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Äußerungen direkt nach dem Spiel „vielleicht zum falschen Zeitpunkt“: Axel Hellmann.

Eintracht Frankfurt

„Wir stehen im Fokus“

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Eintracht-Vorstand Axel Hellmann versucht vor der brisanten Partie gegen Darmstadt 98, deeskalierend einzuwirken:  Treffen mit dem Fanbeirat, um die Anhänger einzuschwören.

Nicht erst seit diesem dämlichen Plakat („Alle auf die Straße, Lilienschweine jagen") einiger Eintracht-Anhänger ist klar, dass die Partie zwischen dem Frankfurter Bundesligisten und dem SV Darmstadt 98 eine hochbrisante  Kiste werden wird. Wer sich nur ein ganz kleines bisschen in der Szene auskennt, weiß, dass sich die beiden Fanlager nicht grün sind -  um es mal gemäßigt zu formulieren.  Die Begegnung ist natürlich ein Hochsicherheitsspiel.

Und doch wird das Derby am Sonntag angepfiffen, nicht etwa um 15.30 Uhr, nein,  um 17.30 Uhr, wenn die Dunkelheit sich schon über das Land gelegt hat. Eine Ansetzung, die kaum jemand verstehen kann, und die in beiden Vereinen für Verwunderung und Unbehagen gesorgt hat. Ganz ohne Zweifel hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) bei dieser Terminierung kein besonders glückliches Händchen gehabt, zumal die Brisanz jedem, der sich ein bisschen mit Fußball beschäftigt, bekannt sein müsste.

So oder so: Die Frankfurter Eintracht versucht im Vorfeld der Begegnung alles, um ihrer Verantwortung und dem Sicherheitsgedanken gerecht zu werden.  Erst am Mittwochabend traf sich der Fanbeirat - eine Vereinigung, in der alle relevanten Fanvertreter dabei sind (auch die Ultras) - zu einer Sitzung. Zudem kamen hochrangige Abgesandte des Vereins hinzu, die Fanbetreuung, Vorstand Axel Hellmann und  Justiziar Philipp Reschke. 25 Mann an einem Tisch, 25 Mann, die wissen, wovon sie sprechen. Vier- bis sechsmal im Jahr kommt der Beirat zusammen -  dass dieser Termin nun direkt vor die Darmstadt-Partie gelegt wurde, ist kein Zufall. Die Eintracht versucht alles, um deeskalierend einzuwirken.

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Die Fanvertreter äußerten während des  Treffens sehr wohl ihren Unmut darüber, dass Vorstand Hellmann nach der Partie in Mainz den „Anfeuerungsboykott“ gerügt hatte. Der 44-Jährige legte dar, dass seine Worte („Das ist Eintracht-untypisch“, „Der Block muss stehen wie eine Wand“) eher als Appell gedacht waren, als Kritik wollte er seine Äußerungen nicht verstanden wissen. „Ich wollte nur Geschlossenheit und die volle Unterstützung für die Mannschaft in den Mittelpunkt rücken.“ Hellmann räumte aber ein, dass seine Äußerungen direkt nach dem Spiel „vielleicht der falsche Zeitpunkt“ gewesen seien.

Appell an die Fans

Zudem appellierte Axel Hellmann an die Anhänger,  am Sonntag friedlich und besonnen zu bleiben und ausschließlich die sportliche Rivalität in den Mittelpunkt zu schieben. „Wir stehen im Fokus“, sagt der Jurist. „Dessen sollte sich jeder bewusst sein.“ Beobachter der DFL und des DFB haben sich für die Partie angekündigt. Die Eintracht  will sich hinterher  nicht vorwerfen lassen, vorher nicht schon präventiv eingewirkt und alles versucht zu haben, um ein friedliches Derby erleben zu können. 

Und während der Sitzung konnte Hellmann den Fans auch die Angst nehmen, dass sie im Zuge der erhöhten Sicherheitsvorkehrung wegen der Terrorgefährdung immer mehr Hürden auferlegt bekommen. In Kreisen der Anhänger gibt es durchaus die Sorge, dass die Vereine nun die Gelegenheit nutzen, um etwa Ganzkörperscanner oder personalisierte Eintrittskarten einzuführen. „Das sind Maßnahmen, die bei uns nicht vorgesehen sind“, sagt der Vorstand. „Aktuell gibt es dazu keinen Anlass.“

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