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Nicht besonders überzeugend bisher: Steven Zuber.

Spielausrichtung

Eintracht: Hütter setzt auf Kontinuität - ist der riskante Fußball vorbei?

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Eintracht-Trainer Adi Hütter setzt in dieser Saison weiter auf Kontinuität – aber ob dies das richtige Mittel ist?

Frankfurt - Es ist, vordergründig betrachtet, schon ein wenig irritierend, dass dem Offensivliebhaber Adi Hütter auf breiter Front Mutlosigkeit unterstellt wird. FR, „Kicker“ und andere Medien halten dem 50-Jährigen momentan eine gewisse Verzagtheit vor. Irritierend ist das deshalb, weil Adi Hütter als Coach gilt, der für riskanten, waghalsigen Fußball steht. Das war zumindest mal so.

Eintracht Frankfurt: Hütter hat sich gewandelt

Doch der Österreicher hat sich gewandelt, bereits in der vergangenen Saison stand er häufiger mal auf der Bremse, bimste seinem Team einen neuen Pragmatismus ein. Er passte seine Ideale der Realität an und orientierte sich am Machbaren. Das ist jetzt wieder so, und das ist ihm nicht vorzuwerfen. Er hält eine auf Stabilität fußende Herangehensweise für zweckdienlicher. Stressfußball, Wildheit und Draufgängertum – das war einmal. Denn: Wer keine Büffel hat, kann auch nichts niedertrampeln. „Grundsätzlich“, sagte Hütter aber unlängst im großen FR-Interview, „werde ich immer mutig bleiben.“

Nach dem 2:2 in Stuttgart, dem vierten Remis in der noch immer jungen Saison und dem vierten sieglosen Spiel in Serie, ist dennoch eine Diskussion um seine jüngste Aufstellung entflammt, denn die war so, wie sie zuvor schon war, eher auf Vorsicht basierend. Nicht alle hatten dafür Verständnis. Hütter bedeutet lakonisch: „Ich habe daran geglaubt, dass die Mannschaft in dieser Besetzung das Spiel gewinnen kann.“

Das ist der Kernpunkt: Ein Trainer handelt nach klaren Kriterien, um den größtmöglichen Erfolg zu erzielen. Er kann dabei auf allerlei exklusives Basiswissen zurückgreifen: Er sieht mehr als andere, kennt seine Mannschaft besser, beäugt sie jeden Tag im Training. Dass das Erdachte am Spieltag nicht immer verfängt, liegt in der Natur der Sache. Da geht es um die Tagesform, die Stärke des Gegners, äußere Einflüsse, jede Partie hat einen eigenen Spielfilm.

Hütter ist der, der die Richtung vorgibt, er trifft Entscheidungen, die im Nachgang, wenn man weiß, ob Theorie und Praxis korrespondiert haben oder eben nicht, schon mal auf Verwunderung stoßen können. Im Falle des Auswärtsspiel im Ländle schwang bei vielen ob der nominierten Startelf schon vorher eine gewisse Skepsis mit. Viele hätten sich mehr Mumm und Unbekümmertheit gewünscht, eben einen Spieler wie Aymen Barkok, der nach seiner Einwechslung gegen Bremen in der Vorwoche schon zu den Aktivposten zählte und Bewegung ins festgefahrene Spiel brachte. Gegen Stuttgart saß er, wie der ebenfalls agile Amin Younes, erst mal wieder draußen.

Als beide zur zweiten Halbzeit eingewechselt wurde, drehte sich der Wind, die Eintracht wurde zielstrebiger und forscher – und erzielte zwei Tore, die zum 2:2-Ausgleich. Hätte Hütter die beiden auf den Außen aufgebotenen Akteure also nicht besser von Beginn an ins Rennen geschickt?

Eintracht Frankfurt: Da Costa im Winter weg?

Der Coach hat in seinen Überlegungen gewiss mehrere Optionen bedacht und dabei auch die Stuttgarter Spielweise eingezogen, denn der VfB steht für einen schnellen, frechen Umschaltfußball. Dem wollte Hütter seine auf Stabilität ausgerichtete Marschroute entgegensetzen. Das klappte nicht, weil die Stuttgarter auch so zu flink waren und die Eintracht fast nur reagierte. Vielleicht wäre es eher ratsam gewesen, hinten einen schnellen Mann zusätzlich einzubauen. Sei’s drum.

Die Mannschaft hatte in dieser Zusammensetzung schlichtweg nicht die Mittel, um den Schwaben etwas entgegenzusetzen, es waren zu wenige Fußballer im Team, dafür zu viele Zerstörer, die nicht mal hurtig genug waren, um das Spiel der jungen Stuttgarter wirklich zu zerstören.

Ganz offenkundig hält der Trainer dribbelstarke Offensivkräfte wie Younes und Barkok noch für zu unfit oder unstet, um sie in die Startelf zu berufen. Doch nur mit Ordnung und Organisation funktioniert es eben auch nicht. Die Mischung macht’s, die rechte Balance hat Hütter noch nicht gefunden.

Eintracht Frankfurt: Sebastian Rode angeshlagen

Und so ist die Frage zulässig, weshalb anstelle des angeschlagenen Sebastian Rode nicht ein etwas offensiverer Akteur aufgeboten wurde? Und vor allem: Weshalb durften Steven Zuver auf links, Stefan Ilsanker zentral und Almamy Touré auf rechts erneut beginnen? Zuber hat als Kostic-Ersatz nicht überzeugen können, ist nicht explosiv genug und dreht zu oft ab. Ilsanker ist außer Form, fußballerisch sowieso minderbemittelt. Und Tourés Höhenflug war schon vor seiner erschütternd schwachen Leistung im Schwabenland beendet. Hütter hält nichts davon, Spieler schnell fallen zu lassen. „Ich möchte den Jungs das Vertrauen geben, dass sie über einen längeren Zeitraum Schwankungen haben können“, begründete er. Andererseits ist es kein probates Mittel, auf das Prinzip Hoffnung zu setzen und zu denken: Irgendwann wird es schon klappen.

Zumal der Maßstab nicht für alle gleichermaßen gilt. Dominik Kohr wurde nach schwacher Leistung gegen Bielefeld vier Spiele nicht berücksichtigt, Danny da Costa erging es ähnlich, er schaffte es jetzt nicht mal mehr in den Kader. Dabei mache er in der vorvergangenen Saison 50 Spiele, war unverzichtbar. Von atmosphärische Störungen wird berichtet, da Costa wäre schon im Frühherbst um ein Haar auf Schalke gelandet, vielleicht ist ein Winterwechsel sinnvoll.

Oder Hütter macht das wahr, was er jetzt angekündigt hat: „Irgendwann werden auch die anderen drankommen.“

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