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Auf 180: Makoto Hasebe (li.) und Julian Nagelsmann.

Makoto Hasebe

Wirbel um Hasebe

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Die Hoffenheimer wettern gegen den Eintracht-Kapitän.

Normalerweise steht der höfliche Sportkamerad Makoto Hasebe immer seinen Mann, auch und gerade dann, wenn das Spiel schon abgepfiffen ist. Dann trottet der Japaner artig in die Mixed Zone, um den Journalisten aus der Heimat Rede und Antwort zu stehen. Man muss wissen: In Nippon hat der 35-Jährige den Status eines Popstars, er wird fast schon als Heiliger verehrt. Wenn er in Tokio über die Straße läuft, kommt der Verkehr zum Erliegen, wenn er im Restaurant essen will, muss das gesamte Lokal geschlossen werden. Doch am Samstag ließ Hasebe den obligatorischen Plausch mit den Reportern ausfallen, selbst Eintracht-Sprecher Carsten Knoop konnte den Routinier nicht dazu bewegen. „Heute nicht“, ließ Hasebe ausrichten.

Dabei wäre es ganz interessant zu erfahren gewesen, was der Mittelfeldspieler zu den Vorkommnissen zu sagen hatte, die sich da in der Endphase des turbulenten Bundesligaspiels gegen die TSG Hoffenheim ereignet hatten, denn Hasebe wurde von den Hoffenheimer Verantwortlichen ganz gezielt an den Pranger gestellt. „Im Fußball geht es auch um Werte. Mir sind Respekt und Charakter sehr wichtig. Das hat ein Spieler des Gegners vermissen lassen“, klagte TSG-Sportdirektor Alexander Rosen an und konkretisierte: „Ich weiß, dass er unsere medizinische Abteilung beleidigt hat.“

Was Hasebe gesagt haben soll, ist nicht genau überliefert. Die zwei Wörter „Halt’s Maul“ sollen gefallen sein. Auch Trainer Julian Nagelsmann legte nach und geigte dem Asiaten nach dem Schlusspfiff die Meinung, der Zoff ging auch im Spielertunnel weiter. „Ich finde, ein Kapitän sollte sich anständig verhalten. Das hat er mehrfach nicht getan“, moserte Nagelsmann. „Er soll heute Abend im Bett darüber nachdenken, ob es richtig war, was er getan hat.“ Auch hier ist nicht überliefert, ob Hasebe sich tatsächlich gegeißelt hat.

Fakt ist, dass sich der Frankfurter Spielführer wortreich darüber beschwerte, dass der Hoffenheimer Nadiem Amiri ab der 80. Minute mehrere Minuten auf dem Feld behandelt wurde. Die Eintracht lag 1:2 zurück, die Zeit rannte ihr davon, Hasebe mahnte zur Eile. Amiri wurde schließlich verletzt ausgewechselt, allerdings „nur“ mit einer Muskelverletzung.

Jubel vor der Bank?

Verschwiegen werden sollte auch nicht, dass die Kraichgauer sehr wohl auf Zeit spielten, was in der Bundesliga aber gang und gäbe ist. Schiedsrichter Manuel Gräfe, der mit Abstand beste deutsche Referee, hielt sich jedoch an die strikte DFB-Vorgabe, wonach die Extrazeit dementsprechend exakt ausgedehnt werden soll, und gab sechs Minuten obendrauf. Selbst Coach Nagelsmann verurteilte die Zeitschinderei seiner Spieler und ordnete die Nachspielzeit als korrekt ein.

Weniger korrekt empfand er, dass Hasebe nach dem 3:2-Siegtreffer absichtlich vor der Hoffenheimer Bank gejubelt haben soll. „Wenn er das gemacht hat, möchte ich mich für dafür entschuldigen, das würde ich auch vor unserer Bank nicht wollen“, urteilte Eintracht-Trainer Adi Hütter, nahm seinen Akteur jedoch in Schutz: „Emotionen gehören im Fußball dazu. Hase ist ein tadelloser Sportsmann.“ Das ist unbestritten, der Japaner ist ein zuvorkommender, besonnener und reflektierender Mensch. Zur Wahrheit gehört aber auch: Auf dem Feld verwandelt sich Hasebe in einen anderen Hasebe, da ist er aufbrausend und temperamentvoll, meckert oft mit den Schiedsrichtern. Das ist teilweise nervig. Über Beleidigungen hatte sich bisher aber noch niemand beschwert.

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