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Seit gesterm wieder im Training: Torhüter Felix Wiedwald.

Eintracht Frankfurt

Wiedwald vor dem Abflug?

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Eintracht Frankfurts Torhüter Felix Wiedwald kehrt ins Training zurück und wird gleichzeitig von Werder Bremen umworben. Was mit Wiedwald passiert, hängt vor allem von Kevin Trapps Zukunftsplanungen ab.

Eiskalt ist es am Morgen, der beheizte Rasen ist weiß überzuckert, viele Profis von Eintracht Frankfurt tragen Pudelmützen, Handschuhe sowieso, nur Sonny Kittel und Timothy Chandler kicken in kurzen Hosen. Es gibt sicher angenehmere Bedingungen für ein Fußballspiel, aber für Felix Wiedwald sind es die schönsten Voraussetzungen seit geraumer Zeit. Gestern durfte der Torwart erstmals wieder auf den Platz, durfte erstmals wieder nach Bällen hechten. „Natürlich bin ich noch nicht wieder im Vollbesitz meiner Kräfte“, sagte der 24 Jahre alte Ballfänger, aber er wirkte alles andere als unglücklich.

Ziemlich genau vor einem Monat, nach dem Spiel gegen Werder Bremen, war der Schlussmann am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankt und außer Gefecht gesetzt. Die Krankheit hat ihn zur absoluten Unzeit getroffen, er zeigte als Vertreter des an einem Syndesmosebandriss laborierenden Platzhirschs Kevin Trapp außergewöhnlich gute Leistungen.

Mittlerweile ist Wiedwald weitgehend gesund, 90 Prozent aller Blutwerte seien wieder in Ordnung. „Ich muss mich langsam herantasten“, sagt der aus Thedinghausen bei Bremen stammende Torhüter. Bislang hatte Wiedwald absolute Ruhe von den Ärzten verordnet bekommen, lange Zeit fühlte er sich schlapp, zwischen den Jahren saß er zweimal auf dem Ergometer, an mehr sportlicher Betätigung war nicht zu denken. Am Montag konnte er erstmals vorsichtig joggen.

Gravierende Personalentscheidungen

Am Montagabend war bei Eintracht Frankfurt ein offizielles Angebot von Werder Bremen für Wiedwald eingegangen. Die abstiegsbedrohten Norddeutschen wollen den Schlussmann, dessen Vertrag im Sommer bei der Eintracht ausläuft, verpflichten, angeblich etwa 350 000 Euro bieten sie als Ablöse. In Bremen, „meiner Heimat“ (Wiedwald), soll er einen Kontrakt bis 2018 unterzeichnen.

Der Frankfurter Sportdirektor Bruno Hübner bestätigte am Dienstag das Bremer Angebot, man habe es „zur Kenntnis genommen“. Allerdings sei es „nicht Priorität von Eintracht Frankfurt, den Spieler in der Winterpause abzugeben“. Er, Hübner, sehe die Lage „sehr entspannt“, man habe „keinerlei Zeitdruck“ und „kurzfristig passiert nichts“. Wiedwald, so ist es geplant, werde mit ins Trainingslager nach Abu Dhabi (13. bis 21. Januar) reisen. „Im Moment sehen wir in dem Wechsel keinen Sinn. Wenn wir ihn abgeben, brauchen wir eine Alternative und es muss auch wirtschaftlich stimmen.“

Wiedwald selbst, der seit der C-Jugend und insgesamt bald zwölf Jahre bei Werder Bremen spielte, sagte, sein erster Ansprechpartner sei nach wie vor Eintracht Frankfurt. Dass er gerne in Bremen das Tor hüten würde, ist ein offenes Geheimnis. Er ist dort groß geworden, seine Familie, seine Freundin stammen von dort, „es ist schön, dort zu spielen“. Doch die Prioritäten sind andere: „Ich will erst einmal gesund werden.“

Die Zukunft von Felix Wiedwald hängt gewaltig von einer anderen, gravierenden Personalentscheidung ab. Die Gretchenfrage lautet: Wird Kevin Trapp seinen 2016 auslaufenden Vertrag vorzeitig verlängern oder wird er von seiner Ausstiegsklausel (die Ablösesumme soll bei vier Millionen Euro liegen) Gebrauch machen? Daran hängt eine ganze Menge. Bislang hat Trapp, gerade von seiner Sprunggelenksverletzung kuriert und beschwerdefrei im Training, noch kein entsprechendes Zeichen gegeben. Allerdings gibt sich Hübner zuversichtlich. Trapp habe immer betont, wie wohl er sich in Frankfurt fühle. Ohnehin hat ihm die Eintracht vor einiger Zeit einen neuen Kontrakt unterbreitet und ist dabei weit über die Schmerzgrenze hinausgegangen. Das Vertragsvolumen soll um die drei Millionen Euro liegen.

„Es wäre schön, Kevin würde uns ein Zeichen geben“, sagte Hübner. „Wir schätzen die Wahrscheinlichkeit relativ hoch ein, dass er unser Vertragsangebot annimmt.“ Sicher ist das aber nicht, „sicher“, sagt der Sportdirektor, „kann man im Fußball nie sein“. Trapp ist einer der am meisten begehrten Torhüter in der Liga, jüngst erst soll der VfL Wolfsburg darüber nachgedacht haben, Trapp als Nachfolger von Diego Benaglio zu verpflichten. Dessen Kontrakt endet 2016. Auch in Dortmund ist Trapp im Gespräch.

Sollte der 24-Jährige, der zum Bundesligastart sein Comeback unter der Latte geben wird, indes seinen Vertrag in Frankfurt nicht vorzeitig verlängern, würde die Eintracht natürlich auch Felix Wiedwald nicht abgeben. Weil diese Würfel aber noch nicht gefallen sind, sieht Hübner keine Veranlassung, derzeit reagieren zu müssen – auch wenn Werder Bremen darauf drängt, eine schnelle Einigung herbeizuführen. „Eintracht Frankfurt steht an oberster Stelle“, sagt Hübner, der auf Bremer Befindlichkeiten verständlicherweise keine Rücksicht nehmen will. Grund zur besonderen Eile sieht der Sportdirektor nicht.

Auch bei Vaclav Kadlec spielt Hübner auf Zeit, allenfalls an einen Topklub würde man den Stürmer möglicherweise abgeben. Insofern käme der Hamburger SV, der angeblich ein Auge auf den Tschechen geworfen hat nicht in Frage. Neu ist das Interesse seines ehemaligen Klubs Sparta Prag. Aber auch im Falle Kadlec sieht Hübner nicht unbedingt Handlungsbedarf. „Es muss Sinn machen.“

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