Armin Veh

„Wir haben schon was vor“

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Die neue alte Eintracht-Trainer Armin Veh will im zweiten Anlauf mit der Frankfurter Eintracht mehr erreichen als ihr zugetraut wird und ein bisschen träumen.

Kaum hatte der neue Trainer, der der alte ist, im Blitzlichtgewitter Platz genommen, ging die Frotzelei schon wieder los. „Ab und zu träume ich ein bisschen mehr als der Herri“, sagte der Frankfurter Trainer Armin Veh, braun gebrannt, gut erholt und bestens gelaunt zu dem neben ihm sitzenden Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen. Der ließ die kleine Spitze nicht lange unbeantwortet. „Weil bei uns nicht so viel geträumt wird, fühlen sich Trainer hier auch wohl.“

Ja, da war er wieder, der Armin Veh, im bunten Hemd, in blauen Jeans und weißen Turnschuhen gewohnt juvenil gekleidet, und so, als wäre er nie weg gewesen aus Frankfurt. Der Saal, der im benachbarten Hotel für die offizielle Vorstellung des Fußball-Lehrers gewählt wurde, entpuppte sich schnell als viel zu klein für die zahlreichen Berichterstatter und TV-Sender. Die Rückkehr des Trainers Veh zur Eintracht hatte durchaus Eventcharakter.

„Es hat sich ein bisschen was geändert im Klub“, nannte der 54 Jahre alte Augsburger einen der Gründe, der ihn zur Rückkehr bewogen hatte. Über das Gehalt ist nicht gefeilscht worden, „das war eine Sache von zwei Sekunden“, sagte Bruchhagen. Für die Eintracht ist finanziell in diesem Jahr mehr möglich als bei seinem Weggang vor Jahresfrist. Runde sechs Millionen Euro mehr stehen mittlerweile zur Verfügung, der Etat wird sich für die kommende Saison auf 36 Millionen, vielleicht gar 37 Millionen Euro belaufen. Das hängt auch davon ab, „wie wir Bewegung in den Kader bekommen“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner, der einige Spieler abgeben will.

Auf der Streichliste stehen etwa Slobodan Medojevic und Jan Rosenthal, eng könnte es auch für Nelson Valdez und Takashi Inui werden. Bei Vaclav Kadlec stehen die Zeichen auf Trennung, die Eintracht soll nicht abgeneigt sein, den Stürmer an den FC Midtjylland abzugeben. Eine Ablösesumme von 2,5 Millionen Euro stehen im Raum. Vor zwei Jahren kam der Tscheche für 3,2 Millionen Euro von Sparta Prag.

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Mit den zusätzlichen Einnahmen aus den Spielerverkäufen und den um „20 Prozent“ gestiegenen Etat könne man laut Veh „schon etwas bewegen, selbst wenn das keine Unsummen sind. Und wenn man das Falsche damit macht, dann nutzten einem auch 20 Prozent mehr nichts“. Ohnehin hat Veh den Kontakt nach Frankfurt nie abreißen lassen, ganz im Gegenteil. „Wir haben uns nach jedem Spieltag ausgetauscht“, sagt Hübner. Veh war immer auf dem neusten Stand.

Armin Veh sieht, anders als vor anderthalb Jahren, als er sich entschlossen hatte, seinen Kontrakt nicht zu verlängern, mittlerweile Perspektiven für die Eintracht. „Wir wollen ein bisschen träumen und etwas erreichen, was nicht jeder von uns erwartet.“ Seine Zuversicht gründet sich auch auf die handelnden Personen und vor allem durch die Neubesetzung des Aufsichtsrats, an deren Spitze jetzt in Wolfgang Steubing ein Mann steht, mit dem Veh genauso gut kann wie mit Präsident Peter Fischer, Sportdirektor Hübner und Vorstand Axel Hellmann. „Wir haben schon was vor“, sagte Veh am Montag geheimnisvoll.

