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WM 2022: Kolo Muani braucht nur 44 Sekunden bis zum Tor

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Von: Frank Hellmann

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Der in Frankfurt spielende Randal Kolo Muani entscheidet das WM-Halbfinale zugunsten von Frankreich und schießt sich in eine WM-Bestenliste hinein.

Frankfurt – Die Freude über den größten Moment seiner Karriere war Randal Kolo Muani zunächst nicht wirklich anzusehen. Als der Schlusspfiff in Al Khor ertönte, waren um den neuen Liebling der französischen Nationalmannschaft sieben, acht marokkanische Spieler in ihrem roten Dress zu Boden gesunken. Es hätte nicht gepasst, inmitten einer solchen Trauergemeinde Luftsprünge zu machen. Kolo Muani wartete einen Moment, bis sich die ersten Marokkaner erhoben, dann reichte er Mittelfeldspieler Azzedine Ounahi die Hand, der seit 2018 als Profi in Frankreich spielt, seit 2021 für den Erstligisten SCO Angers.

Was für ein Auftritt: Randal Kolo Muani benötigt nur 44 Sekunden bis zu seinem Tor.
Was für ein Auftritt: Randal Kolo Muani benötigt nur 44 Sekunden bis zu seinem Tor. Foto: AFP © afp

Ihre Wege kreuzten sich, als der Stürmer von Eintracht Frankfurt noch für den FC Nantes spielte. Der Plausch lenkte ihn ein bisschen ab, denn so richtig realisieren, dass er in den Mittelpunkt der Huldigungen gelangte, konnte der 24-Jährige nicht wirklich. „Es ist magisch, ich habe keine Worte, um es zu beschreiben“, sagte er beim französischen TV-Sender TF1: „Ich bin immer noch in meinen Träumen und habe Schwierigkeiten aufzuwachen.“ Irgendjemand müsste ihn mal wecken. Die Eintracht war ob des Erfolgs ihres Torjägers stolz wie Bolle, postete noch am späten Abend mehrere Jubelbilder des Angreifers in den sozialen Netzwerken. Kolo Munai ist der erste Eintracht-Spieler, der in einem WM-Halbfinale ein Tor erzielt hat. Jürgen Grabowski (1974) und Bernd Hölzenbein (1978) hatten zuletzt in einem WM-K.o.-Spiel getroffen.

Kolo Muani: „Ich bin stolz darauf, die Mannschaft erlöst zu haben“

Der erst nach dem Ausfall von Christopher Nkunku (RB Leipzig) in den WM-Kader gerückte Kolo Muani hatte exakt 44 Sekunden nach seiner Einwechslung gebraucht, um mit seinem 2:0 das umkämpfte Halbfinale zu entscheiden. Sein erstes Länderspieltor im vierten Einsatz für die Equipe Tricolore kommt ins Geschichtsbuch, auch wenn Frankreichs Nummer zwölf einer der einfachsten Treffer seiner Profikarriere erzielte. Er musste den Ball nur mit der rechten Innenseite über die Linie schubsen. Aber Instinkt gehört dazu.

„Ich bin stolz darauf, die Mannschaft erlöst zu haben“, sagte Kolo Muani, der in der Bestenliste der schnellsten WM-Jokertore auf Platz drei sprang. Nur der Uruguayer Richard Morales, der bei der WM 2002 für Uruguay nach 16 Sekunden traf, und Ebbe Sand, der 1998 für Dänemark nach 26 Sekunden netzte, waren noch rascher zur Stelle. Kolo Muanis Geistesgegenwart passt zu seiner Entwicklung in der Bundesliga, wo einer dank Wucht und Wille, Tempo und Technik mit wettbewerbsübergreifend 19 Scorerpunkten zur Attraktion aufstieg.

Wie die Hessen es mit langem Vorlauf schafften, so einen ablösefrei über die deutsch-französische Grenze zu lotsen, davor ziehen viele in der Branche den Hut. Weit nach Mitternacht sammelte sich in der Mixed Zone gleich neben den Mannschaftsbussen ein internationaler Reporterpulk um den Angreifer, der sehr leise redete - wie eigentlich immer.

Nationaltrainer lobt Kolo Muani: „Das ist großartig für ihn und für das Team“

Dabei kamen seine Stärken bei seinem Kurzeinsatz gar nicht zum Tragen. Die Statistik wies sechs Ballkontakte, vier Pässe, zwei zum Mitspieler, beide zu Spielmacher Antoine Griezmann aus. Dreimal hatte er sich angeboten, einmal den Ball bekommen. Und trotzdem veränderte er gemeinsam mit dem zuvor eingewechselten Marcus Thuram von Borussia Mönchengladbach die Statik, wie Trainer Didier Deschamps erklärte. Ihm gefallen Power und Tempo der beiden Bundesliga-Angreifer, die anstelle von Ousmané Dembéle und Olivier Giroud kamen.Über Kolo Muani freute sich Deschamps besonders: „Das ist großartig für ihn und für das Team. Seine Stärke ist seine Geschwindigkeit, deshalb habe ich ihn gebracht.“

Der 54-Jährige hat sich zu eigen gemacht, über ein Turnier weitgehend einer Stammelf zu vertrauen. Kolo Muani hatte zuvor nur im bedeutungslosen letzten Gruppenspiel gegen Tunesien (0:1) gespielt, als auch er nicht richtig ins Laufen kam. Seine Rolle bis zum Wochenende ist klar definiert: weiter im Sportkomplex des Al Sadd Sports Club ordentlich trainieren, ausreichend regenerieren und dann darauf hoffen, dass es vielleicht auch im Finale am Sonntag gegen Argentinien einen braucht, der mit einem ersten Ballkontakt alles verändert. Man wird ja wohl träumen dürfen. (Frank Hellmann)

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