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Riesen in der Luft: Eintracht-Stürmer Bas Dost (links) gegen Köln-Verteidiger Rafael Czichos.

Eintracht-Remis in Köln

„Wir reisen mit zwei verlorenen Punkten ab“

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt
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Eintracht Frankfurt verpasst den Sieg in Köln und damit den Sprung auf Platz zwei der Bundesligatabelle und ärgert sich ein bisschen. Denn nötig wäre das nicht gewesen.

Im Sport, erst recht in der Spitze mit den ganzen Hochleistungsathleten, entscheiden mitunter Zentimeter, Bruchteile einer Sekunde oder simple individuelle Fehlleistungen über Triumph, Niederlage oder irgendwas mittendrin. Das ist keine Weisheit und keine brandneue Erkenntnis, im Fall des Fußballbundesligaspiels zwischen dem krisengeschüttelten 1.FC Köln und der im Aufwind segelnden Frankfurter Eintracht lagen nicht mal zwei Minuten zwischen der wahrscheinlichen Vorentscheidung zugunsten der Gäste aus Hessen und einem Erfolgserlebnis für die Platzherren aus dem Rheinland, das letztlich das Endresultat, ein schnödes 1:1, bedingte.

Und das kam so: Nach 50 Spielminuten passte der agile Frankfurter Funkturm Bas Dost den Ball in die Mitte, 1:0 führte die Eintracht bereits verdient, und da kam Daichi Kamada herangewuselt, einschussbereit, die Kugel kam perfekt angerauscht, und der Japaner ist ja ein feiner Techniker, der ab und an aber von einer seltsamen Ladehemmung befallen wird, wenn es gilt, den Ball ins Tor zu schießen. Kamada traf das Spielgerät folgerichtig gar nicht, säbelte ein sauberes Luftloch, und als es ihm irgendwie noch einmal vor die Füße hoppelte, drosch er es im Nachschuss weit über den Querbalken ins Fangnetz. Die riesige Chance zum 2:0 war vertan, verpufft im Nichts. Dumm gelaufen.

Es war nämlich ziemlich klar, dass die bis dahin matten Kölner nichts Zählbares in Müngersdorf behalten hätten, wenn die Eintracht da nachgelegt und auf 2:0 gestellt hätte. „Das war definitiv die Schlüsselsituation“, bilanzierte denn auch Sportdirektor Bruno Hübner. „Die Kölner hatten bis dahin nicht einen einzigen Schuss abgegeben. Ich glaube, dass wir ihnen da den K.o. hätten geben können. Sie hätten nicht mehr an sich geglaubt, wir wären immer stärker geworden.“ Doch Konjunktiv bleibt nun mal Konjunktiv.

Schließlich kam es so, wie es im Fußball oft kommt. Nicht mal 120 Sekunden später kombinierten sich der Ex-Frankfurter Marius Wolf und Kingsley Ehizibue auf rechts durch, die Eintracht-Abwehr samt Sebastian Rode war nicht auf der Höhe, und in der Mitte war es Ondrej Duda, der mutterseelenalleine am Elfmeterpunkt auftauchte und den Ball zum Ausgleich ins Netz zimmerte. Eintracht-Torwart Kevin Trapp hatte da Pech, ein paar Zentimeter – siehe oben – fehlten nur und der Schlussmann hätte den strammen Schuss noch mit dem Knie parieren können. Künstlerpech.

Was zu diesem Zeitpunkt schon manch einer zumindest dunkel ahnte: Dudas Volltreffer sollte das letzte Tor an diesem Nachmittag in diesem erst zähen und niveauarmen, später recht unterhaltsamen Fußballspiel bleiben. 1:1, einen Punkt für jeden, nicht Fisch, nicht Fleisch.

Die Eintracht verließ die Domstadt mit gemischten Gefühlen. Eigentlich hätte sie diese Partie gewinnen können, vielleicht sogar müssen, sie war über 90 Minuten gesehen die erwachsenere, bessere Mannschaft. „Wir reisen mit zwei verlorenen Punkten ab“, urteilte Trainer Adi Hütter. „Darüber ärgere ich mich ein bisschen.“

In diese Kerbe schlug auch Neuzugang Amin Younes, der ein ansprechendes Debüt mit dem Adler auf der Brust feierte (siehe Bericht Seite S2), gut 20 Minuten mittun durfte und anschließend hin- und hergerissen war: „Eigentlich hatten wir alles unter Kontrolle, wir haben auch nicht verloren, aber das fühlt sich trotzdem ein bisschen schlecht an.“ Ging ihm nicht alleine so.

Grund, um Trübsal zu blasen, war das für die Frankfurter Entourage aber nicht, obwohl der Satz auf Platz zwei nicht gelang. „Wir wollten hier zwar unbedingt gewinnen, was uns nicht gelungen ist. Aber wir sind ungeschlagen, auf Platz vier, mit acht Punkten sind wir gut aus den Startlöchern gekommen. Insgesamt bin ich zufrieden“, sagte Hütter.

Die Frankfurter hatten es sich aber selbst zuzuschreiben, keinen großen Schritt in Richtung Tabellenspitze gemacht zu haben. Sie waren in der ersten Halbzeit, gerade im Gefühl der hohen Überlegenheit, nicht heiß und entschlossen genug, den verunsicherten Kölnern das Nervenkostüm noch mehr zu zerlöchern, was mit Torerfolgen ganz sicher am besten gelingt. Das Spiel, obzwar mit 63 Prozent Ballbesitz geführt, war nicht zwingend und brachial genug. Bis auf zwei Annäherungen durch André Silva (6./30.) waren die Gelegenheiten der Hessen überschaubar, aber deutlich gefährlicher als die der Rheinländer: Die brachten nicht mal einen Torschuss zustande.

Dennoch mussten sie nachhelfen, um die Eintracht zu beflügeln. FC-Verteidiger Sebastiaan Bornauw hatte Daichi Kamada im Strafraum umgesenst, was in Echtzeit nur schwer, nach Ansicht der TV-Bilder aber klar zu erkennen war. André Silva bewies einmal mehr seine Nervenstärke vom Punkt und verwandelte in der zweiten Minute der Nachspielzeit des ersten Durchgangs sicher zur Führung. Nur FC-Manager Horst Heldt wollte die nach Videostudium getroffene Entscheidung von Schiedsrichter Sven Jablonski nicht akzeptieren: „Kann man geben, muss man aber nicht“, kommentierte er bei Sky. Dass sich Tobias Welz aus dem Kölner Keller per Funk gemeldet hatte, wollte der 50-Jährige nicht verstehen. „Das war keine klare Fehlentscheidung. Ich wundere mich, warum sich da eingemischt wird.“ Wundern kann man sich auch über Heldts wundersame Aussage. Vielleicht noch zu viel Adrenalin im Spiel.

Kurioserweise kamen die Kölner, nunmehr seit 14 Spielen ohne Sieg, im zweiten Abschnitt stärker auf, obwohl die Eintracht besser und direkter spielte. Vielleicht lag es aber auch nur daran, dass zu einem halbwegs ordentlichen Spiel meistens zwei Mannschaften gehören. Hier scheiterten Duda (63.) sowie Ismail Jakobs (78.) an Kevin Trapp, dort brachten Kamada (50.), Dost (70.), Almamy Touré (71.) oder Younes (78.) den Ball nicht zwischen die Stangen. Also Remis.

Mit acht Punkten tritt die Eintracht am Samstag den unangenehmen Gang nach München zum Meister aller Klassen an. Manager Hübner ist mit dem bisher Erreichten dennoch hochzufrieden: „Wir haben einen Zweier-Punkteschnitt. Wenn wir den halten, wissen wir, wo wir am Ende rauskommen.“ 68 Zähler reichen für gewöhnlich für die Champions League. Wäre doch gelacht.

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