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"Wir fahren nicht nach Berlin, um Bella Figura zu machen"

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Von: Ingo Durstewitz

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Axel Hellmann hat mit der Eintracht ein großes Ziel: Die Bayern im Finale besiegen. Wird nicht leicht.
Axel Hellmann hat mit der Eintracht ein großes Ziel: Die Bayern im Finale besiegen. Wird nicht leicht. © Imago

Eintracht-Vorstand Axel Hellmann will dieses Mal den Pott holen.

Nach dem harten Fight auf Schalke und der aufwühlenden Schlussphase war die Stimme erst mal weg. „Die letzten Minuten waren kaum zum Aushalten, schlimm“, sagte Axel Hellmann nach dem dramatischen Einzug ins Finale. Der Eintracht-Vorstand hatte schon lange vor dem Semifinale die Weichen für Berlin gestellt und im Hintergrund alle Vorbereitungen getroffen. Nach dem Coup sprach der 46-Jährige über ...

... das, was die Eintracht-Entourage in Berlin erwarten wird: Es wird noch eine Schippe größer und besser als letztes Jahr. In den vergangenen Wochen waren wir in geheimer Kommandosache unterwegs und haben alles intensiv  vorbereitet. Wir hatten auch mehr Zeit. Es werden mehr Sponsoren vor Ort sein, Partner aus China, Abu Dhabi, USA. Wir werden die Frankfurter Botschaft um 300, 400 Leute erweitern. Wir kalkulieren mit 1400 Menschen. Full House. Natürlich spekulieren wir auf den Pokalsieg. 

... den unglücklichen Umstand, dass die übermächtigen Bayern im Finale warten: Du darfst dir nicht in die Hosen machen. Wenn du davon ausgehst, dass du das Endspiel verlierst, brauchst du ja auch das Halbfinale nicht zu spielen. Die Mannschaft ist gegen Schalke bis an ihre Grenze und darüber hinausgegangen, nur um sich ins Finale zu fighten. Das war eine herausragende Leistung. 

... die Chancen in Berlin: Natürlich treffen wir da jetzt auf einen Gegner, der sechs Tore gegen Dortmund, fünf Tore gegen Gladbach und sechs Tore in Leverkusen geschossen hat. Natürlich sind die Bayern eine Übermannschaft. Aber wir spielen sicher nicht ein Finale, nur um dort nicht 0:4 oder 0:5 zu verlieren oder ein Debakel zu vermeiden. Wir fahren nicht dahin, um Bella Figura zu machen. Wir brauchen ein klares Ziel. Und wenn wir nicht die Absicht haben, ein Wunder zu vollbringen, brauchen wir erst gar nicht nach Berlin zu fahren. Aber die Jungs haben diese Absicht, glauben Sie mir. Wir haben ein Ziel, auf das wir hinarbeiten können. Wir treten mit einer stärkeren Mannschaft als letztes Jahr an. Omar Mascarell ist zurück, Ante Rebic wird zurückkehren. Wir haben die Kraft, Außergewöhnliches zu schaffen. Schalke hatte von den letzten acht Spielen sieben gewonnen, zuletzt das Derby für sich entschieden. Da musst du auswärts erst mal gewinnen. Da kann ich nur sagen: Respekt. Das ist eine riesengroße Leistung. Wir sind keine Träumer, aber wenn du das jetzt geschafft hast, dann wollen wir auch das Finale gewinnen. Ganz klar. Diesmal soll es keinen zweiten Platz geben, sondern den ersten. 

... das Abschiedsspiel von Niko Kovac, ausgerechnet gegen seinen neuen Arbeitgeber: Das ist brisant. Wenn du gegen die Bayern den Cup holst, dann sind viele Emotionen runtergekühlt. Man muss ja schon sagen, das hing in den letzten Tagen wie Gewitterwolken über Frankfurt. Das ist noch nicht endgültig weg. Natürlich kann man über Stil, Offenheit, Geradlinigkeit diskutieren, aber ich hätte mich zu Tode geärgert, wenn eine gute Saison am Ende in den Strudel einer persönlichen Entscheidung geraten wäre. Das hätte den Arbeitsaufwand der Mannschaft nicht widergespiegelt. Eines ist ganz klar: Diese Mannschaft sucht nicht nach Alibis. Das hat man in der ersten Halbzeit von Leverkusen schon gesehen. Und diese Stimmung, die zuletzt in Frankfurt vorherrschte, die hing nicht in der Kabine und auch nicht in den Geschäftsräumen. Klar, wir haben das wahrgenommen und es ist auch Realität. Aber es hat unsere Arbeit nicht beeinträchtigt. Generell muss man sagen: Die gefühlte Stimmung rund um den Klub stimmte mit dem Binnenklima nicht überein. Dass das wieder in Einklang ist oder sich zumindest annähert, ist total wichtig, und deshalb denke ich, dass wir auf der Zielgeraden eine gute Stimmung haben werden. 

... den Endspurt in der Bundesliga: Es wird auch positive Effekte auf die nächsten Bundesligaspiele haben. Das Spiel am Samstag gegen Berlin ist fast noch wichtiger. Die Mannschaft hat es sich verdient, vom Publikum abgefeiert zu werden, und das löst manche Bremse. 

Aufgezeichnet von Ingo Durstewitz

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