Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Hielt wenigstens noch den Punkt fest: Kevin Trapp. Foto: dpa
+
Hielt wenigstens noch den Punkt fest: Kevin Trapp.

SGE nach dem EL-Auftakt

Eintracht Frankfurt: Abschied vom Wildwest-Fußball

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
    schließen

Eintracht Frankfurt sucht nach dem 1:1 gegen Fenerbahce Halt - und ein bisschen auch sich selbst. Jetzt fällt auch noch Martin Hinteregger aus.

Frankfurt am Main - Erik Durm aus Pirmasens in der Südwestpfalz ist nicht gerade ein Globetrotter in Sachen Fußball, aber doch schon ein bisschen rumgekommen. Der heute 29-Jährige spielte in Saarbrücken, Mainz, Dortmund, auf der Insel bei Huddersfield Town und seit gut zwei Jahren bei Eintracht Frankfurt; 2014 wurde der Verteidiger sogar Weltmeister am anderen Ende der Welt, in Brasilien. Das können nicht viele von sich behaupten.

Und doch ist Durm der Erik aus dem rheinland-pfälzischen Rieschweiler-Mühlbach geblieben, nahbar, bodenständig, ohne Flausen. Der Familienvater neigt eigentlich auch nicht zu überbordenden Gefühlsschwankungen, doch nach dem 1:1 in der Europa League gegen Fenerbahce Istanbul trugen ihn die Emotionen davon. Als er über seine Kollegen sprach, die neuen und die alten, galoppierte er förmlich davon. „Das sind super Jungs, super Kicker“, bedeutete er, „tolle Charaktere.“

Eintracht Frankfurt weiterhin ohne Pflichtspiel-Sieg

Die Zugänge würden sich „perfekt“ einfügen, Stürmer und Torschütze Sam Lammers etwa sei ein „witziger, geiler Typ, Holländer, passt genial rein.“ Die gesamte Mannschaft sei wie aus einem Guss. „Wir sind eine geile Einheit auf dem Platz“, findet der Außenverteidiger. Und überhaupt: „Wir sind auf einem richtig guten Weg.“ Ein Spiel hat Eintracht Frankfurt in dieser Saison freilich noch nicht für sich entscheiden können. In der Bundesliga rangieren die Hessen mittlerweile auf dem Relegationsrang.

Nach dem Remis gegen den türkischen Spitzenverein aus Istanbul rätseln viele mal wieder, wie dieses Resultat und die Leistung zu bewerten sei und welche Rückschlüsse man ziehen könne. Die Analyse kommt denn auch einigermaßen zerrissen daher, die ganze Angelegenheit ist eine zwiespältige.

Eintracht Frankfurt: Der Dank geht an Kevin Trapp

Natürlich ist das Unentschieden gegen Fener letztlich ein ordentliches, gerechtes Resultat, auch wenn die Eintracht in der Nachspielzeit Glück hatte, dass Kevin Trapp erst den von ihm verschuldeten Strafstoß von Dimitris Pelkas hielt und auch der im Netz zappelnde Nachschuss von Mergim Berisha nicht zählte, weil der ehemalige U21-Nationalspieler zu früh in den Sechzehner gesprintet war. „Am Ende müssen wir uns bei Kevin bedanken“, befand Coach Oliver Glasner.

Und auch die Anfangsphase war zum Vergessen, da taumelte die Eintracht von einer Verlegenheit in die nächste. Vielleicht auch, weil sie eher mit einem abwartenderen Gegner gerechnet hatte und überrascht wurde. Der Matchplan ging jedenfalls nicht im Ansatz auf, nach vier Minuten hätte sie schon mit 0:2 zurückliegen können.

Andererseits ließen sich die Frankfurter nicht ins Bockshorn jagen, erkämpften sich Stück für Stück die Spielkontrolle. „Von Rückschlägen lassen wir uns nicht rausbringen“, urteilt Glasner. Die Mentalität stimmt. „Die Basis passt zu 100 Prozent.“

Eintracht Frankfurt: Auf der Suche nach dem Plan

Und doch bleibt ein seltsames Gefühl des Fremdelns mit diesem neu orchestrierten Ensemble, man fragt sich, wie genau der Plan ist, der verfolgt wird, wie die Mannschaft spielen und erfolgreich sein soll. Das Ganze wirkt nicht gefestigt, was es nach kurzer Zeit vielleicht gar nicht sein kann, irgendwie unfertig. Die Eintracht sucht nach sich selbst. Alles in allem ist das Spiel immer noch zu unstet und unbedarft. Und: zu fehlerbehaftet. Klar ist: Das Radikale, das die Mannschaft ausgezeichnet hat, diese Bedingungslosigkeit und das Wilde sind verschwunden. Genauso wie der Punch im letzten Drittel.

