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Entspannt vor der nächsten Aufgabe: Eintracht-Trainer Adi Hütter.

Eintracht Frankfurt

"Wir werden Apollon nicht unterschätzen"

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Eintracht Frankfurt will den Schwung der jüngsten erfolgreichen Spiele nutzen, um gegen Apollon Limassol einen großen Schritt zu tun.

Marseille geschlagen, Rom geschlagen, und jetzt zweimal Limassol schlagen, und schwupps steht Eintracht Frankfurt fröhlich unter den letzten 32 Teams in der Europa League. Das ist, grob gesagt, der Plan, den das Frankfurter Umfeld ausgeheckt hat, und er klingt ja auch zu verführerisch. Apollon Limassol, eine Mannschaft auf Zypern, dort wo man eigentlich nur Urlaub macht, gilt von der Papierform her als der schwächste Opponent in der Gruppe H. Und da die Hessen die beiden vermeintlich besten Gegner schon eindrucksvoll bezwungen haben, sollte die dritte Aufgabe eigentlich nur noch Formsache sein. 

Wenn es mal so einfach wäre. Gerade die Eintracht pflegt solche eigentlich leichten Spiele schon mal in den Sand zu setzen. 

Adi Hütter tappt nicht in die Falle

Natürlich tritt der Frankfurter Trainer Adi Hütter nicht in diese Falle. Der Mann aus Vorarlberg neigt mitnichten dazu, Gegner zu unterschätzen, selbstverständlich hat er sich schlau gemacht und die Zyprer haargenau unter die Lupe genommen. „Wir sind top vorbereitet“, sagt er nach dem Studium diverser Spiele des aktuellen Tabellenzweiten der Liga. Hütter hat dabei nicht einmal auf die Tipps seines Spielers Allan Souza zurückgreifen müssen, der vor einem halben Jahr noch für Apollon gespielt hat. „Spieler haben immer eine andere Sicht“, sagt der Trainer, der sich sehr wohl bewusst ist, heute Abend (21.Uhr/live auf RTL Nitro und Dazn) auf eine „ausgebuffte Mannschaft“ zu treffen, spielerisch ambitioniert und mit allen Wassern gewaschen. „Wir werden diese Mannschaft zu 100 Prozent ernst nehmen.“ Schützenhilfe leistet Rechtsverteidiger Danny da Costa, der Einblicke in das Seelenleben des Teams gibt. „Ich kenne den Charakter unserer Mannschaft, wir werden Apollon nicht unterschätzen, keine Sorge.“

Immerhin, sagt der 25 Jahre alte Dauerspieler, habe ihm die Länderspielpause richtig gut getan, „mein Tank ist wieder sehr, sehr voll. Keine Sorge, dass ich einbrechen könnte“. Da Costa ist also wieder bereit, den rechten Flügel sprintend zu beackern, in Defensive wie Offensive. „Gott sei dank“, entfuhr es Hütter, eine Alternative für da Costas Position gibt es derzeit im Frankfurter Ensemble nicht. Zwei Tore hat da Costa übrigens in dieser Europa League-Saison schon zum Erfolg beigesteuert, so viele wie der aktuelle Himmelsstürmer Luka Jovic in diesem Wettbewerb.

Aber trotz aller Warnungen vor dem weitgehend unbekannten Gegner: Adi Hütter will Elan und Schwung aus den vergangenen Wochen mit vier Siegen am Stück nutzen. „Was ich nie machen werde, ist, eine Euphorie mutwillig zu bremsen. Den Zustand haben wir uns hart erarbeitet“, sagt der Österreicher am Mittwoch vor dem Abschlusstraining. „Das Selbstvertrauen ist da, die Freude ist da – an der Einstellung wird es nicht liegen.“ Es sind ja wieder europäische Feiertage für Eintracht Frankfurt, das Flutlicht wird angeknipst, die Choreographie der Fans soll noch ein Stück größer werden als vor dem Spiel gegen Lazio. „Darauf freuen wir uns schon“, sagt da Costa, den der Support der Anhängerschaft beflügelt. „Das gibt mir persönlich ein gutes Gefühl.“ 

Bis Donnerstag, 21 Uhr, muss Adi Hütter aber noch ein ganz spezielles Problem lösen: Wen seiner drei aktuell so unglaublich treffsicheren Stürmer - 17 der 26 erzielten Pflichtspieltore erzielte dieses Trio - lässt er zunächst auf der Bank? Ante Rebic, der eigentlich beste Angreifer? Sebastien Haller, derzeit in bestechender Form und nahezu an allen gefährlichen Aktionen direkt beteiligt?

Oder doch Luka Jovic, der gerade erst in der Liga einen Fünferpack geschnürt hat? Oder dürfen alle drei Stürmer ran? Hütter lässt sich, wie gewohnt da nicht in die Karten schauen. „Ich bin schon froh, überhaupt so ein Luxusproblem zu haben.“ Möglich sei in der Tat auch, alle drei Angreifer spielen zu lassen. Wahrscheinlich nicht gegen Apollon Limassol, manches spricht dafür, mit der gleichen Angriffsformation zu beginnen wie beim 7;1-Kantersieg am vergangenen Freitag gegen Fortuna Düsseldorf - dann käme Ante Rebic als Joker zum Einsatz.

Allein diese Diskussion zeigt die Schnelllebigkeit des Fußballs, vor sechs Wochen musste Hütter noch erklären, wie er die schwerwiegenden Abgänge ersetzen will, heute wird er gefragt, wie er sein Luxusproblem mit drei Stürmern für eigentlich nur zwei Positionen lösen möchte. Und von Lukas Hradecky, Prince Boateng, Marius Wolf, Omar Mascarell, die den Klub verlassen haben, spricht momentan kein Mensch mehr.

Ein Fragezeichen steht hinter dem Einsatz von Lucas Torro, der wegen Adduktorenbeschwerden am Freitag zur Pause in der Kabine bleiben musste. Möglicherweise erhält er eine Pause, Gelson Fernandes, zuletzt nicht aufgeboten, stünde bereit. Auch kann es sein, dass Hütter rotiert und angesichts der anstehenden Belastungen - am Sonntag geht es um 13.30 Uhr beim 1. FC Nürnberg um Bundesligapunkte - dem einen oder anderen Spieler eine Erholungspause gönnt. Kevin Trapp, der ebenfalls am Freitag der Vorsicht halber ausgetauscht wurde, dürfte im Tor stehen - er hatte ja bereits am Samstag wieder trainiert.

Dessen ungeachtet könnte die Eintracht mit einem Sieg über den Außenseiter von der Insel der Götter einen richtig großen Schritt tun auf dem Weg ins Sechzehntelfinale. Neun Punkte nach drei Spielen - das wäre bei aller Vorsicht mehr als die halbe Miete.

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