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Frankfurts Torschütze Ante Rebic (r) jubelt mit Luka Jovic (l) und Filip Kostic über sein Tor zum 0:1.

Eintracht in Hoffenheim

"Wir hatten das Spielglück auf unserer Seite"

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt krönt "eine tolle Woche" mit einem 2:1-Sieg bei der TSG Hoffenheim und kann fürs Erste durchatmen.

Und dann schnellte in der fünften Minute der Nachspielzeit blitzschnell die Faust des Kevin Trapp nach oben und drückte auch den allerletzten Kopfball über die Latte. Kurz darauf war die Partie im Kraichgau, längst schon eine reine Abwehrschlacht, beendet, Eintracht Frankfurt hatte erstaunlicherweise auch die TSG Hoffenheim niedergerungen, mit 2:1 (1:0), und damit eine „tolle Woche“ gekrönt, wie Trainer Adi Hütter hinterher hochzufrieden feststellen konnte. „Der Sieg in Hoffenheim war das Sahnehäubchen.“

Drei Siege binnen einer Woche bei 10:3 Toren, zwei in der Bundesliga, einer in der Europa League, haben die Hessen in eine sehr komfortable Lage versetzt: Zehn Punkte, Platz sieben, lediglich drei Punkte hinter dem großen FC Bayern, dazu zuletzt zwei beeindruckende Auftritte auf dem internationalen Parkett - das ist ganz sicher mehr als allenthalben erwartet werden durfte. Eintracht Frankfurt, so viel steht fest, hat nach dem Stolperstart die Kurve bekommen, befindet sich inzwischen auf dem richtigen Weg und zeigt inzwischen ein anderes Gesicht als noch zu Saisonbeginn. Und mit einem Sieg nach den letzten kräftezehrenden Wochen mit sieben Partien in 24 Tagen in die Länderspielpause zu gehen, ist ebenfalls nicht das Schlechteste. „Jetzt ist es angenehm, durchzuatmen“, sagte Hütter und gab seinen geschlauchten Profis bis Mittwochnachmittag frei.

Beim Sieg in Hoffenheim waren die Frankfurter natürlich auch mit Fortuna im Bunde. „Wir hatten das Spielglück auf unserer Seite“, räumte Stopper Marco Russ ein, zweimal hatten die Kraichgauer in der ersten Halbzeit die Latte getroffen und sich anschließen den Luxus erlaubt, sehr schludrig mit ihren Chancen umzugehen. „Das ist dann auch eine Frage der Qualität“, nörgelte ein schlecht gelaunter, arrogant wirkender TSG-Trainer Julian Nagelsmann, der erstmals drei Niederlagen hintereinander verkraften musste. Er tat das wenig souverän. „Es macht gerade wenig Spaß.“

Während die Gastgeber ihre Möglichkeiten liegen ließen, entwickelten die Hessen ihrerseits eine beeindruckende Effektivität vor dem Tor. Das ist momentan das größte Pfund, mit dem die Frankfurter wuchern können: Sie verfügen über eine brandgefährliche Angriffsreihe. Ante Rebic erzielte praktisch mit dem ersten Schuss aufs Hoffenheimer Tor die Frankfurter Führung, 40 Minuten waren da schon absolviert. Es war ein Treffer, der „den Spielverlauf auf den Kopf“ gestellt hatte, wie selbst Hütter einräumte. Bis dahin waren die Hoffenheimer das dominantere, „das spielerische bessere“ Team. Doch Luka Jovic hatte den Kroaten auf die Reise geschickt und der hatte die Kugel sehr fein über den viel zu früh aus seinem Tor geeilten Schlussmann Oliver Baumann ins Netz gelupft. Praktisch mit der ersten Aktion nach Wiederanpfiff war die Eintracht sogar 2:0 in Führung gegangen. Mijat Gacinovic, der für den völlig überforderten Allan Souza gekommen war, hatte den erneut bärenstarken Filip Kostic auf links eingesetzt, dessen scharfe Flanke lenkte Baumann höchst unglücklich in die Mitte, wo Jovic stand und eiskalt verwandelte. „Das 2:0 hat uns am Ende den Arsch gerettet“, sagte Marco Russ hinterher drastisch, der in dieser Erfolgswoche dreimal als Kapitän die Mannschaft auf den Platz führte und drei Siege einfuhr. Denn danach stand die Eintracht fast nur noch mit dem Rücken zur Wand, vor allem, weil nach einer guten Stunde Rebic, „der Ausnahmespieler“ (Russ), mit Gelb-Rot der Feldes verwiesen wurde. Knapp 30 Minuten verteidigten zehn Frankfurter vielbeinig den Vorsprung mit aller Macht. Der Platzverweis für den 25 Jahre alten WM-Finalisten war insofern ungeschickt, weil es im Grunde genau das Spiel des schnellen Ante Rebic geworden wäre – die TSG musste die Defensive lockern, die Frankfurter hätten kontern können. So wurde es eine reine Abwehrschlacht. 

Und erneut, wie schon gegen Lazio Rom am Donnerstag, rafften sich die Hessen zu einer imposanten Mannschaftsleistung auf. Jeder kämpfte für den anderen, warf sich in die Schüsse, köpfte Flanken aus dem Strafraum, verriegelte das eigene Tor: „Das war nur noch unbändiger Wille“, sagte Russ. Und „guter Teamgeist“, wie Dauerläufer Gelson Fernandes befand. „Es war auch ein Sieg für Lucas“, erinnerte der Schweizer nach der Partie an das Schicksal des Teamkollegen Lucas Torro, dessen Bruder in der vergangenen Woche überraschend verstorben war. „Wir hoffen, dass er bald wieder in unsere Familie zurückkehrt, damit wir ihn in dieser schwierigen Situation unterstützen können“. Die mitgereisten Frankfurter Fans hielten ein Plakat mit der Zeile „Lucas estamos con tigo“ (Lucas, wir sind bei dir“) hoch.

Und das Frankfurter Abwehrbollwerk hielt, trotz Dauerbeschuss. Torwart Kevin Trapp, der sich kurz vor dem Ende leicht verletzte, war da oft Turm in der Schlacht, er agierte sehr sicher und ließ sich nur durch einen Schuss des eingewechselten Reiss Nelson (82.) bezwingen. „Er hat den Sieg festgehalten“, lobte der Frankfurter Fußballlehrer seinen Schlussmann, er habe „eine tolle Präsenz“ und „als er gebraucht wurde, war er da.“ 

Das Spiel in der Rasenfunk-Schlusskonferenz Analyse

Es war erneut Makoto Hasebe, der in der Dreierkette einen außerordentlich abgeklärten, hochseriösen Part spielte. „Er sticht heraus“, sagte Adi Hütter. Ohnehin verfügt die Frankfurter Hintermannschaft, auch ohne David Abraham (Adduktorenprobleme), über eine Menge Erfahrung. Marco Russ hat 301 Bundesligaspiele auf dem Buckel, Trapp ist Nationaltorwart, da verteidigt gebündelte Routine, die auch eine Hoffenheimer Drangperiode inklusive fünf Minuten Nachspielzeit überstehen kann. Und der 19 Jahre alte Evan Ndicka spielt in diesem Kreis auch schon wie ein Alter. Aber froh um ein paar Tage Pause ist auch er.

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