Martin HInteregger hat sich zwei Bänder in der Schulter gerissen

Nun muss Glasner in Wolfsburg auch noch an den an der Schulter verletzten Martin Hinteregger verzichten. Der Österreicher hatte sich am Donnerstagabend kurz vor Schluss zwei Bänder in der Schulter gerissen, die Ärzte diagnostizierten eine Schulterläsion, das ist eine eher gravierende Blessur, der Innenverteidiger wird einige Wochen fehlen. Auch eine Operation ist nicht ganz ausgeschlossen. Am Abend teilte der 29-Jährige via Instagram mit: „Wie es meiner Schulter geht? Sagen wir`s so: Die wird eh wieder.“ Viel wichtiger sei aber der Punkt in der Europa League und eine „eine Leistung, die nach drei Punkten am Sonntag gegen Wolfsburg riecht“. Allerdings sicher ohne Hinteregger.

Coach Glasner wertet das jüngste der vier Remis‘ als Mutmacher – nicht auszudenken, wenn die Eintracht das dritte Mal in Folge noch Punkte in der Endphase abgeben hätte. In Bielefeld und gegen Stuttgart schluckte sie spät den Ausgleich, gegen Fenerbahce drohte in der Nachspielzeit die Niederlage vom Elfmeterpunkt. „Das wäre ein heftiger Nackenschlag gewesen“, räumt der Fußballlehrer ein. So aber glaubt er an den Turnaround: „Das kann jetzt die Wende in unsere Richtung gewesen sein.“ Im Fußball geht es ja um Kleinigkeiten und auch um so etwas wie den Trend, der eben Freund oder Feind ist. Dass in Frankfurt nicht alles beim Alten bleibt, war ohnehin klar. Glasner steht für einen etwas strukturierteren Ansatz, eine gute Ordnung und eine stabile Defensive.

Eintracht Frankfurt: Oliver Glasner steht auf die Viererkette

Diese Wildwestspektakel, wie er sie bei der 3:4-Niederlage in Frankfurt als Trainer des VfL Wolfsburg selbst erlebte, sind nichts für den 47-Jährigen. Er muss aber die Balance finden zwischen einer guten Absicherung und etwas mehr Zügellosigkeit in der Offensive. „Vorne fehlt ein bisschen was“, sagt er. Es gehe aber um Nuancen, falsche Entscheidungen, fehlende Steckpässe, Abspiele in den falschen Momenten.

Die von ihm klar favorisierte Viererkette soll mehr Sicherheit geben. „Wir sind in keinen Konter mehr gelaufen“, stellt der Trainer zufrieden fest. Die Dreierkette aber hat die Eintracht über Jahre hinweg praktiziert – sehr erfolgreich. Und: Gerade die Außenverteidiger sind sehr wohl Problemfelder im Spiel. Danny da Costa ist weit weg von seiner Form, die ihn mal in den Dunstkreis der Nationalmannschaft spülte. Erik Durm ist ein zuverlässiger, ordentlicher Spieler – genauso wie Christopher Lenz. Doch die gestiegenen Ansprüche lassen sich nur mit Solidität nicht bedienen. Ein Opfer des Systemwandels ist Altmeister Makoto Hasebe, der keine Rolle mehr spielt. Glasner wird an seiner Ausrichtung festhalten, aber seine Priorität in der täglichen Arbeit verschieben. Denn das Angriffsspiel hat dem Österreicher nicht gefallen. „Vorne haben wir Abstimmungsprobleme“ sagt er. „Das läuft nicht alles rund, da haben wir viel Luft nach oben.“ Man müsse nun „das Gefühl füreinander entwickeln“.

Das wird wohl eher im Praxistest passieren müssen, denn es geht Schlag auf Schlag: Am Sonntag (19.30 Uhr/Live Dazn) tritt die Eintracht in Wolfsburg an – bei Oliver Glasners Ex-Verein, aktuell sogar Spitzenreiter. „Da müssen wir an eine fast perfekte Leistung kommen.“ Wird ja wohl mal drin sein. (Ingo Durstewitz)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare