintracht Frankfurt und betritt vor allem wirtschaftlich neue Sphären.

Das Pott-Tattoo am Schienbein ist ganz gut verheilt, die Nachwehen des anstrengenden Pokalcoups mit allen Nebenwirkungen ausgestanden – Zeit für Marius Wolf, zu neuen Ufern aufzubrechen. Am Montag hat sich der 23-Jährige, der offiziell bis 30. Juni noch bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag steht, auf den Weg nach Dortmund gemacht, wo er die letzten Formalitäten klärte und anschließend seine Unterschrift unter einen bis 2023 datierten Kontrakt beim Champions-League-Teilnehmer aus dem Ruhrpott setzte. Wolf steigt beim BVB in neue Dimensionen auf, nicht nur sportlich, vor allem wirtschaftlich.

„Mein Ziel ist es, mit Dortmund in den kommenden Jahren möglichst den einen oder anderen Titel zu gewinnen“, sagte Wolf. Der Senkrechtstarter vom rechten Flügel wird pro Jahr rund sieben Millionen Euro einfahren, damit steigt er zu einem echten Topverdiener auf, braucht sich um seine Zukunft bis an sein Lebensende keine Gedanken mehr zu machen. Welch ein Aufstieg. 

Die Borussia hat mit ihrer lukrativen Offerte die ebenfalls recht potente TSG aus Hoffenheim ausgestochen, deren Cheftrainer Julian Nagelsmann den Frankfurter Mentalitätsspieler ebenfalls gerne in seinen Reihen gewusst hätte. Das Angebot der Kraichgauer war ebenfalls verlockend, aber zum einen nicht so hoch dotiert wie das der Dortmunder, zum anderen tendierte Wolf ohnehin zu den Westfalen, weil das Fußballherz im Revier doch höher und lauter und schneller schlägt als im betulichen Sinsheim.

Marius Wolf passt von seiner Einstellung, seiner generellen Haltung und seinem Spielstil gewiss bestens in den pulsierenden BVB-Tempel. Und der neue Borussia-Trainer Lucien Favre steht zwar für einen Offensivfußball mit Ballbesitz und Passsicherheit, will in Dortmund aber auch explosionsartig über die Flügel angreifen lassen – eine Lesart, die dem schnellen und dynamischen Wolf auf den Leib geschneidert scheint.

Insofern war relativ schnell entschieden, wohin es den Eintracht-Shootingstar ziehen würde, zumal RB Leipzig, oft als Interessent ins Spiel gebracht, nie wirklich im Rennen war. Der italienische Königsklassenteilnehmer AS Rom hatte nur Außenseiterchancen. Nicht mal die hatte die Eintracht. Wolf kann den hessischen Klub dank einer Ausstiegsklausel in Höhe von fünf Millionen Euro verlassen. Ein ähnliches Jahressalär wie nun in Dortmund oder auch in Hoffenheim wäre in Frankfurt utopisch gewesen. Daher schien die Trennung unausweichlich.

„Meine letzte Chance“ 

Wolf hat zweifelsfrei bis zur letzten Sekunde alles für seinen alten Klub gegeben, dem er auch zu einigem Dank verpflichtet ist. Sportdirektor Bruno Hübner holte ihn vor eineinhalb Jahren für 500.000 Euro aus Hannover, wo er in die zweite Mannschaft verbannt wurde und in der Versenkung verschwunden war. Wolf selbst sprach „von meiner letzten Chance“ – die hat er eindrucksvoll genutzt. Die Entwicklung des dürren Außenbahnspielers war so nicht abzusehen, im Grunde hat er nur 28 Bundesligaspiele, fünf Tore und neun Vorlagen benötigt, um sich in eine neue Umlaufbahn zu schießen. Dass für einen Spieler wie Wolf – oder auch für den nach Leverkusen gewechselten Lukas Hradecky – so viel Geld aufgewendet wird, gehört zu den veränderten Usancen der Branche. Der Markt regelt Angebot und Nachfrage, und es ist eine Menge Geld in den Kreislauf gepumpt worden und entsprechend dort unterwegs.

Auch sportlich sieht der Coburger in Dortmund die besten Entwicklungsmöglichkeiten. Dort kann er international auf höchstem Niveau spielen, dort steht er noch mehr im Fokus, sieht größere Chancen, auch in der Nationalmannschaft einen Fuß in die Tür zu bekommen. Schon jetzt, bei der WM-Nominierung, war er nur knapp durchs Raster gefallen. Zudem: Wer in Dortmund war, fällt in aller Regel weich, selbst wenn es beim BVB mal nicht mehr weitergehen sollte. 

Kommt Jonathan Bamba? 

Die Eintracht hat sich ihrerseits umgeschaut und ein Auge auf Jonathan Bamba als Nachfolger geworfen. Der Franzose, 22, hat für den AS St. Etienne in der vergangenen Saison sieben Tore in 34 Partien erzielt, zudem zehn Vorlagen gegeben. Nicht schlecht.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird sich auch auf der abgebenden Seite noch etwas tun. Aus Italien schwappten Meldungen hinüber nach Deutschland, wonach der FC Turin Interesse an Mittelfeldspieler Aymen Barkok habe. Der Tabellenneunte der abgelaufenen Saison könne sich ein Leihgeschäft mit anschließender Kaufoption (sechs Millionen Euro) vorstellen. Barkok soll auch, wie vor einem Jahr schon, das Interesse des FC Arsenal geweckt haben. Vielleicht wird er aber erst einmal das Gespräch mit dem neuen Trainer Adi Hütter suchen, der ab heute drei Tage in Frankfurt weilen und am Mittwochmittag offiziell als Nachfolger von Niko Kovac der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Der 48-Jährige wird sich intensiv mit einigen Personalien befassen müssen, sicher auch mit der von Marc Stendera, der von Kovac nicht mehr berücksichtigt wurde. Stendera ist aber immerhin einer aus dem eigenen Stall. 

Petition für Alex Meier 

Ein anderer, Alexander Meier, gehört so gut wie zum Inventar. Über seine Zukunft soll ebenfalls in dieser Woche befunden werden, am Donnerstag verabschiedet sich der amtierende Kapitän in seinen mehrwöchigen Sommerurlaub nach Miami. Bis dahin soll Klarheit herrschen. Meier will noch ein Jährchen weiterspielen, am liebsten in Frankfurt, wenn es sein muss, aber auch andernorts.

Die Sportliche Leitung ist von der Idee, den 35-Jährigen noch eine weitere Saison als Spieler zu beschäftigen, nicht so rasend begeistert. Sollte es zur Trennung von der Eintracht-Ikone kommen, für deren Verbleib die Fans gerade eine Onlinepetition gestartet haben, wird die Führung der Hessen das gewiss nicht dem neuen Coach zuschreiben. Es wäre ein denkbar schlechtes Entree, wenn Adi Hütter als erste Amtshandlung die Frankfurter Identifikationsfigur abgesägt hätte.  

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