Das in den ersten drei Jahren seiner Tätigkeit in Frankfurt gewachsene Vertrauensverhältnis sei eine hervorragende Basis. Dieser kleine Zirkel will am Rad drehen, nicht am ganz großen, doch er will ein paar Stellschrauben verändern, will den Blick nach oben richten. Den neunten Tabellenplatz wolle man allemal wieder erreichen, das sagt sogar Heribert Bruchhagen, vielleicht gar ein bisschen mehr.

Veh, der nach siebenmonatigem Auszeit „wieder aufgeladen und frisch ist“, weiß, dass es im Frankfurter Umfeld durchaus Vorbehalte gegen sein Comeback gibt, ja dass der Klub fast gespalten ist in Befürworter und Gegner. Er könne die Skepsis „absolut nachvollziehen, ich kann nur versuchen, das Vertrauen bei denen zurückgewinne, bei denen ich es verloren habe.

Das geht aber nur durch Arbeit, nicht durch Worte.“ Klar ist auch: „Ich habe wirklich nicht vor, Eintracht Frankfurt wieder zu verlassen.“ Sein Vertrag gelte zudem für zwei Jahre „ohne Ausstiegsklausel“ (Veh). Zudem weiß der 54-Jährige, dass er es sich nicht leisten kann, bei der ersten Schwierigkeit in den Sack zu hauen.

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Sicher ist zudem, dass Armin Veh nicht nach einem Jahr im Traineramt nahtlos auf den vakant werdenden Vorstandsposten wechseln wird. „Vielleicht macht der Herri ja noch fünf Jahre.“ Als Bundesligatrainer könne man nicht planen, in ein oder zwei Jahren einen anderen Job zu übernehmen. „Es ist nicht angedacht, dass ich einen anderen Posten antrete. Das wäre fatal“, sagte Veh zu den hartnäckigen Gerüchten, er könnte den 2016 aus dem Amt scheidenden Eintracht-Boss Bruchhagen beerben oder als Sportvorstand fungieren. „Das wäre ein totaler Einschnitt, denn das würde das Ende meiner Trainerlaufbahn bedeuten. So weit bin ich noch nicht. Ich lebe von Emotionen, auch wenn ich oft genug ruhig wirke, und stehe lieber auf dem Trainingsplatz.“

Es wird anfangs nur ein ausgedünnter Kader zur Verfügung stehen, allein zehn Spieler von der vergangenen Runde haben noch Sonderurlaub (wegen Spielen in Ländermannschaften) oder sind noch verletzt. „Drei bis vier Positionen“ (Hübner) will die Eintracht neu besetzen, und dabei auch versuchen, Sebastian Jung (VfL Wolfsburg) und Pirmin Schwegler (TSG Hoffenheim) zurückzuholen. Bislang haben die Hessen lediglich den Leverkusener Stefan Reinartz verpflichtet, dies war auch der Trainersuche geschuldet. In den nächsten Tagen werden Veh und Hübner verstärkt auf Akquise gehen. „Das Fundament haben wir ja schon gelegt“, sagt Hübner. Offen ist weiterhin, was mit Carlos Zambrano geschieht, aktuell bei der Copa America aktiv.

Veh, der mit seinem alten Trainerteam arbeiten wird – Co Reiner Geyer und Torwarttrainer Moppes Petz –, kann sich vorstellen, U 19-Trainer Alexander Schur mit ins Boot zu holen, um auch eine bessere Verzahnung zum Nachwuchs zu haben. „Schur kann ein Thema sein, aber das ist noch nicht zu Ende gedacht.“

Ganz zum Schluss ist Veh gefragt worden, ob man seine Rückkehr auch unter dem Begriff „alte Liebe rostet nicht“ zusammen fassen könne. Dieses Mal war freilich Bruchhagen mit der Spitze schneller. „Wenn es keine Liebe gibt, kann auch nichts rosten.“

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