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Wiedersehen in Frankfurt: Danny da Costa (l.) und Makoto Hasebe (r.) treffen auf OM-Profi Lucas Ocampos. Im Hinspiel siegte die SGE 2:1.

Europa League

Und wieder Vollgas bei der Eintracht

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Eintracht Frankfurt nimmt die eigentlich bedeutungslose Europa-League-Partie gegen Olympique Marseille ernst und strotzt nur so vor Selbstvertrauen.

Der Hype rund um Eintracht Frankfurt rauscht an Adi Hütter weitestgehend vorbei. „Ich bin nur im Stadion und zu Hause“, sagte der Trainer am Mittwoch achselzuckend, von elektrisierender Stimmung, einem besonderen Fluidum könne er nicht berichten. „Ich laufe nicht in der Stadt umher.“ Den mächtigen Aufschwung genieße er, wie es so seine Art ist, eher „im Stillen“, aber zumindest lese er Zeitungen und bekomme da durchaus mit, dass äußerst positiv berichtet werde. Das freue ihn, sagt der Österreicher, aber so richtig traut er dem Braten nicht. „Es geht auch schnell in die andere Richtung“, warnte er. „Man muss immer hellwach sein.“ 

Vor dem heutigen Europa-League-Heimspiel gegen Olympique Marseille (21 Uhr, live bei Dazn) ist das Selbstvertrauen der gesamten Eintracht-Entourage mit Adi Hütter an der Spitze dennoch mit den Händen förmlich zu greifen, und der 48-Jährige hat kein Problem damit, es zu zeigen. „Wir werden auch mal wieder ein Spiel verlieren“, befand er, „aber wenn wir an unsere Leistungsgrenze kommen, dann muss der Gegner schon sehr gut sein, um uns zu schlagen.“

Davor, sein Ensemble als Spitzenteam zu bezeichnen, schreckt Hütter noch immer ein wenig zurück, aber wer ihm genau zuhört, der weiß, dass er es zumindest an der Schwelle sieht. „Wir wollen unter den Topmannschaften bleiben“, sagte er. „Wir sind hungrig.“ Der Eintracht werde zurzeit zwar jede Menge Beachtung geschenkt, doch der Fußballlehrer bezweifelt, dass „wir wirklich ernst genommen werden. Viele gehen davon aus, dass wir einbrechen.“ Er gehört nicht dazu. Das hört man aus jedem Satz heraus.

Der Vorarlberger befürchtet auch keinen dramatischen Abfall nach der Winterpause, was unter Niko Kovac gleich zweimal der Fall war. „Das interessiert mich überhaupt nicht“, bekundete Hütter. Seine Teams seien im „Frühjahr immer stärker als im Herbst“ gewesen. „Ich habe keine Bedenken, dass wir einbrechen“, führte er aus. „Ich glaube aber auch nicht, dass wir noch zehn, 15 Spiele hintereinander gewinnen.“ 

Für die heutige Partie, für die Jonathan de Guzman (Magen-Darm) fraglich ist und Chico Geraldes (krank) ausfallen wird, hat der Trainer eine Rotation in moderater Form angekündigt. Früher, in Österreich oder auch der Schweiz, habe er schon mal sechs, sieben, acht Spieler gewechselt, das würde er heute nicht mehr so machen. „Das ist zu viel.“ Aber auf jeden Fall werden einige Stammkräfte geschont, und den einen oder anderen Reservisten „will ich einfach mal sehen“. Vielleicht wird auch Frederik Rönnow den Kasten hüten, in einer der beiden ausstehenden Europa-League-Partien wird der Däne Kevin Trapp ersetzen, ob heute oder am 13. Dezember in Rom wollte der Coach noch nicht verraten. Rönnow habe insgesamt „eine gute Entwicklung“ genommen, er habe sich einen Einsatz verdient. Und für Trapp sei es kein Problem, „wenn er mal ein Spiel nicht macht“.

Der nur schwer zufriedenzustellende Trapp ist auch so etwas wie das Sinnbild des Höhenflugs. „Er ist ein absoluter Leader-Typ. Mir gefällt es, wenn man so ehrgeizig ist und hungrig bleibt.“ Ein anderer Eckpfeiler ist Ante Rebic, der hat in einem FR-Interview jetzt gesagt, er sei noch gar nicht richtig fit. Hütter konkretisierte: „Er ist vielleicht bei 80, 85 Prozent. Er braucht für sein Spiel Power und Punch. Ich denke, wir werden ihn in der Rückrunde so hinkriegen, dass er bei 100 Prozent ist, dann ist er noch viel stärker.“ Das klingt wie eine Drohung.

Dass die Eintracht ihr letztes Heimspiel in der Gruppenphase vor ausverkauftem Haus ernst nimmt, obwohl sie schon fürs Sechzehntelfinale qualifiziert und Marseille bereits ausgeschieden ist, steht für den Coach außer Frage: „Wir haben das Ziel ausgegeben, die Gruppe als Erster abschließen zu wollen. Ich erwarte, dass die Mannschaft ihr wahres Gesicht der letzten zwei Monate zeigt.“ Für Stürmer Sebastien Haller geht es auch darum, das Selbstvertrauen zu bewahren. „Das ist sehr wichtig.“ 

Und es ist nicht unbedeutsam, den ersten Tabellenplatz zu verteidigen und nach Möglichkeit beide ausstehenden Spiele zu gewinnen. Für jeden Sieg klingeln zusätzlich 570.000 Euro in der Kasse, bisher also 2,28 Millionen Euro. Prämien gibt es zudem für den Gruppensieger (eine Million Euro) und den zweiten Platz (500.000 Euro). Für das Erreichen des Sechzehntelfinals erhält die Eintracht schon mal sicher eine halbe Million Euro, fürs Achtelfinale wären weitere 1,1 Millionen Euro fällig. Die Startprämie betrug 2,92 Millionen Euro. 

Die Europa League ist generell so lukrativ wie nie zuvor, die Uefa schüttet sehr viel mehr Geld aus als im vergangenen Jahr, insgesamt 560 Millionen Euro – in der Saison davor waren es nur 381 Millionen. Eintracht-Vorstand Axel Hellmann kalkuliert mit Einnahmen von rund 18 Millionen Euro – erst einmal. Und aus dem internationalen Fernsehgeldtopf erhält die Eintracht seit ihrer Teilnahme 2013/14 jährlich rund 3,8 Millionen Euro, die Summe wird signifikant ansteigen. Jeder Sieg ist da wichtig. Auch solche in eher unbedeutenden Spielen.

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